Edeltrud Kim

Das wird schon werden! - Das wird schon schief gehen!

Das können Sie hier lernen oder wiederholen: Vermutungen anstellen und äußern


Was ist denn los?

Wenn Sie in Deutschland mit dem Bus, mit der Straßenbahn oder mit der U-Bahn fahren wollen, finden Sie an jeder Haltestelle einen Fahrplan. Bei Ihren Planungen können Sie davon ausgehen, dass die öffentlichen Verkehrsmittel diese Fahrpläne auch wirklich einhalten. Weil alle damit rechnen, dass Busse oder Bahnen pünktlich kommen, gehen z.B. Berufstätige morgens immer zur gleichen Zeit aus dem Haus, um "ihren" Bus oder "ihre" Bahn zu nehmen. So kennt man nach einer Weile die Leute, die morgens mit einem fahren, und wenn man eines der vertrauten Gesichter nicht sieht, dann glaubt man, der Betreffende sei krank geworden oder habe sich verschlafen. Wenn aber der Bus oder die Bahn einmal ausbleiben, dann beginnen die sonst meist schweigsamen Fahrgenossen sogar ein Gespräch.

* Der Bus müßte doch längst hier sein.
* Ja, der kommt sicher gleich, da oben ist doch eine Baustelle, da kann es doch schon mal
  einen Stau geben.
* Der Bus könnte ja auch eine Panne haben.
* Meinen Sie? Möglich ist das ja immer.
* Aber dann müssten ja andere Wagen durchkommen, aber heute ist hier überhaupt wenig
  Verkehr. Das lässt eher an einen Stau denken.
* Vielleicht hat es ja auch einen Unfall gegeben, an der Kreuzung vor der Post kracht es ja
  öfter mal.
* Was auch immer los ist, ich werde heute zu spät kommen, und dann gibt es bestimmt
  gleich um acht was Wichtiges zu besprechen, und ich kriege ärger, weil ich nicht da war.
* Ich fürchte, wir werden heute bis zur U-Bahn unten zu Fuß gehen müssen.
* Da hören Sie! Die Sirenen von Polizei- und Krankenwagen. Da wird doch nichts
  Schlimmes passiert sein?
* Das klingt aber ganz danach. Da muss was Schlimmes passiert sein.
* Da wird der Bus wohl ewig nicht kommen, wahrscheinlich lohnt sich die
  Warterei nicht, ich mach mich schon mal auf den Weg zur U-Bahn. Auf Wiedersehen.

Aufgaben:

1. Lesen Sie den Text und üben Sie den Dialog!
Suchen Sie im ganzen Text Wendungen, die Erwartungen, Vermutungen oder Befürchtungen ausdrücken oder umschreiben!

2. Etwas Grammatik zum Wiederholen - Wortschatz und Syntax zum Ausdruck von
    Erwartungen, Vermutungen und Befürchtungen

2.1. Verben mit dem Inhalt erwarten, vermuten, befürchten + Ergänzung,
       meist als dass-Satz

A: Wo ist Herr Meier?
B: Ich vermute, dass er in seinem Büro ist.                                          vermuten + Akk
    (Ich vermute seine Anwesenheit im Büro.)
     Ich nehme an, dass er in seinem Büro ist.                                        annehmen + Akk
     Ich glaube, dass er in seinem Büro ist.                                            glauben + Akk = NS
     Ich denke, dass er in seinem Büro ist.                                             denken + Akk = NS

A: Wie lange muß Frau Bauer im Krankenhaus bleiben?
B: Die Ärzte meinen, dass es einen Monat dauern wird.                      meinen + Akk = NS
     Die Ärzte gehen davon aus, dass es einen Monat dauern wird.       ausgehen von + Dativ
     Die Ärzte gehen von einem Monat aus
     Die Ärzte rechnen damit, dass es einen Monat dauern wird.           rechnen mit + Dativ
     Die Ärzte rechnen mit einem Monat

A: Wird Petra wieder ganz gesund?
B: Die Ärzte glauben das nicht.                                                            nicht glauben
     Die Ärzte befürchten, dass sie nicht wieder ganz gesund wird.       befürchten + Akk
     Die Ärzte haben Sorgen, dass sie nicht wieder ganz gesund wird.  Sorgen haben, dass

2.2. werden + Infinitiv (+ Partikel)

Erwartung und Vermutung:

A: Peter ist noch nicht da.
B: Keine Sorge, er wird schon kommen.
     (B weiß es zwar nicht genau, ist aber ziemlich sicher, daß Peter kommt.)

Befürchtung:
A: Ich habe Peter schon ein paar Tage lang nicht mehr gesehen. Er wird doch nicht
     krank sein?

2.3. Modifizierende Adverbien: vielleicht, wahrscheinlich, bestimmt, sicher

Vielleicht ist er krank.                                 unsichere Vermutung
Er ist wahrscheinlich krank geworden.       sichere Vermutung
Er kommt bestimmt noch.                            ganz sichere Vermutung, Erwartung
Er kommt sicher noch.                                feste Annahme

2.4. Modalverben müssen und können - im Indikativ und im Konjunktiv II

A: Wie alt ist dieses Haus?
B: Das weiß ich nicht genau.
Es kann 200 Jahre alt sein.
Es könnte 200 Jahre alt sein.

A: Wie alt ist diese Vase?
B: Das weiß ich nicht genau.
Aber die muss 600 Jahre alt sein.
Aber die müsste 600 Jahre alt sein.

Weil das Haus/die Vase dieses Aussehen und diese Eigenschaften hat, kann man das Alter ungefähr bestimmen. Wenn man "können" gebraucht, ist man unsicher, wenn man "müssen" gebraucht, ist man ziemlich sicher. Wenn man den Konjunktiv II benutzt, macht man sozusagen ein kleines Fragezeichen hinter die Aussage.

3. Partnerarbeit:

Machen Sie mit Ihrer Partnerin kleine Dialoge, und verwenden Sie dabei möglichst viele derWendungen, die wir gelernt haben!

3.1. Ihr Professor kommt immer pünktlich zum Unterricht. Heute sind schon 15 Minuten der Stunde vergangen, und er ist immer noch nicht da.

Stellen Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner Vermutungen über die Gründe dafür an!

3.2. Gestern haben Sie den ganzen Tag vergeblich versucht, eine Freundin, die nicht an Ihrer Uni studiert, telefonisch zu erreichen.

Stellen Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner Vermutungen darüber an, warum die Freundin nicht zu erreichen war!

3.3. Eine Mitstudentin, die immer fröhlich und offen war, ist jetzt sehr verschlossen und sieht sehr traurig aus.

Stellen Sie mit Ihrer Partnerin/Ihrem Partner Vermutungen darüber an, was mit ihr los ist!

Hausaufgabe: Schreiben Sie Ihre Dialoge aus 3. auf!


Copyright © 2000 by Edeltrud Kim


DaF-Szene Korea Nr. 11

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