Holger Nord

Zweite Panasiatische Konferenz, PAC2


Vom ersten bis zum dritten Oktober trafen sich in Seoul Vertreter aus dem Bereich Englisch als Fremdsprache (EFL, TESOL, TOEFEL und Applied Linguistics) vornehmlich aus asiatischen Ländern. Involviert waren vor allem die regionalen Verbände aus Thailand, Japan, Korea und Taiwan. Nicht nur die schiere Zahl der Teilnehmer war beeindruckend - über 1200 hatten sich im Parktel-Hotel im Olympiapark eingefunden - besonders die Themenvielfalt und das sehr hohe Niveau der Beiträge waren bemerkenswert. So trugen bekannte Wissenschaftler in ihrer jeweiligen Disziplin wie Claire Kramsch (Fremdsprachenerwerbsforschung), Michael McCarthy (Angewandte Linguistik), Penny Ur (Methodenforschung und Lehrwerkforschung), Kensaku Yoshida (Bilingualismus) und Kathleen Bailey (Lehrerfortbildung und Kommunikationsforschung im Klassenzimmer) zu dem Erfolg des Kongresses bei.

Noch beeindruckender wird es, wenn man sich die Gesamtpräsentationen nach inhaltlichen Gesichtspunkten anschaut. Die Schwerpunkte bildeten Test- und Prüfungsverfahren, Anthropology und Soziolinguistik, Curriculumsforschung, Zielgruppen(-sprachen-)forschung und Lehrwerk- und Methodenentwicklung für den primären und sekundären und tertiären Bildungsbereich in Asien, Grundfertigkeitenausbildung (Lesen, Schreiben, Sprechen, Hören und Kritisches Denken (!), Didaktik, Angewandte Linguistik, Fremdsprachenerwerb, Lehrerfortbildung, Medienforschung und Literatur im Englischunterricht.


Schon an diesem Themenspektrum kann man ersehen, dass die Mehrzahl der Beiträge nicht auf Fragen des Englischunterrichts im Besonderen beschränkt waren, sondern sich mit grundlegenden Problemen im Fremdsprachenbereich auseinandersetzten. Zu bekannt waren die Fragen, die u.a. in den vielen Workshops auftraten, wie z.B.: Wie schaffe ich es, meine Studenten zu motivieren? Welche Lernziele habe ich? Wie unterrichte ich mit Computern? Wie kann ich meine Studenten zu eigenem und kritischem Arbeiten anregen? Entsprechend gab es viele Präsentationen, die ganz konkrete Unterrichtsprobleme behandelten, und Verlage, die ihre Autoren voranschickten, um den Umgang mit ihren Lehrwerken darzustellen und die theoretischen Überlegungen, die sich dahinter verbergen (sollten) offenzulegen. Dieses zeigt, dass es nicht nur Vorträge aus dem Bereich der Grundlagenforschung des FSU gab, sondern auch Fragestellungen aus dem Mikrobereich des Klassenzimmers aufgeworfen und angegangen wurden. Natürlich gab es aus dem letzteren Kontext viele eher auf den Englischunterricht bezogene Probleme und Lösungsangebote, aber ich für meinen Teil schaue schon einmal ab und zu in ein Lehrbuch aus dem Bereich Englisch  (es kann ja auch Russisch, Französisch, Japanisch etc. sein), um zu sehen, wie die KollegInnen dieses oder jenes Problem behandeln und in den Unterricht aufnehmen.

Ich meine, es sollte auch in unserer Vereinigung Überlegungen angestellt werden, einmal mit den örtlichen Organisationen anderer Fremdsprachenverbände zu kooperieren, Veranstaltungen gemeinsam zu machen. Da sind wir alle gefordert! Es ist schon irgendwie bedauerlich, dass im Zeitalter der "Weltbürger", Mobilität, Interdisziplinarität etc. die Foren und Organisationen der einzelnen Fremdsprachen nicht miteinander verknüpft sind und kaum miteinander kooperieren. Schade, denn die PAC hätte sicherlich ein guter Ausgangspunkt sein können. Aber es gibt ja noch die Jahrestagung von KOTESOL (Korea Teacher of English to Speakers of Other Languages) im Jahre 2000 (September) in Taegu und PAC3 in Japan (2001), wenn wir es denn wagten, uns auch einmal auf Englisch zu präsentieren.


Copyright © 1999 by Holger Nord


DaF-Szene Korea Nr. 10

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