Ich habe ein Jahr in Deutschland verbracht und bin im Februar dieses Jahr zurückgekommen. Die Zeit wird mir sicherlich unvergesslich bleiben. In Würzburg wohnte ich in einem Studentenheim. Die Wohnung bestand aus zwei Zimmern, Küche und Bad. Ich hatte auch einen Mitbewohner, der hieß Stephan. Als ich ihn zum ersten Mal traf, sagte er zu mir: "Ich bin Stephan, und wer bist du? ... Hier ist unsere Küche. Ich hoffe, dass du sie immer gut aufräumst und kein dreckiges Geschirr herumstehen lässt. Ich hoffe, wir versehen uns." - Ich muss zugeben, dass ich ziemlich verblüfft war. Aber meine Deutschkenntnisse waren damals noch ziemlich mager, darum sagte ich einfach nur: "Ja, natürlich." Danach ließ er sich zwei Wochen lang überhaupt nicht blicken. Das kam mir sehr merkwürdig vor. Ich wusste ja nicht, dass er als Student der Geographie eine Expedition machte.
Weil es Winter war, waren die Abende sehr lang, und noch schlimmer kam es mir vor, dass ich keinen Fernseher hatte und auch kein Telefon. Darum dachte ich abends immer sehr an meine Freunde und meine Familie und vermisste sie sehr. Ich hatte wirklich starkes Heimweh.
Nach zwei Wochen traf ich Stephan endlich, der dabei war, in der Küche etwas zu essen. Ich zögerte, ob ich ihn ansprechen sollte oder nicht. Dann nahm ich meinen ganzen Mut zusammen: "Hallo, Stephan. Hättest du vielleicht etwas Zeit, mit mir zu reden? Ich fühle mich sehr einsam." Plötzlich lachte er auf und antwortete: "Tut mir leid. Ich habe keine Zeit." Was für ein blöder Kerl, dachte ich, und schämte mich, dass ich ihm gegenüber meine Gefühle gezeigt hatte. Als ich wieder in meinem Zimmer war, klopfte jemand an die Tür. So öffnete ich. Da stand ein junger Mann und stellte sich vor: "Ich bin Dominik. Ich habe von dir gehört. Stephan hat wegen seiner Arbeit keine Zeit. Aber wenn du einsam bist, dann lass uns doch in die Kneipe gehen. Was meinst du?"
Dominik war unser Nachbar. Er war sehr freundlich, und er trank sehr gern Bier. Beim Trinken haben wir uns an jenem Abend gut kennen gelernt. Von da an wollte er immer etwas mit mir gemeinsam unternehmen oder sich nur mit mir unterhalten. Natürlich in der Kneipe. Durch ihn habe ich viele Freunde und Freundinnen kennen gelernt, und von da an war ich nicht mehr einsam. Auch Stephan zeigte allmählich Interesse an mir.
Ein Problem konnte ich aber nicht so leicht lösen: Ich mochte das deutsche Essen nicht. Nur ein Butterbrot zum Abendessen - das kam mir sehr merkwürdig vor, und ich habe mich die ganze Zeit über nicht daran gewöhnen können.
Eines Tages kam Stephan mit Dominik heim, als ich zum Abendessen Reis mit Kimtschi aß. Den hatte meine Mutter reichlich mitgegeben, und ich bewahrte ihn auf dem Balkon auf, damit der Kühlschrank nicht nach Knoblauch roch. Allein zu essen ist für Koreaner auch sehr ungemütlich, aber was konnte ich tun? Jedenfalls sahen die beiden mich und wollten neugierig wissen: "Was für rotes Zeug isst du denn da?"- "Das ist Kimtschi. Der ist aus Chinakohl mit viel rotem Pfeffer. Daher kommt die rote Farbe. Und Knoblauch ist auch dran. Sehr scharf," antwortete ich. Stephan wollte nichts damit zu tun haben, aber Dominik wollte gleich mal probieren. Erst nahm er ein ganz kleines Stück: "Hm, nicht schlecht. Aber scharf ist das doch gar nicht. Gibt mir etwas mehr!" Mir sollte es recht sein. Aber nach ein paar Sekunden schrie er laut: "Wasser, Wasser!" Wir haben sehr gelacht. Jetzt sollte Stephan meinen herrlichen Kimtschi auch probieren, aber er zögerte weiter. Endlich nahm er ein kleines Stück und schien zufrieden.
