Wenn man Chonju erwähnt, fangen alle Koreaner an, einen mit verträumten Augen anzusehen und von dem leckeren Essen zu schwärmen. Besonders für das Gericht Bibimbap ist Chonju berühmt. Was Bibimbap ist? Es besteht aus Reis, der nicht wie normalerweise mit Wasser gekocht wird, sondern mit Rinderbrühe. Gemüse, das appetitlich auf dem Reis arrangiert wird und andere Ingredienzen, die nach Jahreszeit variieren, rohe Rindfleischstreifen und viel Paprikapaste werden hinzugefügt. Bevor man es isst, wird das Ganze gemischt, daher der Name Bibimbap, d.h. Reis, der gemischt wird. Man nimmt an, dass dieses Gericht in der Chosun Dynastie dem König zum Mittagessen serviert wurde. Eine andere Legende besagt, dass dem König, der sich während einiger Unruhen auf der Flucht befand, dieses einfache Gericht zubereitet wurde, da es nicht genug Nahrungsmittel gab, um ein königliches Mahl vorzubereiten. Wie auch immer, es ist ein einfaches und zugleich schmackhaftes Gericht, und wenn Sie nach Chonju kommen, sollten Sie es nicht verpassen.
Es gibt an jeder Ecke Restaurants, die "typisches Chonju Bibimbap" anbieten. Sie variieren jedoch sehr, was Preis und Qualität angehen. Meine Empfehlung ist das Gogung-Restaurant , das leckeren Bibimbap und zugleich guten Service bietet. Da die Küche in dieser Region als eine der besten in Korea gilt, können Sie auch nicht falsch liegen, wenn Sie mal keine Lust haben auf Bibimbap.
Neben der Küche gilt Chonju als der Ort, in der die Tradition der koreanischen Musik bis heute bewahrt wird. Besonders Pansori Musik ist hier bekannt. Pansori heißt wortwörtlich "Laute, die an einem Platz der Unterhaltung vorgeführt werden". Der lyrische Gesang wird von zwei Personen aufgeführt. Eine, die in traditioneller Weise singt und eine, die die Trommel schlägt. Es handelt sich dabei um eine Mischung aus gesprochenem und gesungenem Text. Für einen Ausländer kann diese Art von Gesang sehr eintönig werden. Wenn Sie sich so einen Gesang anhören möchten, sollten Sie jemanden haben, der Ihnen die Geschichte übersetzt. Für Koreaner, gerade für ältere, die mehr der Tradition verbunden sind, ist es eine unterhaltsame Abwechslung. Sehenswert ist es auf jeden Fall. Die Sängerin steht auf der Bühne in einem traditionellen Kleid, dem Hanbok, und hält in der einen Hand einen Fächer und ein Taschentuch und trägt mit viel Gestik und Mimik den Gesang vor. Meistens handelt es sich um eine komische Geschichte.
Die Ursprünge dieses Gesangs sind nicht ganz klar, aber man glaubt, dass er ursprünglich ein Bestandteil des schamanistischen Rituals der Cholla-Provinz war. Die Musiker, die die Schamanen bei ihren Riten musikalisch begleiteten, machten sich eines Tages selbständig und zogen durch die Dörfer, um die Leute zu unterhalten. Ihre Gesänge zogen nach und nach auch die Aristrokaten an und dadurch erhöhte sich das gesellschaftliche Ansehen der Pansori Sänger. Einige widmeten ihr ganzes Leben der Entwicklung ihres eigenen unnachahmlichen Stils, der dann an nachfolgende Generationen weitergegeben wurde. Deren berühmt gewordene Pansorigesänge können, wenn sie komplett aufgeführt werden bis zu 8 Stunden dauern. Chae HzoShin, einer der berühmtesten damaligen Sänger, der auch der Erste war, der diesen lyrischen Gesang schriftlich festhielt. organisierte in Chonju einen Wettbewerb für traditionelle Musik, der noch bis heute alljährlich im Mai als Chonju Daesasupnori National Contest durchgeführt wird.
Des weiteren ist Chonju für sein Hanji Papier berühmt. Es gibt auch ein Hanji Papiermuseum, das sehenswert ist. In diesem Museum erhalten Sie interessante Informationen über die Geschichte des Papiers. Zum Schluss dürfen Sie sich sogar unter Anleitung selber ein Stück Papier herstellen und stolz mit nach Hause nehmen. Allerdings hat das Museum den Nachteil, dass die Erklärungen der Geschichte des Papiers und der Gegenstände meist auf Koreanisch sind. So bleibt einem als Ausländer nichts anderes übrig als die schönen Bilder, Videos und Gegenstände, von denen es reichlich gibt, zu betrachten. Neben dem Museum befindet sich die Papierfabrik und wenn Sie sich vorher mit anderen für einen Besuch anmelden, können Sie sich sogar die heutigen Papierproduktionsmethoden anschauen.
