Was nennt man typisch Deutsch? Gibt man einem Koreaner Papier und Stift und lässt ihn eine deutsche Person zeichnen, kann man sich schon denken wie es nachher aussieht. Ein Mann mit einer supergroßen Nase und Bierbauch, in der einen Hand ein volles, ja sogar überschwappendes Glas Bier, in der anderen Hand eine Bratwurst haltend.
Jeder hat eine Vorstellung von dem was man nicht richtig kennt. Das Problem daran ist nur, dass es unter diesen Vorstellungen bzw. Vorurteilen, nicht nur richtige, sondern auch falsche gibt.
Stabilität, Sicherheit und Sparsamkeit. Konkrete Merkmale die man Deutschland nicht abstreiten kann. Sicherheit, weil es ziemlich selten ist, über Unfälle zu hören wie hier in Korea, wo es mittlerweile fast normal wird, dass alle drei Jahre irgendwas (sei es ein Kaufhaus oder eine Brücke) zusammenbricht; Stabilität, weil es weltweit bekannt ist, dass deutsche Produkte (von der Druckmaschine bis zum Küchenmesser) dauerhaft sind; und Sparsamkeit, weil die Deutschen halt nun mal so sind. Jedes Wochenende gibt es überall tausende von Flohmärkten, alles wird wieder gebraucht, und nichts wird weggeschmissen.
Ansonsten ist das deutsche Volk immer noch sehr pünktlich organisiert (was man an den Bushaltestellen gut erkennen kann, wo der Bus genau auf die Minute ankommt), und Allianz versichert. Hiermit meinte ich das gut organisierte Versicherungssystem Deutschlands allgemein.
Wie gesagt, es gibt aber auch Vorstellungen, die halt nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmen.
Hier ein kleines Beispiel: Jede neue Person, die ich kennen lerne, fragt mich 100%, ob man in Deutschland anstatt Wasser Bier trinkt. Lustig - was man sich alles denken kann. Sollten dann alle Deutschen betrunken herumlaufen?! Natürlich ist Bier beliebter als in anderen Ländern. Aber das heißt immer noch nicht, dass es im Kühlschrank von Deutschen nichts anderes als Bier zu trinken gibt.
Ein anderes falsches Vorurteil wäre die berühmte Gleichung "Deutsch = Nazi". Zwar kann man nicht sagen, dass es jetzt niemanden dieser Art und (Denk)Weise gibt, aber klar ist, dass die Mehrheit es für eine Schande hält, solch eine Weltgeschichte hinterlassen zu haben. Im Gegensatz zu Korea wo es ein Muss für jedes Kindergartenkind ist, die Nationalhymne auswendig zu lernen, wird die Nationalhymne in Deutschland nur bei einem Fußballspiel in den Weltmeisterschaften nachgesummt. Summen, in dem Sinne von 'Nachahmen' weil man sich teilweise nicht sicher über den Text ist.
Die letzte falsche Einschätzung ist, dass deutsche Leute nicht viel Sympathie haben. Zwar wirken sie etwas kalt am Anfang, aber wenn man sie einmal richtig persönlich kennen lernt, ist das kein Problem mehr.
Wie man sieht, ist es gar zu gefährlich, über etwas, was man nicht kennt, zu vorurteilen. Sei es ein Individuum oder, wie hier in diesem Falle, ein ganzes Volk. Das beste wäre, es selbst zu erleben und auf sich zukommen zu lassen. Und falls man finanziell nicht imstande ist, ein offenes Herz bereit zu halten, bis man es sich leisten kann.
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