DER TRAGÖDIE ZWEITER AKT

MUSIK ERTÖNT: SAH EIN KNAB EIN RÖSLEIN STEHN (DIE PRINZEN)


Straße, Grete vorübergehend, züchtig und kokett zugleich, Bewegung im Takt zur Musik. Eine "naesung"! Sie hat eine Blume dabei, bei der man die Blätter abreißen kann. Mephisto hat eine Reisetasche, in der ein Schmuck-/Schminkkästchen ist. Faust ist hingerissen, Mephisto signalisiert zunächst Ablehnung und verweist wieder auf andere Frauen im Publikum, aber Faust insistiert: die muss er haben!!
Er baggert sie an:

FAUST:                     "Mein schönes Fräulein, darf ich wagen, 
                                 Meinen Arm ihr anzutragen?" [gestisch umsetzen!]
GRETE:                     Es heißt nicht "Fräulein", sondern "Frau" und ich kann allein nach Hause gehen.
                                 [Geht mit einer arroganten Bewegung ab]
FAUST:                     Herr im Himmel, ist die schön! So was hab ich nie gesehn!
MEPHISTOPHELES:  Ah, die! Die kenn ich. Die ist zu jung! Vielleicht gerade mal 14 Jahre alt.
FAUST:                     Ach was, 14 Jahre, die ist doch nicht zu jung!
                                 Die will ich haben! Hast du mir ein Geschenk für sie?
MEPHISTOPHELES:  Na, mal sehn ... Wie wär's denn damit? Ein Ring, eine Halskette und Ohrringe,
                                 eine Haarspange und ein Lippenstift?
FAUST:                     Wunderbar, das ist eine prima Idee!
                                 Los, los, geh und gib's ihr schon!!! 

Grete, kommt zurück, Mephisto schleicht sich heran

MEPHISTOPHELES:  Schau mal, hier hab ich was für dich, von dem Herrn da drüben.....
                                 [Er hält ihr das Kästchen mit dem Schmuck hin]
GRETE:                     [arrogant] Soso, Sie haben was für mich! Na, dann geben Sie mal her.
                                 [Mephisto tut geheimnisvoll, Grete, zunehmend neugieriger, reißt ihm das Kästchen
                                 aus der Hand]. Geben Sie schon her!

 [Mephisto zieht sich mit Bücklingen zurück, Gretchen ist hingerissen und packt aus]

 GRETE:                    Poooooooooooh! Wow!
                                 Was für ein schöner Ring!
                                 Was für eine schöne Halskette!
                                 Was für schöne Ohrringe!
                                 Was für eine schöne Haarspange!
                                 Was für ein schöner Lippenstift!
                                 Das ist wirklich toll!!!

            [Grete schmückt und schminkt sich, betrachtet sich im Spiegelchen]

GRETE:           [Sie nimmt die Blume, wendet sich zum Publikum, und beginnt, die Blätter abzureißen]
                       Er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er liebt mich nicht, er liebt mich, er liebt mich nicht ....
                       Er liebt mich!!!

FAUST:           [hat die Szene mit Mephisto beobachtet, und fasst Mut, sich wieder an Grete heranzumachen]

FAUST:           Na du!
GRETE:           Wer? Ich?
FAUST:           Ja, du. Wie heißt du denn?
GRETE:           Ich heiße Grete. Und du?
FAUST:           Faust.
GRETE:           Ein seltsamer Name.
FAUST:           Warum denn seltsam?
GRETE:           So deutsch! So romantisch! Faust, was machst du denn?
FAUST:           Ich habe Germanistik studiert.
GRETE:           Und jetzt?
FAUST:           Ich habe keine Lust mehr. Und du, was machst du?
GRETE:           Ich geh noch zur Schule.
FAUST:           Du gehst also noch zur Schule! Grete, sag mal, was machst du denn am Wochenende!
GRETE:           Wer? Ich? Am Wochenende?
FAUST:           Ja! Du! Was machst du am Wochenende?
GRETE:           Ich geh in die Kirche. Und du?
FAUST:           Ach, die Religion, die interessiert mich nicht.
GRETE:           Du gehst nicht in die Kirche? Aber man muss etwas glauben!
FAUST:           Muss man?
GRETE:           Aber was machst du denn dann am Wochenende?
FAUST:           Ich gehe in die Disko!
GRETE:           Oh, du gehst in die Disko!?
FAUST:           Willst du mitkommen?
GRETE:           [noch zweifelnd] Ja ... darf ich denn mitkommen?
FAUST:           Na klar, darfst du, ich nehm dich mit, kein Problem!
                       Also dann, tschüss! Bis nächsten Samstag!
GRETE:           Tschüss, bis nächsten Samstag!


EXIT

DISCO-MUSIK ERKLINGT,
VORSCHLAG: GOETHE DER WAR DICHTER (BÜRGER LARS DIETRICH)

FAUST UND GRETE TANZEN, UM SIE HERUM HEXEN UND TEUFEL. DAS PUBLIKUM WIRD ZUM TANZ AUFGEFORDERT!


Faust-Projekt

1. Akt        2. Akt        3. Akt        4. Akt        5. Akt        Musik-Texte


Copyright © 2002 by Thomas Schwarz


DaF-Szene Korea Nr. 15

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