Vor einiger Zeit haben koreanische Medien eine intensive Debatte zur Lage der Zweitfremdsprachen entfacht. Mit den folgenden Überlegungen soll die Relevanz von Zweitfremdsprachen in Korea in einen etwas größeren Zusammenhang gestellt und mögliche Zukunftsperspektiven für den Zweitfremdsprachenunterricht und Zweitfremdsprachenphilologien aufgezeigt werden.
Einige Beiträge differenzieren zwischen den sogenannten traditionellen Zweitfremdsprachen, wie dem Französischen, Spanischen und Deutschen und den sich seit einigen Jahren immer stärker etablierenden, wie dem Chinesischen, Japanischen und Russischen. Es wird dabei auch die Frage aufgeworfen, ob in einer angespannten Wirtschaftslage und bei dem zunehmenden Interesse der Schüler und Studenten am Japanischen eine unveränderte Aufrechterhaltung des traditionellen Fremdsprachenunterrichts und die damit verbundene Anstellung und Bezahlung relativ vieler Lehrer noch gerechtfertigt erscheine, zumal es Sprachen auf dieser Welt gebe, wie z.B. Hindi - Urdu oder Arabisch, die ja schließlich eine sehr viel höhere Zahl an Muttersprachlern aufwiesen als z.B. Deutsch. Diese Fragestellung bedarf einer Kommentierung.
Eine Auflistung der 12 am häufigsten als Muttersprache gesprochenen Sprachen dieser Welt ergibt folgendes Bild: Das Chinesische nimmt eine unangefochtene Spitzenposition ein, gefolgt von Englisch und Spanisch. Japanisch, Deutsch, und Französisch belegen die Plätze 10 bis 12. Dazwischen reihen sich Russisch, Hindi - Urdu, Indonesisch, Arabisch, Portugiesisch und Bengalisch ein. Bei einer Relevanzbestimmung einer Sprache aber, zu welchen Zwecken auch immer, ist die Zahl der sie als Muttersprache Sprechenden nur ein sehr marginaler Faktor. Die Bedeutung einer Sprache bemisst sich vielmehr nach einer ganzen Reihe unterschiedlicher Kriterien, die alle zusammen ihren Verkehrswert ausmachen. Nach diesen Kriterien hat das Englische als internationale Verkehrsprache mit Abstand die größte Bedeutung und verdrängt das Chinesische aus seiner Spitzenposition. Diese weltweite Bedeutung nenne ich den internationalen Verkehrswert. Die Beherrschung des Englischen und der Umgang mit den Medien entwickeln sich zu neuartigen "globalen Kulturtechniken", die die bisher vertrauten Kulturtechniken Lesen, Schreiben und Rechnen neu gewichten und erweitern. Gute Englischkenntnisse werden daher in Zukunft für viele Berufe als selbstverständlich vorausgesetzt werden, was auch darauf hinweist, dass der Beherrschung einer Zweitfremdsprache als Zusatzqualifikation in Zukunft noch größere Bedeutung beigemessen werden wird, als dies heute schon der Fall ist.
Interpretiert man die Stellung der anderen oben erwähnten Sprachen unter Berücksichtigung von Kriterien ihres internationalen Verkehrswertes, so ergibt sich, dass hinter dem Englischen Spanisch, Französisch und Deutsch die nächsten Plätze belegen, wobei beim Französischen und Deutschen ein besonders auffallender Relevanzgewinn festzustellen ist. Bezeichnenderweise besitzen also gerade die in Korea etablierten traditionellen Zweitfremdsprachen im internationalen Vergleich nach dem Englischen die höchsten Verkehrswerte. Für das Französische und Spanische begründen sich diese auch in ihrer großen geographischen Verbreitung, denn Französisch wird nicht nur in Frankreich und Teilen angrenzender Länder, sondern auch in Teilen Kanadas und einer Reihe afrikanischer Länder gesprochen, Spanisch nicht nur in Spanien, sondern in fast allen südamerikanischen Ländern. Französisch- und Spanischkenntnisse erschließen also sehr weite Kommunikationsräume.
