Michael Menke

Incheon


Eigentlich sollte an dieser Stelle eine sinngemäße Wiedergabe der Website stehen, an der meine Studenten der 4. Klasse (University of Incheon) derzeit arbeiten. Leider sind sie noch nicht ganz fertig, aber Interessierte können die Website in Kürze über die elektronische Ausgabe dieses Rundbriefs einsehen.

Ich habe also die Hausaufgaben selbst gemacht, und die Fragen zu:

- Geschichte Incheons
- Angaben zur Stadt
- Sehenswürdigkeiten
- Transportmittel
- Unterkunft
- Incheon und die WM

selbst beantwortet.

Geschichte, Allgemeines

Die erste Erwähnung des Namens Incheon ist auf das Jahr 1413 datiert, die Stadt ist allerdings wesentlich älter, unter der Bezeichnung Michuhol taucht sie bereits 221 auf. Namensänderungen sind in Korea, nicht nur in der Vergangenheit durchaus häufig, und etwas von dieser Tradition wird in der wechselnden Wiedergabe des Namens in lateinischer Schrift bis heute beibehalten. So findet man auf Websites der Stadt auch oft noch die bisherige Bezeichnung "Inchon", manchmal sogar "Inchun". Bei Straßenschildern ist es ebenso.

Ein Teil der Stadt, der damalige Innenbezirk samt Hafen, trug früher den Namen "Chemulpo", und unter dieser Bezeichnung taucht die Stadt in der älteren Reiseliteratur oft auf. (der heutige Ortsteil Chemulpo liegt an einer anderen Stelle, entfernt vom Meer).

Warum dieser Name so oft in der Reiseliteratur erwähnt wird, liegt auf der Hand: Incheon ist das, was Ostia für Rom oder Piräus für Athen ist, nämlich der nächste Seehafen zur Hauptstadt (ich nenne diesen Vergleich, weil alle drei Städte, AUCH Seoul, von sich behaupten, auf sieben Hügeln zu stehen!). So landeten alle Besucher Seouls zunächst in Incheon, blieben entweder gleich dort, oder mussten sich mühselig per Sänfte, Maulesel und Kahn nach Seoul befördern lassen. Unter den Japanern wurde eine Zugverbindung zwischen beiden Städten gebaut. Später kam der direkte Flugverkehr nach Seoul, der natürlich ein Fortschritt war, dieser wurde jedoch im letzten Jahr rückgängig gemacht, und nun landet wieder jeder Ausländer, wenn nicht im Hafen von Incheon, dann doch im Incheon International Airport, und muss von dort die Nachfolgeeinrichtungen der Maultiersitze, das sind U-Bahn, Bus oder Taxi, in Anspruch nehmen.

Wie gesagt, viele blieben gleich in Incheon, so auch das Handelshaus E. Meyer & Co., das als erste deutsche Firma in Korea 1884 seine Niederlassung gründete. Auch heute ist Deutschland in der Stadt präsent, unter den 131 ausländischen Firmenniederlassungen belegen die Deutschen Rang drei (hinter Japan und den USA).

Im Koreakrieg war die Stadt noch einmal das "Einfahrtstor": unter General Mac-Arthur landeten UNO-Truppen in Incheon und begannen eine Offensive gegen nordkoreanische Kräfte, die bis dahin die gesamte Halbinsel bis auf Pusan eingenommen hatten. Ein martialisches Denkmal des Generals steht auf einem Hügel in Nähe des Hafens, etwa an der Stelle, an der vor 90 Jahren die Villa des Kaufmanns Karl Andreas Wolter, Repräsentant der Firma Meyer aus Hamburg, stand.

Vor der Öffnung des großen Seehafens 1883 zählte Incheon 4700 Einwohner, heute sind es etwas 2.7 Millionen., die sich auf einer Fläche, 1,5 mal so groß wie Seoul, tummeln. Sie tummeln sich manchmal wirklich, denn das Gebiet der Stadt besteht zum Teil aus den 155 vorgelagerten Inseln (44 davon bewohnt), die teilweise schöne Sandstrände aufweisen. Auf diesen Inseln gibt es auch nicht, wie an der Festlandsküste, Stacheldrahtzäune gegen Eindringlinge aus dem Norden, sondern man kann die See direkt genießen. Bei Flut hat man mehr Wasser, bei Ebbe mehr Strand, der Tidenhub geht bis 9,27 m.

