Stehen Ihnen ein Computer mit E-Mail-Anschluss und ein Fotokopierer zur Verfügung? Suchen Sie außerdem schon lange Abwechslung vom lehrbuchzentriertem Unterricht? Dann klicken Sie doch mal die Website des Goetheinstituts Moskau an und melden sich für das sechswöchige interkulturelle E-Mail-Suchspiel Odyssee an.
Sie bekommen darauf innerhalb kurzer Zeit vier oder fünf Partnerklassen zugewiesen, von denen zunächst nur Sie wissen, in welchem Land und an welchem Ort sie sich befinden. Aufgabe Ihrer Studenten ist es nun herauszufinden, wo auf der Welt sich die Partnerklassen befinden. Das geschieht so:
Die Teilnehmer des Suchspiels erhalten einen Codenamen, unter dem sie sich einmal pro Woche einen Brief schreiben. Die Themen der Briefe sind in den ersten drei Wochen vorgegeben, sind aber so umfangreich, dass einem genug Entscheidungsspielraum bleibt. Ihre Studenten erstellen nun im Unterricht Texte mit verschlüsselten Informationen zum jeweiligen Thema und formulieren außerdem Antworten auf die erhaltenen Briefe. Die Texte werden von Ihnen möglichst schnell per E-Mail an die beteiligten Klassen verschickt. Die Nachrichten der Partnerklassen erhalten ebenfalls Sie und werden von Ihnen nach Erhalt ausgedruckt und mit abgeschnittener Absenderadresse an die Studenten verteilt. Falls Ihre Studenten in der vierten Woche die eine oder andere Klasse noch nicht erraten haben sollten, teilen Sie Ihnen die Lösung in dieser Woche mit. Für die fünfte Woche sieht die Spielleitung eine Stellungnahme zu einem theoretischen Text vor. In der sechsten Woche erfolgt dann die Auswertung des Spiels und die Verabschiedung.
Ich habe Odyssee 1999 mit einer Klasse des 4. Studienjahres gespielt. Das Spiel hielten die meisten meiner Studenten für sehr motivierend, interessant und informativ. Wir haben viel geschrieben, in Atlanten gestöbert und gelesen. Viele Studenten stellten fest, wie unzureichend ihre geographischen Kenntnisse sind und waren um so erstaunter, dass unsere Partnerschulklassen in Frankreich, Sao Paulo und Santiago de Chile offensichtlich keine Probleme hatten, ein Provinznest wie Taejon zu erraten.
Am Ende des Spiels haben wir Adressen getauscht, Päckchen mit kleinen Geschenken verschickt und Fotos gescannt und versendet. Die Überraschung war groß, als aus Frankreich Bordeaux-Wein im Tetrapack kam. Meine Studenten hatten sich nämlich einfallen lassen, Soju zu versenden!
Allen, die sich entscheiden Odyssee zu spielen, rate ich drei Wochenstunden einzuplanen. Die Lektüre der Texte ist schwieriger und zeitaufwendiger, als man denkt. Bei der Anmeldung muss man zwar das Sprachniveau der Studenten angeben, trotzdem kann das Niveau der beteiligten Klassen, wie ich feststellen musste, sehr unterschiedlich sein. Dementsprechend lang und schwierig fallen manche Briefe aus. Das Thema für die fünfte Woche, die Stellungnahme zu einem theoretischen Text, fand ich persönlich zu anspruchsvoll für meine Studenten. Da sollte man sich lieber per E-Mail mit den Kursleitern der Partnerklassen absprechen und das Thema ändern. Auch sollten Sie unbedingt darauf achten, dass die Texte in den ersten drei Wochen ausreichend verschlüsselt formuliert werden. Es fördert nämlich nicht unbedingt die Spielmotivation, wenn schon in der ersten Runde Land und Stadt von den anderen erraten werden.
Details über Spielanleitung und Spielverlauf finden Sie unter:
www.goethe.de/oe/mos/odyssee/index.htm
Für alle, die Odyssee schon kennen, das neue Spiel aus dem GI Moskau:
Weltreise Deutsch - Spurensuche im Internet
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