Der internationale Verkehrswert des Japanischen dagegen ist relativ niedrig, u.a. deswegen, weil es außerhalb Japans kaum gesprochen wird. Das sollte aber nicht zu voreiligen Schlussfolgerungen verleiten. Neben einem internationalen Verkehrswert kann man Sprachen nämlich auch einen nationalen zuweisen. Darunter verstehe ich die regionale, nationale Relevanz für ein spezifisches Land. Diese bestimmt sich teilweise nach anderen Kriterien und muss für jedes Land gesondert interpretiert und festgelegt werden. Setzt man diesen Maßstab an, so zeigt sich, da Japanisch und Chinesisch gerade für Korea einen beachtlich hohen Verkehrswert haben. Dieser leitet sich u.a. ab aus der geographischen Nähe, des sich ausweitenden Wirtschafts- und Kulturaustauschs zwischen Korea und diesen beiden Nachbarländern und im Falle des Japanischen auch aus der für Koreaner leichteren Erlernbarkeit, was ja Schüler und Studenten bei ihrer Entscheidung für diese Zweitfremdsprache auch stark beeinflusst. Auch für das Russische lassen sich leicht gute Gründe aus koreanischer Sicht ins Feld führen.
Im folgenden sei aber einmal am Beispiel des Deutschen und des deutschsprachigen Kulturraums demonstriert, welche unterschiedlichen Faktoren zur Bestimmung des internationalen und nationalen Verkehrswertes einer Sprache beitragen können. (Dass man Sprachen auch einen "individuellen" Verkehrswert beimessen kann, der sich ergibt aus dem ganz persönlichen Interesse eines einzelnen Sprechers, sei hier nur erwähnt, aber nicht weiter ausgeführt.) Ich betone ausdrücklich, dass die Erwähnung folgender Tatsachen nicht bezweckt, Argumente für eine verstärkte Pflege des Deutschen an koreanischen Schulen und Universitäten, etwa auf Kosten anderer Zweitfremdsprachen, zu liefern. Im Gegenteil, ich werde noch zeigen, dass ich in einer oberflächlichen Wertung und einer Abgrenzung der Zweitfremdsprachen gegeneinander gar keinen Sinn sehe.
Wer Deutsch spricht, kann problemlos mit rund 100 Millionen Europäern in ihrer Muttersprache kommunizieren, denn Deutsch wird nicht nur in Deutschland, sondern auch in Österreich, in weiten Teilen der Schweiz, in Liechtenstein, Luxemburg sowie Teilen Norditaliens, Ostbelgiens und Ostfrankreichs gesprochen. Neben Russisch ist Deutsch die am meisten gesprochene Muttersprache in Europa. Es wird als solche z. Z. von etwa einem Viertel der Bewohner der Europäischen Union gesprochen.
Aus der Perspektive der Fremdsprachennutzung steht Deutsch mit 20 Millionen Sprechern weltweit hinter Englisch und Russisch an dritter Stelle, gefolgt von Spanisch ( 10 Millionen ) und Französisch ( 5 Millionen ). In Osteuropa, einer Region, an der auch die koreanische Wirtschaft ein zunehmendes Interesse entwickelt, wird Deutsch teilweise als erste Fremdsprache gelernt und das Deutsche übernimmt dort als Verkehrs- und Wirtschaftssprache teilweise die Funktion des Englischen.
Wer sich für Literatur interessiert, kommt an Deutsch nicht vorbei. Jährlich gibt es auf dem deutschen Buchmarkt ca. 70.000 Neuerscheinungen, das sind ca. 18% aller jedes Jahr auf dieser Welt herausgegebenen Bücher. Rechnet man die umfangreiche Buchproduktion Österreichs und der Schweiz hinzu, erhöht sich diese Zahl noch erheblich. Damit stehen Deutschland und seine Nachbarn auf Platz 2 der Buchproduzenten dieser Welt. Mit anderen Worten: Jedes 5. Buch auf dieser Welt wird auf Deutsch herausgegeben.
Gegen Ende des letzten Jahrhunderts war Deutsch die internationale Sprache der Wissenschaft. Auch heute noch sind Deutschkenntnisse für Wissenschaftler und Studenten sehr wichtig, da im Bereich wissenschaftlicher Publikationen die deutschsprachigen den 2. Platz belegen. Wer Deutsch lesen kann, erschließt sich eine weite Welt von Forschungsergebnissen auf allen Gebieten der modernen Wissenschaft.
