Christina Youn-Arnoldi

Deutsch an einer Fremdsprachenoberschule in Seoul


Seit März 1999 arbeite ich an der Dae-Il Fremdsprachenoberschule in Seoul. Dabei sind mir einige Unterschiede zum Deutschunterricht an den Hochschulen aufgefallen, so dass ich auf die Idee gekommen bin, kurz darüber zu berichten. Sinn und Zweck ist es dabei, einen Überblick über die aktuelle Situation der DeutschlektorInnen an koreanischen Oberschulen zu geben.

Soweit ich weiss, gibt es deutschsprachigen Konversationsunterricht mit einem Muttersprachler nur an den sogenannten Fremdsprachenoberschulen (Ausnahme ist die Yang Chung Highschool in Mokdong, auf die ich später noch einmal zurückkommen werde). Laut Angaben des Goethe-Instituts gibt es allein in Seoul sechs und in ganz Korea ungefähr vierzehn dieser Fremdsprachenoberschulen. Wie der Name schon sagt, wird an diesen Schulen ein besonderer Wert auf den Fremdsprachenunterricht gelegt. Während an allgemeinbildenden Oberschulen 2 bis 3 Stunden Unterricht pro Woche für die zweite Fremdsprache üblich ist, bekommen Schüler einer Fremdsprachenoberschule 6 bis 7 Stunden Unterricht die Woche in einer zweiten Fremdsprache (Englisch als erste Fremdsprache nimmt einen anderen Stellenwert ein). Von den oben genannten Stunden (eine Unterrichtseinheit beträgt meisten 45 bis 50 Minuten) nimmt der Konversationsunterricht meistens 2 Stunden ein. Die meisten Schulen stellen für den Konversationsunterricht vorzugsweise einen Muttersprachler ein. Hier zeigen sich einige Unterschiede in der Art des Vertrages und der Bezahlung. Einige Schulen bezahlen nur nach tatsächlich abgehaltenen Unterrichtsstunden, wobei eine Stunde mit 20 000 bis 30 000 Won vergütet wird. Andere Schulen bezahlen ein regelmäßiges Gehalt, das in manchen Fällen auch in den Schulferien weitergezahlt wird. Je nach Dienstalter zahlen manche (nicht alle!) eine prozentuale Erhöhung pro Jahr. Es gibt Schulen, die entweder kostenfrei oder gegen einen geringen Betrag eine Unterkunft zur Verfügung stellen. Meines Wissens zahlt keine der Oberschulen eine Abfindung, das sogenannte Toejikkuem, wie es sonst an Hochschulen üblich ist.


Die Gestaltung des Unterrichts liegt ganz beim Lehrer oder der Lehrerin; meistens sind zwischen 24 bis 33 Stunden die Woche zu halten. Es gibt zwar ein offizielles Schulbuch für den Konversationsunterricht, das aber m.E. nach völlig ungeeignet ist. Der Unterricht selbst ist häufig eine Wiederholung, was die Vorbereitung erleichtert, denn meistens werden nur der erste und zweite Jahrgang der Schule unterrichtet. Als problematisch erwies sich eine systematische Zusammenarbeit mit den koreanischen Deutschlehrern, die den Grammatikunterricht übernehmen. Die Gründe dafür liegen nur zum Teil in der mangelhaften Kommunikation. Ein weiterer Punkt, der vielleicht erwähnenswert wäre, ist folgender: Wie ich verschiedenen Äußerungen entnehmen konnte, werden bei der Einstellung junge Männer bevorzugt. Den Grund konnte mir niemand genau erklären, es ist aber eine Tatsache. Ein großer Unterschied zu den Hochschulen ist auch der Einfluss, den die Eltern der Schüler ausüben. An meiner Schule wurde einem native speaker (Kanadier) vorzeitig gekündigt, weil die Eltern nicht mit ihm einverstanden waren.

Dies ist im Groben eine Schilderung der Situation an Fremdsprachenoberschulen. An dieser Stelle möchte ich ganz kurz noch ein Projekt erwähnen, das zur Zeit an der Yang Chung Schule durchgeführt wird. Es ist eine allgemeinbildende Oberschule mit angeschlossener Mittelschule, an der in Zusammenarbeit mit dem Bundesverwaltungsamt Köln das Projekt "freiwilliger Deutschunterricht an der Mittelschule" läuft.


Copyright © 1999 by Christina Youn-Arnoldi


DaF-Szene Korea Nr. 10

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