Thomas Schwarz

Morgens um sechs
Zur Situation des Fernsehsprachkurses Deutsch im koreanischen Sender EBS


Alle Jahre wieder hört man das Gerücht, dass die Fernsehsprachkurse, die der koreanische Sender EBS für Deutsch und Französisch eingerichtet hat, abgeschafft oder zurückgebaut werden sollen, weil die Einschaltquote zu niedrig sei. Dieses Jahr wurde der Deutschkurs weder abgeschafft noch wurde die Sendezeit verkürzt, aber er wird auch nicht neu produziert, sondern die Sendungen des letzten Jahres werden wiederholt. Letztes Jahr wurde der Kurs donnerstags von 9:20 Uhr bis 9:40 Uhr abends über Antenne ausgestrahlt und am Samstag von 8:20 Uhr bis 9 Uhr morgens über Satellit gezeigt. Im Sommer wurde die Wiederholung abgeschafft. Ab Oktober hat man die Sendezeit auf 6:00 Uhr am Samstag und am Sonntag verlegt. Morgens! Diese Sendezeit ist symptomatisch dafür, welcher Stellenwert dem Deutschen bei der Programmgestaltung von EBS zugeschrieben wird. Wie ich erfahren habe, ist derzeit wieder einmal fraglich, ob der Kurs im nächsten Jahr überhaupt gezeigt werden soll. Da sich Korea anschickt, im Jahr 2002 die Fußballweltmeisterschaft durchzuführen, zu der doch hoffentlich viele Gäste aus Europa anreisen sollen, hätte ich eine solche Diskussion zu gerade diesem Zeitpunkt nicht erwartet. Ich bin vielmehr davon ausgegangen, dass Korea im Hinblick auf dieses Ereignis die Fremdsprachenpolitik eher forcieren wird, so dass die im Land gepflegten Fremdsprachenkenntnisse als Werbefaktor benutzt werden können. Mit Fernsehsprachkursen zu attraktiven Sendezeiten könnte sich Korea auf die Ankunft von Gästen aus dem Ausland einstellen, die an Straßenecken stehen, ihre Karten verkehrt herum halten, und sich fragen, wie sie denn nun ins Fußballstadion kommen sollen.

Natürlich müssen wir als deutsche Lehrer und Lektoren an koreanischen Schulen und Universitäten darauf dringen, dass unseren Schülern und Studenten weiterhin die Möglichkeit gegeben wird, außerhalb des Unterrichts in anderen Medien ihre Sprachkenntnisse zu pflegen. Aber man muss auch die Menschen im Auge behalten, die durch die Fußballweltmeisterschaft motiviert sein könnten, ihre Sprachkenntnisse zu erweitern. Für die Fußballfans in Deutschland könnte es ein werbewirksames Signal ein, wenn sich Korea auch sprachlich auf ihr Kommen einstellt! Dass dabei auch die Qualität dieser Programme weiterentwickelt und diese auf aktuelle Themen hin ausgerichtet werden, sollte eigentlich selbstverständlich sein.


Copyright © 2000 by Thomas Schwarz


DaF-Szene Korea Nr. 12

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