Notiz zur Konferenz der Koreanischen Gesellschaft für deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft an der Keimyung-Universität in Daegu am 13. / 14. Oktober 2000
Die Konferenz hatte sich das Ziel gesetzt, Chancen und Möglichkeiten einer kulturwissenschaftlichen Orientierung für die koreanische Germanistik auszuloten. Als Protagonist einer kulturwissenschaftlichen Wende trat der Daeguaner Germanist Hak-Su Byon (Kyongpook National University) auf den Plan. Auf seinen Eröffnungsvortrag folgte eine Podiumsdiskussion, in deren Rahmen Friedhelm Bertulies (Taegu University) anhand von aktuell angebotenen Seminaren zeigte, dass auch wichtige Vertreter der kulturwissenschaftlichen Szene in der Bundesrepublik wie Aleida Assmann oder Anselm Haverkamp sich weiterhin mit traditionell literaturwissenschaftlichen Themen beschäftigen. So stand auch die Literatur auf dieser Konferenz nach wie vor im Zentrum des Interesses.
Stefan Straub (Hanguk-Universität für Fremdsprachen) präsentierte die kritische Perspektive von Karl Kraus auf Alfred Kerr, der sich nach dem Ersten Weltkrieg im kulturellen Kontext der Weimarer Republik vom Kriegspropagandisten zum Pazifisten gewandelt hatte. Dong-Lan Chong (Keimyung University, Daegu) situierte den Protagonisten von Ernst Tollers Drama Hoppla, wir leben! (1927) in Jürgen Links Modell zur Analyse der kulturellen Topik einer Gesellschaft als einen Außenseiter mit einem anachronistischen Technikverständnis. Chun-He Kim (Busan University) stellte kurz sowohl die wichtigsten Werke der deutschen als auch der koreanischen Teilungsliteratur vor. Dabei kam er bei seinem Vergleich zu der Schlussfolgerung, dass die koreanische Teilungsliteratur aufgrund des spezifisch koreanischen "hans", einer Art tiefer Traurigkeit, ausdrucksvoller im Gefühl als die deutsche sei. Soung-Chul Park (Koryo University) behandelte in seinem Vortrag ein ausschließlich linguistisches Thema. Es ging dabei um die sprachliche Handlungsstruktur der Andeutung und deren Umsetzung im Deutschen.
Die Mehrzahl der Teilnehmer dieser Konferenz hat sich darauf eingelassen, das Terrain der deutschen Kultur und Literatur mit linguistischen, anthropologischen oder diskursanalytischen Methoden zu sondieren. Ein Teil der Beiträge wird in der Zeitschrift der Koreanischen Gesellschaft für deutsche Sprach- und Literaturwissenschaft, der Dogilomunhak, publiziert werden. Der Beitrag von Michael Skowron findet sich in diesem Heft der Daf-Szene.
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