Pusan* sieht am Bahnhof aus wie Pusan. Ähnliches gilt auch für den Flughafen Kimhae, nur dass es dort mehr wie Kimhae aussieht. Pusan braucht man eigentlich (hier) nicht vorzustellen. Pusan kann man sich eigentlich nicht vorstellen. Am pusansten sieht es aber vom Meer aus aus - schließlich fing alles mit einem Fischerdorf an und jahrhundertelangen, häufig wenig freundlichen Beziehungen zu Japan, in Sichtweite gegenüber. Werften, Welthandel usw. kamen erst viel später. Aber seitdem denke ich immer an Pusan, wenn ich Hyundai-Container zuhause durch die Lüneburger Heide tuckern sehe.
Als Express- und Überlandbus-Reisende(r) kommen Sie übrigens im eben eröffneten Central-Busterminal von Pusan an - anders als der Name verspricht, an der nördlichen Endstation der U-Bahn-Linie 1, Nop'o Dong.
Hoppla, nee du, das ist jetzt schon wieder woanders
Das heißt, Umzüge sind an der Tagesordnung, und keine Adresse unterliegt einer Garantie. Außerdem bin ich rein privat ein Fußballmuffel und innerhalb unseres Viermillionendorfes ausgesprochen kieztreu - nicht die besten Voraussetzungen für ein 'Reisefeuilleton', zugegeben.
Also, ein Nebeneingang zu 'meinem' Uni-Campus ist in etwa zweijähriger Arbeit um etwa hundertfünfzig Meter Luftlinie verlegt worden. Der Studenten- und Fahrzeugstrom fließt jetzt unterhalb durch etwas andere Gassen, und die Wanderdünen des Kommerzes folgen heftig. Anstelle früher einstöckiger Häuser sind jetzt mindestens vier Etagen Trumpf, mit noch mehr Läden oder Restaurants im Erdgeschoss. Bei den Teenies und Twens angeblich der ganzen Stadt, mindestens aber ihrer Nordwesthälfte, soll das Viertel in Jangjeon Dong zwischen der U-Bahn-Station Pusan National University und dem Campus zu den beliebtesten zählen.
Ach so, da wo die Stadtplaner und die normalen Boomtown-Agenten nicht hinkommen, stehen hier verquer zwischen dem Rest noch Hütten, die nicht nur fünfzig Jahre alt aussehen, sondern es zum Teil auch sind. Sie stammen von Flüchtlingen des Koreakrieges, aus der Zeit, als östlich des Naktong Gang ungefähr doppelt so viele Menschen hausen mussten wie heute im ganzen Stadtgebiet.
Kino, Bexco, Oiso, oder: Kurzes Pusaner Alphabet
Das Pusaner Internationale Filmfestival gibt es hier wirklich. Dieses Jahr im November... Näheres ohnehin unter www.pusanweb.com (englisch). Kinos in den Stadtteilen Nampo Dong, Haeundae (Freiluft), in der Pusaner KBS Hall ...
Wir haben jetzt ganz große fliegende Untertassen. Eine neue ist gerade nördlich vor den Toren von Haeundae gelandet, das (?) BEXCO: Busan Exposition and Convention Center. Neue Runde im Wir-warten-auf-Investoren-Spiel. Dazu Teil des Projekts "Centum City", das v.a. in der Su Young Bucht als Teil eines gigantischen Stadtentwicklungsplans (neuer Hafen, neuer Flughafen...), hm ja, "sustainable" und "joint-ventured" und natürlich mindestens mit dem Standard des 22. Jahrhunderts aus dem Boden gestampft werden soll (der entweder schon etwas strapaziert oder künstlich aufgeschüttet ist). Also, teure Kalbi-Restaurants gibt es in der Umgebung des BEXCO schon, und die richtige Eröffnung soll zu den Asian Games stattfinden.
Das (DAS!) World Cup Stadion ist im Yonje Gu, sozusagen in Wurfweite zur heutigen City Hall, Geoje dong, inzwischen eröffnet, zusammen mit einem kleineren Nachbarbau bietet es Platz für 95 000 Besucher (80 000 und 15 000). Von denen können aber nur ungefähr 4000 mit dem eigenen Auto kommen. Ist ja ohnehin so, bei der fadenknäuelförmigen Struktur von Pusans engen Mittelgebirgstälern: Wenn man zu lange geradeaus fährt, ist man meistens schon falsch, denn zum Abbiegen in einen anderen Stadtteil gibt es meistens nur genau eine Chance.
