Leider erreichen uns von Zeit zu Zeit Schreiben von Lektoren, die mit sittenwidrigen Arbeitsverträgen zu kämpfen haben. Das Verhalten gewisser "Bildungseinrichtungen" entspricht nicht immer dem Kulturabkommen zwischen Korea und der Bundesrepublik Deutschland von 1970, nach dem der "Austausch von Hochschullehrern, Lehrern aller Schularten, Wissenschaftlern ... zu erleichtern und zu fördern" sei. Die LVK wird in solchen Fällen nicht bemüht sein, bei der weiteren Vermittlung von Lektoren zu helfen. Wir warnen noch einmal dringend davor, z.B. 10-Monats-Verträge zu unterschreiben oder lediglich auf Stundenbasis zu arbeiten. Bevor Sie eine Stelle in Korea annehmen, informieren Sie sich bitte bei uns; wir verfügen oftmals über Informationen der Vorgänger/innen. Wenn Sie eine Stelle verlassen, geben Sie uns bitte auch kurz eine Mitteilung über Ihren Arbeitsplatz.
Als ich am 28. Februar dieses Jahres in Taegu ankam, um meine Stelle als sog. "visiting professor" in der Deutsch-Abteilung der Catholic University of Taegu-Hyosung anzutreten, war ich eigentlich recht optimistisch. Vorausgegangen waren einige Faxe zwischen meinem zukünftigen Vorgesetzten und mir, in denen es um formale Fragen ging. Angeboten hatte man mir einen 10 Monats-Vertrag von März bis Dezember mit einem monatlichen Gehalt von 1.648.500 KW. Auf meine Anfrage nach Verlängerung des Vertrages über das Jahresende hinaus, hatte ich die Antwort erhalten, dass dies generell möglich sei, vorher aber das Kollegium befragt werden müsse. Darüberhinaus ging es um Dinge wie Miete (100.000 KW/Monat), Möbelmiete für eine Basisausstattung des Appartements (25.000 KW/Monat) und die Kautionszahlung von 125.000 KW, die von mir eingefordert wurde sowie die Anzahl und Art meiner Unterrichtsstunden, die mit 18 Stunden/Wochen für Aufsatz und/oder Konversation beschrieben wurde.
Die Arbeit begann am 02. März. Gleichzeitig lief das Programm zur Erledigung der Formalitäten (Immigration-Office, ärztliche Untersuchung etc.) ab. Nach circa 10 Tagen war alles erledigt. Als ich in den Tagen danach meinen Vorgesetzten wegen vorhandenen Unterrichtsmaterials bzw. Kontakten, um an Unterrichtsmaterial heranzukommen, ansprach, händigte er mir bei dieser Gelegenheit ein Exemplar der Zeitung der Lektorenvereinigung aus, mit dem Hinweis, dass ich mich hier über die Verhältnisse für deutsche Lektoren in Korea informieren könne. Was ich dort dann las, erschütterte erstmals das Vertrauen zu meinem Chef: Es wurde ausdrücklich vor der Unterzeichnung von 10 Monats-Verträgen gewarnt, wie sie einige Universitäten wohl immer wieder unter dem Aspekt Geld sparen zu wollen Neuankömmlingen in Korea anboten. Meine Reaktion war die prompte Nachfrage bei meinem Vorgesetzten, wie die Verlängerung meines Vertrages über das Jahresende hinaus, die ich ja auch schon in meinem Fax vor meiner Anreise angesprochen hatte, denn nun wirklich aussähe. Die Antwort war ernüchternd, er eröffnete mir, dass ich die Tage zuvor einen für mich sehr schlechten Vertrag unterzeichnet hätte und in den Monaten Januar und Februar kein Gehalt zu erwarten hätte. Eine Verlängerung meines Vertrages wäre erst ab März 2000 üblich. Auf meine Frage, von was ich denn in dieser Zeit leben solle, erhielt ich die Antwort, ich solle sparen. Weitere Fragen zu den Kosten meines Appartements während dieser Zeit - mein Vermieter war die Universität - machten deutlich, dass ich sämtliche Kosten dafür auch während dieser Zeit zu bezahlen hatte, obwohl ich kein Gehalt bezog.