Sehenswürdigkeiten

Incheon ist seit der Jahrhundertwende vielleicht mehr "international" als Seoul. In den Hafenkneipen und -Bars trifft man Seeleute aus den asiatischen Nachbarländern, aber auch junge Leute sind gern hier. Die "ausländischen" Restaurants sind manchmal wirklich ausländisch, was Gäste wie Personal angeht. Als einzige Stadt in Korea hat Incheon eine "Chinatown", wo man chinesische Gebäude, Restaurants, Geschäfte und sogar eine Schule findet. Zugegeben, mit der Chinatown von New York oder San Francisco ist es nicht vergleichbar; in den 40er Jahren zählte die Gemeinde noch 10.000, heute beträgt die Anzahl der hier seit etwa hundert Jahren lebenden Chinesen ein paar Hundert, etwa soviel wie in Herne-Süd, aber immerhin, sie leben seit Langem hier und bilden eine eigenständige Gesellschaft. Seitdem sich Korea des Marktwerts des Tourismus bewusst ist, wird dieses Stadtgebiet auch gefördert und sieht nun immer "chinesischer" aus, wie immer man das auch bewerten mag.

An dieser Stelle möchte ich doch etwas zu den "chinesischen Restaurants" in Korea sagen: Lieber Leser, seien Sie nicht enttäuscht! Es gibt zwar überall in Korea Lokalitäten, die sich mit roten Lampions und chinesischer Schrift schmücken, aber in diesen Gaststätten dürfen Sie definitiv kein chinesisches Essen erwarten. Und um eine Peking-Ente zu speisen, sollten Sie besser in den "Goldenen Drachen" in Herne-Süd gehen. Die chinesischen Restaurants in Korea sind koreanische Restaurants, in denen Koreaner ziemlich koreanisch kochen. Nun wieder zu Incheon: Hier erwarten Sie bitte auch nicht all zuviel: In diesen Restaurants kochen Chinesen, die in Korea geboren sind, koreanisch! Manchmal mit etwas chinesischem Einschlag! Aber nicht mehr. Ich kann das verstehen, ich lebe auch seit zehn Jahren in Korea und würze meine Bratkartoffeln gern mit koreanischer Pepperoni-Paste. Aber ich würde damit kein "Deutsches Restaurant" eröffnen. Und nun wieder zu den koreanischen chinesischen Restaurants: Ich habe mir folgende Theorie zurechtgelegt: Als die Chinesen nach Korea kamen, hätten sie gern weiterhin chinesisch gekocht. Aber leider gab es auf den koreanischen Märkten nicht die Zutaten, die nun mal die vielen chinesischen Gerüche und Geschmacksrichtungen ausmachen. Sie nahmen also das, was es hier gab, und versuchten daraus, das Beste zu machen. So entstand z.B. das Gericht Chajangmyeon, Nudeln mit brauner Zwiebelsauce, das in Incheon erfunden worden sein soll.

Auch die anderen Ausländer haben ihre Spuren in Gebäuden hinterlassen: der Ausländerclub aus dem Jahr 1901, heute das städtische Museum, die katholische Dap-dong-Kirche, 1897 von französischen Missionaren erbaut oder die japanische Hauptpost sowie einige Bankgebäude aus der japanischen Besatzungszeit.

Alte koreanische Architektur ist leider, wie in ganz Korea, weitgehend im letzten Jahrhundert zerstört worden, aber, wie oben erwähnt, wartet Incheon mit vielen Inseln auf, die neben Stränden auch andere Naturreize haben. Diese sind bequem mit Fähren erreichbar.

