Als das Flugzeug am 19. Februar in Seoul landete, wusste ich noch nichts von Kimchi, Soju und den Koreanern. Ziel war Taegu, eine Stadt, von der ich vor wenigen Monaten nicht einmal den Namen kannte.
Ich bin zusammen mit einer Freundin nach Korea gekommen, um bei Thomas Schwarz am Institut für deutsche Sprache und Literatur der Keimyung-Universität ein Praktikum zu machen. In Deutschland studieren wir DaF im Aufbaustudiengang an der Universität Mainz. Das fachbezogene Praktikum kann dabei wahlweise in Deutschland, oder - zum Glück vom DAAD gefördert - bei einer entsprechenden Institution im Ausland gemacht werden. Ziel war der asiatische Raum, uns beiden völlig unbekannt und daher besonders reizvoll, und in Zeiten von Internet und E-Mail war die Organisation (die im übrigen bei den Studenten liegt) kein Problem: Adressen von Lektoren sind im Netz sowohl über den DAAD als auch über den Fachbereich der Uni abrufbar.
Während unseres Praktikums haben wir jeweils bei der Familie einer koreanischen Deutschstudentin gewohnt. Das lief erstaunlicherweise völlig komplikationslos, zumal man doch mit der Zeit eine enorme Fähigkeit in Zeichensprache entwickelt, um auch mit den übrigen Familienmitgliedern Kontakt aufnehmen zu können.
Und das Praktikum? Wir haben viele Stunden hospitiert, den Unterricht verschiedener Stufen über die Wochen verfolgt und dabei eine Menge Eindrücke gesammelt - viele positive, manche negative. Zudem haben wir gemeinsam über die Zeit einen ergänzenden Konversationskurs im 2. Jahr angeboten und haben einige Stunden in zwei koreanischen Jungen-Oberschulen unterrichtet. Während unserer Anwesenheit fanden an der Uni zudem zwei Filmabende und eine Ausstellung (Junge KoreanerInnen sehen Deutschland, Konzeption: Ralf Deutsch und Volker Wolf) statt
Im Landeskundekurs des 4. Jahres habe ich schließlich meinen eigenen Unterrichtsversuch durchgeführt. Einen Hörtext und dessen Niederschrift sowie einige Anregungen zum Thema "Wohnen" bekam ich aus dem Internet. Die Mainzer Einheiten zur Landes- und Kulturkunde (kurz MELK) sind über die Homepage des Instituts (www.daf.uni-mainz.de) zu finden. Mainzer StudentInnen (wir im letzten Semester inbegriffen) investieren in ihrem Landeskundeseminar viel Arbeit in die Erstellung dieser Unterrichtseinheiten, die sich sowohl zum Selbststudium als auch - in Teilen oder als komplette Sequenz - für den Unterricht eignen. Die thematischen, kulturkontrastiv angelegten Einheiten sind zumeist für etwa drei Doppelstunden konzipiert, bestehen aus Texten, Filmen, Bildern und Hörtexten und umfassen einen Kursteil und das dazugehörige Lehrerhandbuch. Die Sequenzen werden für die Mittelstufe erstellt und haben sich daher in Korea gut für das 4. Jahr geeignet; meiner Meinung nach könnten aber bei entsprechender Didaktisierung auch Teile für den 3. Jahrgang verwendet werden. Es lohnt sich sicherlich auf jeden Fall, interessierte StudentInnen auf das Angebot aufmerksam zu machen. Zur Zeit findet man unter der angegebenen Adresse die Themen "Bandleben", "Humor", "Freizeit", "Urlaub in Deutschland", "Feste", "Schlager", "Essen", "Ausbildung", "Minderheiten", "Wohnen", "Verein", "Prestige", "Singles in Deutschland", "Zeit und Medien" und "Studieren in Mainz"; in Kürze kommen noch die Themen "Kneipe", "Bier" und "Haustiere" hinzu.
Das Praktikum war ein voller Erfolg, und allen die dazu beigetragen habe sei herzlich gedankt! Falls nun das Interesse besteht, selbst einmal Praktikanten aus Mainz aufzunehmen, so besteht die Möglichkeit, sich als LektorIn auf der Liste des Instituts eintragen zu lassen. Zuständig ist in diesem Falle Frau Dr. Eva-Maria Willkop (willkop@mail.uni-mainz.de).
übrigens: Was Soju und Kimchi ist, weiß ich mittlerweile ziemlich genau, und auch die Koreaner habe ich zumindest ein Stück weit kennengelernt. Die vielen Eindrücke und Erfahrungen, die ich als "Langnase" in den letzten zwei Monaten in Korea machen konnte, möchte ich wirklich nicht missen!
Copyright © 2001 by Katrin Platte