Michael Menke

Cross Culture - Transnationale deutschsprachige Literatur


Deutschsprachige Literatur aus Deutschland, Österreich und der Schweiz wurde am 31. März im Goethe-Institut präsentiert. Dies hätte eigentlich schon ausgereicht, um dem Anspruch "transnational" gerecht zu werden. Aber auch die vorlesenden Autorinnen waren allesamt selbst "transnational", d.h. kamen eigentlich aus anderen Ländern oder lebten in anderen als den D-A-CH-Ländern, und schrieben weitgehend in einer anderen als ihrer Muttersprache

Sabine Scholl, lebte in Österreich, dann in den USA und anderen Ländern. Sie verarbeitet in ihren Texten immer wieder Eindrücke aus diesen verschiedenen Wohnorten, vergleicht menschliche Verhaltensweisen und Umwelt. Sie ist der Meinung, aus einem Standpunkt in der Fremde hielte man immer das andere Land für besser, das Ferne verkläre sich durch den Abstand.

Zsuzsanna Gahse, gebürtige Ungarin, siedelte nach Österreich um und lebt jetzt in der Schweiz. Ihre Texte befassten sich mit tieferem Sinn von Sprache oder einzelnen Ausdrücken, etwa der Pauschalisierung "alle Frauen", oder "die Koreanerin", hinterfragte diese und stellte sie gleichzeitig in Frage. Auch dem Begriff "Kunst" bescheinigte sie in seinen gegensätzlichen Bedeutungen (Kunstwerk, Kunststoff) etwas "Künstliches".

Yoko Tawada ist eine deutsch (und japanisch) schreibende Autorin, die in Deutschland studierte, in den USA lebt und arbeitet. Ihr Text hatte Sprachklänge zum Inhalt. Sie beschrieb das anhand ihres Arbeitsplatzes an einer amerikanischen Hochschule, wo auf einem langen Flur, dessen Türen sich nur durch Nummern unterscheiden, Menschen aus vielen Ländern durch ihre Sprachen und den daraus resultierenden Stimmeindrücken eine transnationale Klangwolke schaffen.

Allen drei Autorinnen war gemein, dass sie die deutsche Sprache nicht als etwas speziell nationales sehen. Viele Einflüsse spiegeln sich in ihrem Deutsch-Sprachgebrauch wieder, nicht zuletzt die eigene (z.T. nichtdeutschsprachige) Herkunft.

Für alle war auch der Begriff Heimat oder Heimatkultur etwas sehr fließendes, ein Gefühl, dem sich vielleicht auch im Ausland lebende Lektoren sehr wohl anschließen können.

Die Veranstaltung wurde am folgenden Tag fortgesetzt mit einer Seminarveranstaltung und Podiumsdiskussion zum Thema "cross culture - lost culture?", auf der Vortragende aus den D-A-CH-Ländern zum Thema Stellung nahmen.

Wieder einmal ein Symposium, auf dem deutlich wurde, dass deutsche Literatur mehr sein kann als Literatur aus Deutschland, und dass der Kulturbegriff in einer nicht nur medial zusammenwachsenden Welt sicherlich, wie so vieles andere, fließt. Birgit Mersmann hat das, mit Unterstützung der kulturellen Institutionen der drei beteiligten Länder, sicherlich eindrucksvoll gezeigt.


Copyright © 2001 by Michael Menke


DaF-Szene Korea Nr. 13

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