Von da an lud ich die beiden häufig zum Essen ein, mit Reis, getrockneten Algen, kleinen Gemüsepfannkuchen oder koreanischen Spätzle. Alles natürlich mit Kimtschi. Nach einiger Zeit stellte ich fest, dass mein Kimtschi merklich weniger wurde, und ich fragte mich, wo er blieb. Ich beschloss, Dominik danach zu fragen, der behauptete immer: "Was meins ist, ist deins, und was deins ist, ist meins." Bei nächster Gelegenheit sprach ich ihn an: "Sag mal, hast du mein Kimtschi gegessen?" - "Nein, wieso?" - "Er wird immer weniger." - "Der Täter ist sicher der Hausmeister," lachte Dominik. Dann meinte er aber, dass es vielleicht doch Stephan sein könnte. Das kam mir unwahrscheinlich vor, weil er anfangs doch so skeptisch war. Aber als wir ihn fragten, gab er zu, dass er sich sehr an dieses scharfe Zeug gewöhnt hatte und zum Essen davon genascht hatte. Da mussten wir alle herzlich lachen.
Als der Vorrat nun wirklich zu Ende gegangen war, suchte ich im Internet nach einem Kimtschi-Rezept und rief auch meine Mutter in Korea an. Das Resultat war wirklich gar nicht schlecht. Stephan wollte seinen eigenen Kimtschi machen, wollte aber nicht auf meinen Rat hören und tat nicht eine Prise, sondern viel zu viel Zucker hinein. Tapfer aß er dann dieses süße Zeug, während Dominik und ich meinen genossen. Jedenfalls war Kimtschi das, was uns zu Freunden gemacht hat.
Bald aber kam schon die Zeit meiner Abreise. Da kam es zu einem kleinen Streit zwischen Dominik und Stephan, denn beide wollten meinen Reiskocher haben, den ich nicht mit nach Korea zurücknehmen wollte. Wie die kleinen Kinder stritten sie. Stephan sagte zu Dominik: "Du hast schon diese tolle Uhr bekommen." Ich musste schrecklich lachen. Jetzt musste ein Kompromiss gemacht werden. Ich sagte also: "Ich wollte den Kocher eigentlich anderen Koreanern geben, die in ein paar Monaten nach Korea zurückgehen. Einen Reiskocher haben die schon. Ich werde ihnen vorschlagen, dass sie euch beiden die zwei Kocher geben, wenn sie zurückfliegen. O.k.?" So haben wir diesen drohenden "Bruderkrieg" Gott sei Dank vermieden.
Bevor ich nach Deutschland ging, habe ich gedacht, dass die Deutschen etwas barsch und förmlich sind. Aber meine beiden Freunde aus dem Studentenheim und auch die vielen anderen Bekannten, die ich durch sie kennen lernte, waren ganz locker und viel geselliger, als ich sie mir vorgestellt hatte. Eigentlich waren sie gar nicht so sehr verschieden von koreanischen Studenten. Nach der Abschiedsparty für mich sagten sie: "Eigentlich können wir dich noch gar nicht aus Deutschland weglassen. Erstens sind deine Deutschkenntnisse noch lange nicht gut genug. Zweitens wollen wir die koreanische Küche noch besser kennen lernen. Und drittens werden wir dich vermissen." Für mich sind sie zu wirklich echten Freunden geworden, die ich mein Leben lang nicht vergessen werde. Jetzt halten wir durch Email Kontakt. Vielleicht kommen die beiden mich ja mal besuchen!
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