Wenn man von Seoul kommend den Kyoungbu-Expressway an der Ausfahrt Norddaejeon verlässt, fährt man direkt auf sie zu. Riesengroße Schilder mit Fotocollagen, die die Nase des Besuchers gleich auf die Dinge stoßen, auf die man besonders stolz ist in dieser Stadt. Da sind die Weltklassegolfspielerin Seri Park, pralle koreanische Birnen, die heißen Quellen Yuseongs, die Sciencetown Daedeokvalley und natürlich das Expogelände zu sehen.
Nun, Seri Park kommt genau genommen aus dem nahegelegenen Gongju. Die Birnbäume fallen langsam, aber sicher den neu entstehenden Apartmentsiedlungen zum Opfer und Yuseongs Quellen sind zwar heiß, aber ehrlich gesagt auch nicht viel besser oder schlechter als die meisten Badehäuser in diesem Land. In Daedeokvalley konzentrieren sich mehr als 60 Forschungsinstitute und Bildungseinrichtungen, darunter das bekannte KAIST (Korea Advanced Institute of Science and Technology). Ob dort, wie von vielen Koreanern behauptet, Weltklasseforschung betrieben wird, wage ich nicht zu beurteilen. Das Expogelände wird vielen noch bekannt sein, die 1993 die internationale Ausstellung EXPO in Daejeon im Fernsehen gesehen oder gar selbst besucht haben. Im Expovergnügungspark tummeln sich nun am Wochenende Heerscharen von Klein- und Schulkindern. Unbestritten ist, dass die 1,5 Millionenstadt Daejeon in administrativer Hinsicht an Bedeutung gewonnen hat, nachdem sie 1998 neben Seoul und Kwachon Sitz des dritten Regierungskomplexes wurde.
Im September dieses Jahres ist Daejeon dann noch um eine Sehenswürdigkeit reicher geworden. Am 13. September wurde das Worldcupstadion in Yuseong, unmittelbar neben der Autobahnausfahrt Yuseong gelegen, mit einem Freundschaftsspiel zwischen Südkorea und Nigeria eröffnet. Zur Freude und Erleichterung aller Anwesenden endete das Spiel mit einem 2:2.
Golf, Sciencetown, Fußball und Riesenrad im Expopark. .... Das ist aber nicht alles. Was das Leben in dieser Stadt angenehm macht, ist ihre verkehrsgünstige Lage. Von mehreren Busterminals und zwei großen Bahnhöfen aus, ist man in wenigen Stunden sowohl in Seoul (153 km) als auch in Pusan (276km), Daegu (138km) oder Gwangju (208km). An einem kurzen Wochenende nach Seoul zu fahren, um sein kulturelles Nachholbedürfnis zu befriedigen, ist kein Problem. Selbst eine Kurzreise auf die Insel Jeju ist ohne großen Zeitaufwand zu machen. In weniger als 50 Minuten ist man am Flughafen in Chongju. Dort gibt es täglich mehrere Flüge auf die Insel.
In der unmittelbaren Umgebung Daejeons gelegen und von sehr hohem Freizeitwert ist der Kyeryongsan Nationalpark mit seinen beiden sehenswerten buddhistischen Tempeln Tonghaksa und Kapsa (ein Muss für jeden Daejeon-Reisenden!). Dem Kyeryoungsan wurden seit altersher besondere mystische Kräfte nachgesagt und er war daher schon immer Anziehungspunkt für Schamanen und Einsiedler, die sich zum Studium und zur Meditation in die Berge zurückzogen. Noch heute findet man hier Schamanen. Viele sind aber verschwunden, nachdem sich vor ungefähr zehn Jahren die Infanterie- und Marinehauptquatiere der koreanischen Armee in den strategisch günstigen, von Bergen umringten Ebenen des Nationalparks ansiedelten.
Heute können auch Ausländer im Kyeryoungsan meditieren. In Shindoan entstand vor ein oder zwei Jahren das internationale Zen-Meditationszentrum Musangsa, das von ausländischen und koreanischen Mönchen geleitet wird.
Steht einem der Sinn weniger nach Bergtouren und Besinnlichem, kann man sich zu jeder Zeit, nämlich 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr, in das Nachtleben Yuseongs stürzen, vorausgesetzt man hat ein besonderes Faible für Roomsalons, Nacktbars mit russischen Tänzerinnen und liebenswerte middle-aged ajossis.
Daneben hat Daejeon-Downtown aber auch andere empfehlenswerte Bars, die von angenehmerem Publikum frequentiert werden. Wer immer die Nacht in Daejeon verbringen sollte, begebe sich ins Malboro, J-Rock oder Watermelon!
In kulinarischer Hinsicht bietet Daejeon sowohl die übliche koreanische Küche mit unzähligen Restaurants schlechter, durchschnittlicher und gehobener Qualität, aber auch mehr und mehr Restaurants mit ausländischer Küche. Um eine Tasse Starbucks-Kaffee zu trinken, muss man allerdings noch nach Seoul fahren.
Nichts leichteres als das, wie Sie jetzt ja wissen!
Copyright © 2001 by Katrin Mensing