Wer sich für alte Buddhastatuen aus Stein interessiert, dem wird vielleicht aufgefallen sein, dass diesen des öfteren der Kopf oder ein Arm fehlt, und wenn nicht der Kopf ganz fehlt, dann ist doch meist die Nase lädiert. Das Fehlen des Kopfes ist sicher auf die Geschäftsleute zurückzuführen, die diese Köpfe für gutes Geld antiquarisch oder auch nicht verkaufen wollen. Vielleicht kann man auch eine schöne Hand verkaufen. Aber die Nase? Das Entfernen der Nase dient einem anderen Zweck. Man glaubt nämlich, dass der Verzehr eines Stücks Nase des Buddha die Geburt eines Sohnes zur Folge haben wird. Also wird immer ein Stückchen mehr von der Nase abgeschlagen und pulverisiert von den Frauen, die einen Sohn haben möchten, eingenommen. Warum muss es aber gerade die Nase sein und kein anderes Teil? Weil der Nase, diesem mehr oder weniger hervorspringenden Teil des Gesichts, eine gewisse Entsprechung zu einem anderen Teil des Körpers zugesprochen wird, den man bei Buddha nie sieht, bei Söhnen aber immer vorhanden ist und auch nicht verheimlicht wird. Offensichtlich konnte Buddha diese Frauen nicht davon überzeugen, dass es keine Bedeutung hat, ob sie ein besonderes Stück von ihm essen oder nicht, wenn sie einen Sohn haben möchten. Insofern spricht das Fehlen der Nase für die Stärke des Aberglaubens und des Konfuzianismus wie das Fehlen des Kopfes für die Stärke des Handelsgeistes und beide für eine gewisse Schwäche des Buddhismus (Für einen Kulturvergleich könnte man das symbolisch-kannibalisch anmutende Essen des Leibes und Trinken des Blutes im Christentum heranziehen). Da es aber auch für Buddha selbst gleichgültig ist, ob er eine Nase hat oder nicht, findet man ihn bei manchen Statuen immer noch lächelnd. Dort aber, wo man weder dieses, noch den Kopf und nicht einmal eine Statue, sondern vielmehr nichts findet, ist er am vollkommensten repräsentiert.
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