Deutschland ist nach den USA ein bevorzugter Studienort für Ausländer. Zur Zeit studieren neben vielen anderen ca. 5000 koreanische Studenten an deutschen Universitäten, an jeder von ihnen ungefähr 100. Durch ihr Auslandsstudium erhöhen sie ihre Berufschancen erheblich. Gerade auf den für Korea so wichtigen Gebieten wie Umwelt- und Verkehrstechnik ist Deutschland führend auf der Welt. Absolventen dieser Studienfächer haben in Korea glänzende Berufsaussichten. Aber auch die traditionellen Studienfächer wie Musik, Medizin und Rechtswissenschaft erfreuen sich nach wie vor großer Beliebtheit. Deutsche Rechtswissenschaft gilt in Korea auch heute noch in vieler Hinsicht als vorbildlich und neue deutsche Gesetze werden teilweise direkt übernommen. Viele koreanische Juristen haben in Deutschland studiert, sprechen die Sprache hervorragend, pflegen enge Kontakte zu ihren deutschen Kollegen und leisten damit einen wichtigen Beitrag zum wissenschaftlichen und kulturellen Austausch zwischen beiden Ländern.
Deutschland ist im Rahmen der Europäischen Union durch die Wiedervereinigung zum Land mit der größten Bevölkerungszahl und zum Land mit der mit Abstand größten Wirtschaftskraft geworden. Sein Bruttosozialprodukt umfasst etwa 30% des gesamten Bruttosozialprodukts der EU. Unter dem linguistischen Aspekt der "ökonomischen Stärke" liegen vor Deutsch weltweit nur Englisch und Japanisch. Wer Deutsch spricht, verbessert seine Handelsbeziehungen zu Partnern im drittgrößten Industrieland und einem der wichtigsten Exportländer der Erde.
Die diplomatischen, wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Korea waren fast immer und sind es auch heute besonders gut und problemlos, was der koreanische Präsident Kim Dae-Jung bei seinem Deutschlandbesuch auch gerade wieder deutlich zum Ausdruck gebracht und was auch mit dazu beigetragen hat, dass Deutschland Korea in schwierigen Zeiten häufig spontan zur Seite gestanden hat. Südkorea und Deutschland weisen auch ein gemeinsames politisches Schicksal - das der Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg und das des Wiederaufbaus nach einem verheerenden Krieg auf. Verstärkte Studien der deutschen Geschichte der Gegenwart könnten u.a. auch dazu beitragen, dass die Koreaner auf die Probleme, die eine Wiedervereinigung mit sich bringt, besser vorbereitet sind als es die Deutschen waren.
Ich wiederhole, da diese Ausführungen ( die eine sehr gekürzte Version des Manuskripts Warum Deutsch lernen? 18 Gründe zum Nachdenken" sind ) lediglich dazu dienen sollten, zu demonstrieren, da bei der Bestimmung des Verkehrswertes einer Sprache und damit auch ihrer praktischen Nutzbarkeit ein ausschließlicher oder zu fixierter Blick auf die Zahl derer, die sie als Muttersprachler benutzen, ziemlich nichtssagend ist und dass es gerade für die traditionellen Zweitfremdsprachen in Korea eine Reihe von guten Gründen gibt, ihre Pflege nicht zu vernachlässigen.
Es wäre daher sehr wünschenswert, dass das koreanische Erziehungsministerium in Zusammenarbeit mit Universitäten, Oberschulen und Fremdsprachenlehrerverbänden beratend und Hilfestellungen leistend eingreifen, für eine Ausgewogenheit des Zweitfremdsprachenunterrichts sorgen und die Entwicklung nicht dem Zufall oder wechselnden Popularitätstrends unter Schülern überlassen würde. Gerade im Zeitalter der Globalisierung sollte wirtschaftlicher und kultureller Austausch im Interesse aller auf eine möglichst breite Basis gestellt werden. Die Pflege der Zweitfremdsprachen leistet hierfür wertvolle Dienste. Investitionen in sie würden sich langfristig sicher bezahlt machen.
