12° (immerhin im Plusbereich), ein prostatakranker Duschkopf und ein Aktionskreis von 90cm (einschließlich Waschbecken) in meinem sogenannten "bathroom" ließen den Entschluss reifen: entweder wird gar nicht geduscht oder woanders. Woanders war dann direkt gegenüber meinem "Apate": JONGDONG MOGYOKTANG im unterirdischen Bereich eines Bürohauses. Fahrstuhl verziert mit floralen Motiven, Eingangsbereich in grauem Marmor gehalten, rechts Herren, links Damen. Der stets freundliche Ajoshi im Unterhemd in der Kassenloge fordert gleichberechtigt für beide Abteilungen 3000 Won und rüstet die Kunden mit dem Lockerschlüssel, einem Waschtuch und einem Minihandtuch aus. Und damit hat dann auch die Gleichbehandlung ein Ende.
Nicht, dass ich jemals die Bequemlichkeiten der Herrenabteilung näher zu Gesicht bekommen hätte! Aber im schwarzgekachelten und weißgefliesten Eingang der Herrenabteilung residiert ein Schuhputzer. Wenn man ein bisschen um die Ecke guckt, kann man bequeme Sitz- oder Ruhegelegenheiten aus Rattan sehen, aber auch irgendwas Grünes, Pflanzliches konnte ich erspähen.
Anders die Damenseite: abgetretener Plastikbodenbelag, Sperrholzabtrennung und ein Plastikvorhang, der in Kniehöhe endet, kein Sitz zum Anziehen der Schuhe. Und drin - eine einzige breite Holzbank in der Mitte, Plastikfußboden ( kürzlich erneuert), kein Rattan, keine Fliesen, kein Grün. Auf dem Fußboden sitzt die Ajuma und isst Suppe. In der Toilette steht ein hohes Schraubglas mit Zigarettenasche und Kippen. 38 Locker für die Kleidung sind da, kein Hocker, keine Haken, aber ein Münzfön und ein Automat für kalte Getränke. Die Decke war mal rosa; und oberhalb der Schränke drängen sich die Plastikkörbchen mit den Badeutensilien der Stammkundinnen. Eine riesige Tuschzeichnung mit den malerischen Bergen Chinas erhebt das Gemüt in dieser Grotte.
Der Waschraum mit seinen acht Duschplätzen, den Spiegeln in Sitzhöhe (vor einem baumelt die Gemeinschaftszahnpasta an einem Bindfaden herunter), den beiden ca. sechs Quadratmeter großen Becken mit heißem und kaltem Wasser ist groß, sauber und bequem. Und seit die neue Ajuma da ist, sind auch die glitschigen Schmierstellen unter den Sitzsteinen und die rauen Ablagerungen an den Beckenrändern verschwunden. Die nagelneue Dampfsauna war schon nach einer Woche kaputt, die Fugen zwischen den wirklich schön gemaserten Marmorplatten bekamen die ersten Risse, wohl kein Wasser nachgefüllt. Jetzt funktioniert sie wieder, ist auch meistens richtig temperiert. Und die Finnische Sauna daneben - darf man eigentlich gar nicht drüber reden! Entweder zu kalt oder zu heiß. Der Thermostat zeigt aber immer beruhigende 80°. Es bullert und gurgelt in den Rohren, auf denen auch die Dessous zum Trocknen aufgehängt werden; und wenn's einer zu heiß ist, wird einfach die Tür aufgemacht und ein Bottich dazwischen gestellt. Dann ist im Waschraum Nebel. Wohl auf den Tipp eines Hygienefachmanns wurden kürzlich die roten Plastikrasen ähnlichen Matten entfernt. Auch gibt es inzwischen zwei neue Badetücher in praktischem Dunkelblau, eins auf dem Fußboden, eins auf der Bank. Die Früheren waren weiß oder zumindest mal weiß gewesen, mit beunruhigenden bräunlichen Schattierungen und einem ebensolchen Geruch. Kann nicht mal einer zu den Herren gehen und da nachsehen, ob sie auch so spartanisch ausgerüstet sind?
Egal, inzwischen hab ich mein blaues Körbchen mit meinen Badeutensilien dazu gestellt und komme ein- bis zweimal die Woche, obwohl die Temperaturen in meinem "bathroom" der Jahreszeit entsprechend angenehmer sind. Die Frauen der Nachbarschaft haben sich vom Schrecken meines üppigen Anblicks erholt und sind freundlich und gesprächig. Und die Ajuma kann mir, so dünn und klein sie ist, so wunderbar die alten Hautschichten herunter hobeln.
"Mogyoktang" kann ich nur empfehlen zur porentiefen Reinigung von Körper und Geist. Probiert doch mal die luxuriösen Einrichtungen des Namsan Athletic Club im Philipp' s Haus in der Nähe vom Goethe-Institut. Holt euch das Faltblatt und freut euch auf die verschiedenen Saunas, den luxuriösen Ruheraum, das sogenannte Solarium mit Grünpflanzen und Panoramablick auf Seoul. Alles im Preis von 12 000 Won inbegriffen - für die Herren der Schöpfung! Wenn ihr wissen wollt, wie es auf der Damenseite aussieht - lest doch einfach den obigen Artikel noch einmal. Alles total gleich!
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