Das können Sie hier lernen oder wiederholen: Vermutungen anstellen und äußern
Was ist denn los?
Wenn Sie in Deutschland mit dem Bus, mit der Straßenbahn oder mit der U-Bahn fahren wollen, finden Sie an jeder Haltestelle einen Fahrplan. Bei Ihren Planungen können Sie davon ausgehen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel diese Fahrpläne auch wirklich einhalten. Weil alle damit rechnen, dass Busse oder Bahnen pünktlich kommen, gehen z.B. Berufstätige morgens immer zur gleichen Zeit aus dem Haus, um "ihren" Bus oder "ihre" Bahn zu nehmen. So kennt man nach einer Weile die Leute, die morgens mit einem fahren, und wenn man eines der vertrauten Gesichter nicht sieht, dann glaubt man, der Betreffende sei krank geworden oder habe sich verschlafen. Wenn aber der Bus oder die Bahn einmal ausbleiben, dann beginnen die sonst meist schweigsamen Fahrgenossen sogar ein Gespräch.
* Der Bus müßte doch längst hier sein.
* Ja, der kommt sicher gleich, da oben ist doch eine Baustelle, da kann
es doch schon mal
einen Stau geben.
* Der Bus könnte ja auch eine Panne haben.
* Meinen Sie? Möglich ist das ja immer.
* Aber dann müssten ja andere Wagen durchkommen, aber heute ist hier
überhaupt wenig
Verkehr. Das lässt eher an einen Stau denken.
* Vielleicht hat es ja auch einen Unfall gegeben, an der Kreuzung vor
der Post kracht es ja
öfter mal.
* Was auch immer los ist, ich werde heute zu spät kommen, und dann gibt
es bestimmt
gleich um acht was Wichtiges zu besprechen, und ich kriege ärger,
weil ich nicht da war.
* Ich fürchte, wir werden heute bis zur U-Bahn unten zu Fuß gehen
müssen.
* Da hören Sie! Die Sirenen von Polizei- und Krankenwagen. Da wird doch
nichts
Schlimmes passiert sein?
* Das klingt aber ganz danach. Da muss was Schlimmes passiert sein.
* Da wird der Bus wohl ewig nicht kommen, wahrscheinlich lohnt sich die
Warterei nicht, ich mach mich schon mal auf den Weg zur U-Bahn. Auf
Wiedersehen.
Aufgaben:
1. Lesen Sie den Text und üben Sie den Dialog!
Suchen Sie im ganzen Text Wendungen, die Erwartungen, Vermutungen oder
Befürchtungen ausdrücken oder umschreiben!
2. Etwas Grammatik zum Wiederholen - Wortschatz und Syntax zum
Ausdruck von
Erwartungen, Vermutungen und Befürchtungen
2.1. Verben mit dem Inhalt erwarten, vermuten, befürchten
+ Ergänzung,
meist als dass-Satz
A: Wo ist Herr Meier?
B: Ich vermute, dass er in seinem Büro
ist.
vermuten + Akk
(Ich vermute seine Anwesenheit im Büro.)
Ich nehme an, dass er in seinem Büro
ist.
annehmen + Akk
Ich glaube, dass er in seinem Büro
ist.
glauben + Akk = NS
Ich denke, dass er in seinem Büro
ist.
denken + Akk = NS
A: Wie lange muß Frau Bauer im Krankenhaus bleiben?
B: Die Ärzte meinen, dass es einen Monat dauern
wird.
meinen + Akk = NS
Die Ärzte gehen davon aus, dass es einen Monat
dauern wird. ausgehen von + Dativ
Die Ärzte gehen von einem Monat aus
Die Ärzte rechnen damit, dass es einen Monat
dauern wird.
rechnen mit + Dativ
Die Ärzte rechnen mit einem Monat
A: Wird Petra wieder ganz gesund?
B: Die Ärzte glauben das
nicht.
nicht glauben
Die Ärzte befürchten, dass sie nicht wieder
ganz gesund wird. befürchten + Akk
Die Ärzte haben Sorgen, dass sie nicht wieder
ganz gesund wird. Sorgen haben, dass
2.2. werden + Infinitiv (+ Partikel)
Erwartung und Vermutung:
A: Peter ist noch nicht da.
B: Keine Sorge, er wird schon kommen.
(B weiß es zwar nicht genau, ist aber ziemlich
sicher, daß Peter kommt.)
Befürchtung:
A: Ich habe Peter schon ein paar Tage lang nicht mehr gesehen. Er wird
doch nicht
krank sein?
2.3. Modifizierende Adverbien: vielleicht, wahrscheinlich, bestimmt, sicher
Vielleicht ist er
krank.
unsichere Vermutung
Er ist wahrscheinlich krank geworden.
sichere Vermutung
Er kommt bestimmt
noch.
ganz sichere Vermutung, Erwartung
Er kommt sicher
noch.
feste Annahme
2.4. Modalverben müssen und können - im Indikativ und im Konjunktiv II
A: Wie alt ist dieses Haus?
B: Das weiß ich nicht genau.
Es kann 200 Jahre alt sein.
Es könnte 200 Jahre alt sein.
A: Wie alt ist diese Vase?
B: Das weiß ich nicht genau.
Aber die muss 600 Jahre alt sein.
Aber die müsste 600 Jahre alt sein.
Weil das Haus/die Vase dieses Aussehen und diese Eigenschaften hat, kann man das Alter ungefähr bestimmen. Wenn man "können" gebraucht, ist man unsicher, wenn man "müssen" gebraucht, ist man ziemlich sicher. Wenn man den Konjunktiv II benutzt, macht man sozusagen ein kleines Fragezeichen hinter die Aussage.
3. Partnerarbeit:
Machen Sie mit Ihrer Partnerin kleine Dialoge, und verwenden Sie dabei möglichst viele derWendungen, die wir gelernt haben!
3.1. Ihr Professor kommt immer pünktlich zum Unterricht. Heute sind schon 15 Minuten der Stunde vergangen, und er ist immer noch nicht da.
Stellen Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner Vermutungen über die Gründe dafür an!
3.2. Gestern haben Sie den ganzen Tag vergeblich versucht, eine Freundin, die nicht an Ihrer Uni studiert, telefonisch zu erreichen.
Stellen Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner Vermutungen darüber an, warum die Freundin nicht zu erreichen war!
3.3. Eine Mitstudentin, die immer fröhlich und offen war, ist jetzt sehr verschlossen und sieht sehr traurig aus.
Stellen Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner Vermutungen darüber an, was mit ihr los ist!
Hausaufgabe: Schreiben Sie Ihre Dialoge aus 3. auf!
Copyright © 2000 by Edeltrud Kim