Wenn ich hier für die Pflege aller oben genannten Zweitfremdsprachen plädiere, so meine ich damit nicht, dass möglichst viele Schüler und Studenten eine solche lernen sollten. Nicht Quantität ist erstrebenswert, sondern Qualität. Die große Zahl von Zweitfremdsprachenstudenten in der Vergangenheit hat nur dazu beigetragen, deren Berufsaussichten zu verschlechtern und eine Krisensituation herbeizuführen. Aber Qualität allein ist kein Allheilmittel, weil nämlich sie allein auch nicht in der Lage sein wird, das Grundproblem, das beim Namen zu nennen sich viele scheuen, zu lösen. Dieses ist: mangelnde Berufsbezogenheit fremdsprachlicher Studiengänge. Einige namhafte koreanische Professoren haben allerdings schon mehrfach deutlich darauf hingewiesen: Die Zweitfremdsprachenphilologien im herkömmlichen Sinne haben unter den veränderten gesellschaftlichen Rahmenbedingungen, hervorgerufen auch durch Auswirkungen und Erfordernisse des Informationszeitalters, in der Zukunft keine Chance mehr. Ein grundsätzliches Umdenken ist erforderlich. Mangelndes Interesse der Studenten und bis zu katastrophalen Verhältnissen sinkende Studentenzahlen sprechen eine sehr deutliche Sprache und weisen unmissverständlich auf die Notwendigkeit einer Umorientierung hin. Universitäten müssen sich selbst und die Studieninhalte, die sie ihren Studenten anbieten wollen, neu definieren.
Es gibt eine Reihe von Hinweisen darauf, dass ein Umdenken sehr lohnend sein könnte. Die unaufhaltsam fortschreitende Internationalisierung und Globalisierung der Wirtschaft z. B. erfordert neue Ausbildungsprofile. Hier bieten sich für Geisteswissenschaften und insbesondere für die Zweitfremdsprachenphilologien ganz neue Möglichkeiten, weil Geisteswissenschaftler bei entsprechender Ausbildung in zunehmendem Maße auch im Wirtschaftsleben in bestimmten Positionen erfolgversprechend eingesetzt werden könnten. Geisteswissenschaftliche Kompetenz, kulturelles Wissen, Vielsprachigkeit und die viel zitierten Schlüsselqualifikationen, wie z. B. Flexibilität, die Fähigkeit, selbständig, kreativ und in größeren Zusammenhängen zu denken sowie mündliche und schriftliche Ausdrucksfähigkeit werden in zunehmendem Maße unverzichtbare Merkmale der zukünftigen Führungskraft. Geisteswissenschaftliche Studiengänge, die von ihrem Wesen her stärker auf den Erwerb dieser Schlüsselqualifikationen ausgerichtet sind als andere, reichen aber nicht immer aus, um Absolventen eine erfolgversprechende berufliche Zukunft zu sichern. Dazu ist zusätzliches, praktisch verwertbares Wissen notwendig.
Die deutsche Abteilung der Dankook Universität Seoul hat deswegen einen Reformplan erarbeitet, der darauf abzielt, Studenten neben einem traditionellen Germanistikstudium auch ein berufsbezogenes "Sprachen- Wirtschafts- und Kulturraumstudium" anzubieten. Diese Idee, die sich an ein Konzept einer deutschen Universität anlehnt, ist inzwischen unter dem Namen "Modell Dankook 2000" bekannt geworden.
Studenten, die sich für dieses Studium entscheiden, erhalten - wegen der oben erklärten besonderen Bedeutung des Englischen - vom ersten bis zum letzten Semester durchgehenden Englischunterricht, durchgehenden, intensiven Deutschunterricht und eine germanistische Grundausbildung.
Zusätzlich erwerben sie in einem interdisziplinären Studiengang wirtschaftsorientierte Grundkenntnisse in Recht, Volkswirtschaft, Informatik und Management (Um Praxisnähe zu garantieren, werden diese Studieninhalte mit Wirtschaftsvertretern abgesprochen) und vertiefte Kenntnisse des deutschsprachigen Kulturraums.
Im dritten Studienjahr ist für sie ein Aufenthalt in diesem Kulturraum obligatorisch. Während dieses Aufenthaltes nehmen sie an einer Universität an einem Intensivsprachkurs teil, absolvieren ein Praktikum in einem internationalen Unternehmen und planen und unternehmen auf eigene Faust eine Reise durch diesen Kulturraum.