Ansonsten hat Chonju wie auch jede andere Stadt einige Sehenswürdigkeiten zu bieten, die man jedoch in kurzer Zeit abhaken kann: Das Kaegsa ist ein altes traditionelles offenes Gasthaus, das heute zu einem beliebten Treffpunkt geworden ist, da es in der Stadtmitte liegt. Es ist gleichzeitig ein guter Orientierungspunkt. Als ich am Anfang hier ankam und mich noch nicht zurechtfand, habe ich Passanten einfach nach dem Kaegsa gefragt und kam so immer wieder in das Zentrum der Stadt. Während der Chosun-Dynastie wurden dort Zeremonien zu Ehren des Königs abgehalten. Ursprünglich bestand es aus einem ganzen Gebäudekomplex, von dem jetzt jedoch nur ein Gebäude erhalten ist. Am Wochenende gibt es oft kleine Konzerte vor dem Kaegsa.
Weit interessanter sind das Kyongijon- und Chokyungmyo-Gebäude. Ersteres wurde zu Ehren von König Taejo Lee, dem Begründer der Choson-Dynastie gebaut, das zweite, um dessen Portrait aufzubewahren. In dem Komplex finden sich ein kleiner Tempel, eine Bahre und ein Portrait. Da der Komplex im Grünen liegt und sich auch etwas abseits der Stadtmitte befindet, herrscht hier eine geradezu deutsche sonntägliche Ruhe, die ich in Korea ab und zu vermisse.
Am Wochenende kommen einige ältere Leute hierhin und ruhen sich aus oder spielen Baduk, ein koreanisches Brettspiel.
Geht man ein Stück weiter, trifft man auf die Chongdong Kirche, die 1891 erbaut wurde. Für den europäischen Betrachter ist sie weniger wegen ihrer Baukunst zu bewundern, viel eher als bezeichnendes und erstaunliches Merkmal für die koreanische Mentalität, die so viele verschiedene Religionen aufnimmt und in ihre Kultur integriert.
Ansonsten sind in Chonju auch die Festivals erlebenswert. Ein Festival löst das andere ab. Das Chonju-Film-Festival, das im April stattfindet, zeichnet sich durch seine Fülle und die Alternativität aus. Ich habe viele Filme aus aller Welt gesehen, die ich sonst auch in Deutschland nicht so einfach sehen kann. Im Gegensatz zum Pusan Film Festival liegt der Schwerpunkt auf alternativen und Digitalfilmen. Nächstes Jahr wird es zum dritten Mal stattfinden und ich, als Filmfan, freue mich jetzt schon darauf, obwohl es immer etwas anstrengend ist, sich in kurzer Zeit so viele Filme anzusehen.
Ein traditionelles Fest ist das Pungnam-Festival, das im Mai stattfindet. Es gibt einen Zug durch die Stadt, mit traditionell gekleideten Kriegern, Tänzern, Musikern und dem Bürgermeister. Ich nenne es den koreanischen Karneval, obwohl es vergleichsweise wenig mit dem europäischen zu tun hat. Zu dieser Zeit werden Teile der Innenstadt für die Autos gesperrt, bis der Zug vorübergezogen ist. An den Straßenrändern stehen freiwillige Helfer (oft Rentner) in neongelben T-Shirts, die eine Art Sperre bilden und den Zug mit viel Popmusik und Tanz begrüßen. Der Zug zieht durch die ganze Innenstadt, wobei er an wichtigen Punkten immer hält und Einlagen bietet. Während des Festivals finden überall in der Stadt kleine musikalische u.a. Aufführungen statt und Stände rund um das Baseball-Stadion bieten viel Essen und Möglichkeiten zum Spielen an.
Ein weiteres großes Festival wird das Sori-Festival sein, bei dem Musiker aus verschiedenen Ländern traditionelle und moderne Musik vorstellen.
Im Vorfeld der Fußballweltmeisterschaft finden hier öfters kleine Konzerte und Aufführungen statt, die von Stadtverbesserungskampagnen begleitet sind. Die sonst - für koreanische Verhältnisse - ruhige Stadt wacht langsam auf und ist dabei, ihr Image als konservative, ländliche und kulturarme Stadt abzustreifen.
Copyright © 2001 by Anna Choi