Park Hye-rim

Ein Brief an Frau T.


Liebe Frau T.,

im letzten Sommer in Berlin konnte ich Sie zuletzt treffen. Von jener Zeit bis heute befinden Sie sich gut? Ich kann schätzen, dass in Deutschland Ostern gleich kommt und bis jetzt der Kalte Wind weht. Heutzutage ist es sehr schönes Wetter in Korea. Ich möchte diese milde Sonne zu Ihnen senden und mit Ihnen teilen. Frau T, es frühlingt!

In diesem Jahr bin ich in der Abschlussklasse. Wie Sie wissen, ist Germanistik, was ich studiere, eine charmante und interessante Wissenschaft, aber das ist nicht so gut, um eine Stelle zu erhalten. Jedoch möchte ich deshalb nicht bedingungslos Englisch lernen. Was ich am besten und am glücklichsten tun kann, das ist nur etwas  über Deutschland. Sie sollen die große Verantwortung tragen, dass ich Deutschland ernst liebe. Denn ich wurde an meiner Universität aufgenommen, ohne irgendwelches Wissen über Deutschland zu haben, und Sie haben in mir ein Bild von Deutschland entstehen lassen. Ich habe mit frischem Entzücken vernommen, dass ich zum ersten Mal die deutsche Kultur durch Sie erleben kann. Und ich wurde in Deutschland vernarrt. Und dann konnte ich im letzten Jahr sechs Monate lang ein Leben von Deutschland erleben, das ich mir wirklich gewünscht habe, indem ich an einen Sprachkurs an der Universität Kiel teilgenommen habe.

Selbstverständlich war das Leben in Kiel nicht nur eine entzückende Erfahrung. Obwohl es eine Zeit war, eine neue Kultur zu erleben und viele Dinge zu erfahren, die ich in der früheren Zeit nicht gekannt habe, damals war ich abscheulich einsam. Wie Sie wissen, während ich in Deutschland geblieben bin, wurde ich auf eine unerträgliche harte Probe gestellt. Wenn ich außerdem als eine Germanistin die Bücher meiner Lieblingsautoren lese, dann habe ich immer in eine Unvereinbarkeit und Dunkelheit des Lebens geschaut. Deshalb habe ich andere Wege gesucht, weil ich eine solche Einsamkeit und Melancholie nicht mag, die Deutschland mir gibt. Aber am Ende bin ich bei Deutschland geblieben. Und jetzt fühle ich Deutschland als ein Schicksal von mir, das ich am Anfang um Ihretwillen geliebt habe.

Ich denke, dass ich mit meinem ganzen Willen Deutschland gewählt habe als mein zweites Heimatland, während Korea als mein Heimatland gewählt wurde, ohne Rücksicht auf meinen Willen. Vor allem gibt es in meinem Stadtteil in Seoul eine  deutsche Kirche und deutsche Schule, wo ich geboren wurde und bis jetzt lebe. Deshalb gibt es auch einige deutsche Familien in der Nachbarschaft. Ob durch Zufall oder mit Notwendigkeit, es existieren Deutsche in der Nähe von mir. Bevor ich von Deutschland keine Ahnung hatte, war das alles nicht wichtig. Jetzt ist mir alles viel bedeutsamer. (...)    

Im Mai werde ich als deutsche Lehrerin ein Praktikum machen. Das Herz pocht, und ich bin hoffnungsvoll, weil ich ein eigenes wichtiges Ziel habe.

Frau T. !

Ich schreibe Ihnen heute diesen Brief. Denn ich möchte Ihnen zeigen, wie sehr ich Deutschland liebe, das ich durch eine angesehene Professorin wie Sie zum ersten Mal kennengelernt habe. Also, Frau T., bitte erinnern Sie sich manchmal an die angenehme Erfahrung in Korea und an mich.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre Hyerim


Copyright © 2002 by Park Hye-rim


DaF-Szene Korea Nr. 15

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