Lee Kyung-sook

Herzlich Willkommen - Einheit der Traditionen


Trotz des Terrors am 11. September und der Eskalation des Terrors in Palästina ist der Frühling gekommen. Wenn der Frühling kommt, erinnere ich mich an Deutschland. Am 26. Februar des Jahres 1981 habe ich meinem Mann geheiratet. Danach haben wir einen Monat lang, bevor wir nach Deutschland geflogen sind, bei meinen Eltern gewohnt und Vorbereitungen getroffen. In dieser Zeit haben wir einen Tag in unserem Landhaus, das mein Mann vor zwei Jahren gekauft hatte, übernachtet.

Das Haus liegt etwa 50km von Seoul entfernt, ganz nah vom Paldang-Damm, das Reservoir für die Hauptstadt. Das Dorf war im Greenbelt, in der Naturschutzzone. Jede Art von Bauarbeiten war streng verboten. Deshalb war das Haus sehr billig, so dass mein Mann es sich leisten konnte, das Haus zu kaufen. Wir waren die ersten Fremden im Dorf damals. Unsere Bekannten waren sehr skeptisch. "Warum wollt ihr aufs Land gehen, wenn alle Leute versuchen in die Stadt zu ziehen?" Aber für uns gab es keine andere Wahl, wenn wir heiraten wollten. Wir waren schon sieben Jahre befreundet. Trotzdem wollte ich auf keinen Fall einen Mann heiraten, der kein eigenes Haus hatte, wo das Haus sich auch immer befinden mag. Es war ein Glück, dass ich und mein Mann gerne auf dem Land leben wollten.

Als wir in Deutschland angekommen waren, mussten wir zunächst eine Wohnung suchen. Zu der Zeit haben wir zum ersten Mal den Kummer der Wohnungslosen selbst gespürt. Noch schlimmer war die Tatsache, dass wir Probleme mit der Sprache hatten. Wir waren finanziell auch nicht in der Lage, ein preiswertes Haus zu bekommen. Mein Mann hatte sein meistes Geld für das Haus in Korea ausgegeben.

Wie auch immer, wir sind überall umhergefahren, um eine Wohnung zu finden. In der Nähe von Frankfurt, wie z.B. in Bad Soden oder Bad Homburg waren die Häuser, umgeben von Gärten, mit Blumenwiesen wie im Paradies. Solche Anblicke hatten wir bis dahin nur auf Bildern gesehen. Die Blumen an den Fenstern und auf den Balkonen waren so schön, dass wir manchmal unsere Sorgen vergaßen.

Nachdem wir in Freiburg einen Monat lang als Untermieter gelebt hatten, haben wir endlich ein Dachzimmer in Frankfurt gefunden. Dort wurde 1982 meine Tochter geboren. Als meine Tochter zu laufen begann, sind wir in ein Studentenwohnheim gezogen. Aber die Frist von 3 Jahren war schnell vorüber und wir mussten wieder eine neue Wohnung suchen. Wir hatten viele Schwierigkeiten bis sich eine günstige Sozialwohnung fand.

Es scheint mir, wir haben uns ein Fünftel der Zeit, die wir in Deutschland verbracht haben, um Wohnungen gesorgt. Der Stress war sehr groß. Natürlich hatten nicht nur wir Schwierigkeiten bei der Wohnungssuche, sondern auch viele andere Ausländer und auch viele Deutsche. Und abgesehen von diesen Schwierigkeiten waren wir mit unserem Leben in Deutschland sehr glücklich und zufrieden.

Auch war das in Korea zurückgelassene Landhaus uns immer ein Trost. In Deutschland haben wir gelernt, das Leben im Landhaus zu schätzen. Nach deutschen Maßstäben ist unser Dorf, unser Haus ein wertvoller Schatz. Denn im Greenbelt sind Bauarbeiten streng untersagt, und die Umwelt wird mehr als in anderen Gebieten geschätzt und geschützt. Mein Mann sagt manchmal, dass er den vier zuständigen Ministerien sehr dankbar ist, selbst wenn die Dörfler ihn dafür mit Vorwürfen überhäufen würden, wenn sie das wüssten. Wäre es nicht geschützt, wäre unser Dorf wegen seiner wunderbaren Lage und Schönheit längst Spekulanten zum Opfer gefallen.

Unser Haus ist ein traditionelles koreanisches Haus. Als wir 1994 nach dem Studium heimkehrten waren wir sehr glücklich, vor allem weil wir ein eigenes Haus hatten, und zwar mitten in der Natur. Die meisten Bekannten die uns besuchten, meinten, dass wir das alte Haus abreißen und ein neues bauen sollten. Zwar war das alte Haus sehr schäbig, aber in unseren Augen war das Haus ein Schatz. Seitdem haben wir es ein wenig umgebaut und renoviert, ohne dabei seine eigentliche Form zu verändern. Wir wollten es möglichst in seiner originalen Gestalt bewahren, wie die Steinmauer, die Steinziegel und die Lehmwände. Wir haben immer noch viel zu verbessern. Aber schon finden sich mehr und mehr Leute, die unser Haus mögen.

Die Außenseite unseres Hauses ist im traditionellen koreanischen Stil. Aber das Innere ist mehr "weltbürgerlich". Eine deutsche Vitrine, ein antiker englischer Esstisch mit vier dazugehörenden Stühlen und persische Teppiche. In meinem Arbeitszimmer steht ein kleiner Holzofen von der Firma Buderus. Mit einem Wort, eine Vereinigung der Traditionen. Ein kultureller Geschmack, den ich in Deutschland gelernt, und nach Korea mitgebracht hat. Meine Erfahrung in Deutschland hat ein koreanisches Haus für immer gerettet. Deswegen sage ich, "Liebe deutsche Freunde, herzlich willkommen in unserm Haus am Hang des Berges Ungil! Außerdem gibt es in der Nähe einige Sehenswürdigkeiten, wie z.B. der buddhistische Tempel Sujong oder das Seoul Film Studio. Eine Frau, die heute mit ihrem Mann an unserem Haus vorbei ging, sagte zu ihm: "Guck mal! Das ist das Haus, das ich so lieb habe".


Copyright © 2002 by Lee Kyung-sook


DaF-Szene Korea Nr. 15

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