Wo ein Hafen ist, gibt es Fisch, und den in Incheon zuhauf. Direkt am Hafen ganz frisch, auf dem Fischmarkt in Yeongjeongdo. Den kann man dort sofort, roh, (das ist nicht nur in Japan, sondern auch in Korea die beliebteste Form) verspeisen. Will man dazu noch den Blick aufs Meer genießen, kann man die Restaurants in Wolmido, das ist eine Halbinsel in der Nähe des Hafens, besuchen. Für diesen Blick zahlt man allerdings ungemein mehr, wer's mag, zahlt's, wer's nicht hat, isst erst den Fisch woanders und blickt dann billiger.

Ein modernes Vergnügungsviertel ist Songdo, im Süden der Stadt. Hier reihen sich Hotels, Restaurants, Bars und Nachtclubs aneinander. Das Gelände ist größtenteils aufgeschüttet, auf alten Landkarten findet man an dieser Stelle nur das Gelbe Meer.

Verkehrsmittel

Nach Incheon kommt, wie gesagt, jeder Tourist, falls er das Flugzeug nimmt. Man kann aber auch mit dem Schiff kommen, und wieder abreisen, von oder nach China zu den Häfen Chonjin, Weihai, Chongdo, Daeryon, Dandong und Schanghai. Auch zur koreanischen Ferieninsel Cheju-do, ebenfalls Austragungsort der WM, gibt es eine Fährverbindung.

Vom Flughafen nach Seoul und zu den anderen großen Städten Koreas gelangt man mit dem Expressbus, nach Seoul mit dem Taxi.

Von der Stadt Incheon nach Seoul führt eine U-Bahnlinie, hier gibt es Expresszüge, die nur an jeder dritten Station halten und so die Fahrzeit auf 30 Minuten verkürzen. Auch Incheon selbst hat eine U-Bahnlinie, mit einer Haltestelle am WM-Stadion. Nachts, wenn noch längst nicht alles schläft, verkehren zahlreiche "Bullet-Taxis" zwischen Seoul und Incheon. Der Name weist auf die gewehrkugelschnelle Geschwindigkeit dieser Fahrzeuge hin, die, hat man dem Fahrer das Ziel deutlich machen können, dieses auch oft erreichen. Wie bei den Kugeln gibt es hier aber auch Querschläger, zahlreiche Dellen auf den Expressway-Leitplanken können dies bezeugen.

Unterkunft

Incheon hat aufgrund seiner Funktion als Hafen- und Handelsstadt eine Vielzahl von Hotels, von deluxe bis billig, anzubieten. Es gibt auch eine Jugendherberge, die sich aus reinen Spargründen aber kaum rentiert, da eine Vielzahl sogenannter "Yogwans" (siehe auch das Kapitel dazu) ebenso wenig kosten. Durch die Nähe zu Seoul und die gute Verkehrsverbindung ist es aber durchaus sinnvoll, dort eine Unterkunft zu suchen.

Fußball

Wie in allen Städten Koreas sind die größten Stadien Baseball-Stadien. Erst die Austragung der WM hat die Planer veranlasst, große Fußball-Arenen zu bauen. Eine weitere Nutzung nach der WM soll nach den Planern nicht nur sportlichen, sondern auch kulturellen Zwecken dienen.

Das Munhak-Stadion liegt zwei km südwestlich der Innenstadt von Incheon und hat eine Kapazität von 50.324 Sitzplätzen. Die Plätze sind zu 100 Prozent bedacht. Die architektonische Gestaltung des Stadions basiert auf der Form eines Mastes und Segels eines Schiffes, was das Image der Hafenstadt Incheon als Westküsten-Eingang Koreas darstellen soll. Für das "Schiffsimage" hat man auch weitgehend Stahlträger vermieden und stattdessen Seil- oder Kabelkonstruktionen verwendet.

Drei WM-Spiele werden hier ausgetragen:

Sonntag, 09.6,      18 Uhr, C4 : C2

Dienstag, 11.6.,    15.30 Uhr, A4 : A1      (Frankreich)

Freitag, 14.6.,      20.30 Uhr, D4 : D1      (Korea!)


Copyright © 2001 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 14

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