In der vorlesungsfreien Zeit vor ihrem letzten Semester absolvieren sie ein Praktikum in einem Unternehmen ihrer Wahl in Korea. Dies dient auch der Vorbereitung einer eventuellen Festanstellung.
Dieser neue Studiengang soll zu dem Abschluss "Bachelor of Commerce/German Studies" führen und sein Ziel ist die Ausbildung von Kulturraumspezialisten, die wegen ihres geisteswissenschaftlichen Basisstudiums, ihrer wirtschaftsorientierten Zusatzqualifikationen, ihrer Auslands- und praktischen Berufserfahrung geeignet sind, in internationalen Unternehmen und Institutionen in Führungspositionen hineinzuwachsen. Neu daran ist auch, dass den Studenten sehr viel Spielraum für individuelle Studienplanung und -gestaltung gewährt wird.
Zu Möglichkeiten der Zusammenarbeit zwischen Geisteswissenschaften und der Wirtschaft, deren Nützlichkeit auch der koreanische Erziehungsminister bei der Erklärung seiner Reformvorstellungen angedeutet hat, sei Daniel Goeudevert zitiert. Er war stellvertretender Vorsitzender des Vorstands der Volkswagen AG, des größten Automobilherstellers in Europa. Seine Einschätzung hat deswegen besonderes Gewicht, weil er vor seiner erfolgreichen Wirtschaftskarriere Literaturwissenschaften studiert hat und u.a. als Dozent für Literatur tätig war. Er sagte: "Wenn die Geisteswissenschaften ernst machen mit einer Reform, die sich am tatsächlichen Bedarf der Gesellschaft und des Marktes orientiert und nicht an den Besitzstandssicherungsinteressen der akademischen Institutionen, werden sie meines Erachtens erstaunt erkennen, dass der wirkliche Bedarf weit vielfältiger ist, als man sich das hinter Institutsmauern vorstellt.
Geisteswissenschaftler können in der Wirtschaft eine wesentliche Rolle in der Lernkultur des 'lernenden Unternehmens' spielen. ...... Es ist nötig, die Trennung von Humanwissenschaften und Technik aufzulösen, denn es gibt heute kein Problem mehr, das auf rein technischem Wege gelöst werden könnte."
Voraussetzung für eine erfolgversprechende Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Humanwissenschaften ist aber die Bereitschaft der Professoren, sich in neue Fragestellungen einzuarbeiten und sich in einem veränderten Umfeld selbst zu verändern. Nur Kreativität und innovatives Denken können den Zweitfremdsprachenphilologien aus der Sackgasse, in der sie sich schon seit Jahren befinden, heraushelfen.
Fachleute auf dem Gebiet des Zweitfremdsprachenunterrichts an Schulen haben u.a. folgende Verbesserungsvorschläge gemacht:
- unbegabte und uninteressierte Schüler sollten zum Erlernen einer Zweitfremdsprache nicht gezwungen werden,
- die Klassenstärken sollten reduziert und die Stundenzahlen dafür erhöht werden,
was auch ohne finanzielle Mehrbelastung einen effektiveren Einsatz schon vorhandener Lehrer ermöglichen würde und
- den Schülern sollten Anreize geboten werden, die das Erlernen einer Zweitfremdsprache attraktiv machen und konkrete Vorteile versprechen.
Die Zukunft der Zweitfremdsprachenphilologien an koreanischen Universitäten liegt meiner Meinung nach in
- einem Abbau unbegründeten Konkurrenzdenkens
untereinander,
- solidarischer Kooperation und Arbeitsteilung,
- dem Entwickeln und Anbieten moderner, berufsbezogener Studiengänge,
- interfakultärer Kooperation,
- der Zusammenarbeit mit ausländischen Universitäten und
- der Zusammenarbeit mit außeruniversitären Unternehmen und
Institutionen.
Dies alles würde vermutlich auch zur gegenseitigen Befruchtung von Schulen und Universitäten beitragen, dem Zweitfremdsprachenunterricht an Schulen und den Zweitfremdsprachenphilologien dringend benötigte neue Impulse geben und sich auf Schulen und Universitäten allgemein sehr belebend auswirken.
Copyright © 2000 by Armin Kohz