In der Mitte soll Rasen sein, habe ich mir sagen lassen, und das Ganze sieht wiederum aus wie eine Kreuzung von fliegender Untertasse und Termitenbau. Die Farbgestaltung der Gebäude und Räume soll mit ihrem Zweck harmonisieren - Blau zum Abkühlen -, und es liegt im Einflussbereich von vier Schutzgottheiten. Die sollen dafür sorgen, dass die Besucher das Stadion in jeder Richtung betreten und verlassen können. Wie sie das anstellen sollen, ist mir allerdings ein Rätsel - und auch, ob die Götter gegen Parkplatzmangel helfen.
37 Spiele der Asian Games sollen in Pusan stattfinden. Weitere Einrichtungen für den Sport und seine Infrastruktur entstehen südlich vom Flughafen Kimhae - und mehrere ältere Stadien gibt es sowieso schon, so in Dongnae.
Ihr in der Umgebung von Seoul mühsam erworbenes Hochkoreanisch versteht man hier zwar, spricht es aber nicht unbedingt. Besonderes Vertrauenssignal: der Gruß beim Betreten eines Ladens oder Restaurants klingt hier ungefähr Oiso (oder Osois...), schon wieder mindestens zwei Silben gegenüber der Standardvariante gespart...
Lust auf Aalessen?
Jang-Eo heißt der Aal ungefähr. Also: 'runter nach Hadan, den Naktong-Gang nach Westen überqueren, d.h. auf der Brücke über die Vogelinsel Ulsuk Do hinaus bis zum anderen Ufer, dort rechts abbiegen und nach dem beliebtesten Aal-Restaurant im Umkreis fragen. Liegt auf einer Art Ufervorsprung direkt am Wasser, und da gehen ALLE hin! Auch wenn es von außen, na ja, unscheinbar aussieht. Ich behalte das nur deshalb hier nicht für mich, weil auch ich mein geliebtes Pusan doch eines Tages verlassen werde ...
Pusan gilt ja als Kulturloch,
zu Unrecht natürlich. Abhilfe u.a.: www.openplay.co.kr, und realiter: U-Bahn Myongnyun Dong (Linie 1), nach Westen 'raus (ehemaliges Dongbu-Terminal, derzeit "Lotte"-Großbaustelle); über die Fußgängerbrücke, rechts halten. Freies Kellertheater, koreanisch natürlich. Aber mit Glück auch eine ausgezeichnete Pantomime, versteht man ja leichter, so die bisher beste Selbstkritik koreanischer Lebensverhältnisse, die ich je sah, leider schon ein bisschen her. Also, wenn Ihnen jemand auf der Stelle laufend begegnet, zu den Klängen von etwas, das nur die koreanische Hymne sein kann, mit einer zu einer wilden Windplastik gehärteten Krawatte, oder wenn jemand in sein Appartu heimkehrt, erst den Kühlschrank leer isst, dann das Aquarium leer fischt, dann die Katze schlachtet, und sich schließlich ungesättigt zum Publikum wendet - na ja, sehen Sie selbst.
Vergessen Sie Admiral Yi nicht!
Das ist patriotische Pflicht. Nicht nur als Standbild zu Füßen des Aussichtsturms in Yong Du San Park (das ist das Hintergrundbild der Nachrichten von KBS Pusan) finden Sie den verehrten Sieger über die japanische Seemacht, ja, den mit der berühmten gepanzerten Schildkrötenschiff-Flotte (anno 16. Jh., wenn ich nicht irre). Es gibt für ihn ein eigenes Museum mit Gemälden und Schiffsmodell am Demokratie-Park (Min Ju Kong Won, früher Taejong-Park). Nicht ganz so spektakulär wie das originalverankerte steinerne Schildkrötenschiff im Inselreich T'ong Jeong, wo auch der Schrein ist, aber ganz nett.
* Latinesische Anglisierung des Koreanischen hier nach meiner eigenen Unsystematik. So bleibe ich auch am liebsten bei der Schreibweise "Pusan".
Copyright © 2001 by Martin Maurach