Nachdem ich derart aufgeklärt worden war, bat ich meinen Vorgesetzten noch vor Ende März darum, sich umgehend zu bemühen, meinen Vertrag in einen in Korea und international üblichen 12 Monats-Vertrag umzuwandeln, da ich mich nicht in der Lage sähe, eine Gehalts-Lücke von 2 Monaten aus eigener Tasche zu finanzieren. Er sagte mir zu, dies zu versuchen und eröffnete mir darüberhinaus, dass er sich nicht sicher sei, ob der zwischen mir und der Universität geschlossene Vertrag nicht sogar rechtswidrig sei. Diese Gespräche verliefen in ruhigem Ton und hatten in keiner Weise irgendeinen negativen Einfluß auf das Arbeitsklima. Da ich längere Zeit nichts zu der von mir vorgetragenen Bitte, meinen Vertrag umzugestalten, hörte, fragte ich nach etwa einem Monat nach. Die Antwort meines Chefs war, dass es noch nichts Neues gäbe, er sich aber bemühen werde, vor seiner Abreise nach Deutschland Ende Juni etwas Definitives zu erfahren. Auch Ende Juni erfuhr ich nichts, ein weiterer Termin im September hatte ebenfalls kein Ergebnis gebracht. Neuigkeiten gab es dafür im Oktober. Am 13.Oktober erklärte mir mein Chef, dass er mir für das nächste Jahr eine Vertragsverlängerung anbieten könne, nämlich ab März 2000 einen neuen 10 Monats-Vertrag. Ich sagte ihm, dass ich einen solchen Vertrag nicht unterzeichnen würde. Ebenso wies ich ihn auf die Monate Januar und Februar hin, in denen ich kein Gehalt bekommen würde. Er schlug mir vor, in einer Sprachenschule in Taegu zu unterrichten, was nach meinem Visum eindeutig illegal ist. Ich wies ihn darauf hin, dass ich mich gezwungen sähe, mir Arbeit zu suchen, die mir auch in den Monaten Januar und Februar Gehalt garantierte.
Zu diesem Zeitpunkt war mir klar geworden, dass ich zumindest die Universität verlassen musste, um mir neue Arbeit zu suchen. Einem Arbeitgeber, der sich so verhält wie beschrieben, ist nicht daran gelegen einen Mitarbeiter zu halten. Die Umstände, die in Korea zu einem solchen Arbeitgeberverhalten geführt haben sind vielschichtig und für einen Ausländer wohl kaum zu ergründen. Koreanische Professorenkollegen gaben zu, dass Ausländer in ihrem Land schlecht behandelt würden und wenig angesehen seien. Ausländer, die in einer "ökonomisch nicht interessanten" Sprache wie Deutsch unterrichten, haben demnach in dem vorwiegend nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten ausgerichtetem koreanischen Bildungssystem gar nichts zu erwarten. Ich glaube, um diese Erkenntnis kommt man nicht herum. Ich habe noch einen Brief an den Präsidenten der Catholic University of Taegu-Hyosung geschrieben (Einschreiben, Express) und ihn um Ausgleich meiner Reisekosten, die mir entstanden sind gebeten. Meiner Bitte, mir bis Ende Oktober zu antworten, ist er leider nicht nachgekommen. Rechtliche Schritte habe ich mir vorbehalten.
Ich hatte Glück und hatte sofort ein Angebot einer staatlichen thailändischen Universität vorliegen. Hier ist meine langfristige Anwesenheit erwünscht. Mehrere ausländische Kollegen arbeiten hier seit bis zu zwanzig Jahren. Die Konditionen sind die international üblichen: 12 Monats-Vertrag mit 13 Gehältern pro Jahr. Zu Semesterbeginn 01.11. sollte ich anfangen. Meine Kündigung war damit unumgänglich geworden. Unter Angabe meiner Gründe habe ich dann zum 02.11. per Einschreiben an den Präsidenten und den Chef meiner Abteilung meinen Vertrag fristlos gekündigt. Der Weggang ist mir trotzdem nicht leicht gefallen und ich hoffe, dass dieses Schreiben mithilft, Kollegen zu ersparen, was mir widerfahren ist. Denn: Ich hatte während der acht Monate, die ich in Korea war, Freunde gefunden (auch koreanische), und das Land gefällt mir sehr. Und ich denke auch jetzt noch sehr viel an meine Studenten, die in einem Bildungssystem gefangen sind, dass ihnen für die Zukunft nur wenig Chancen einräumt, darüberhinaus bei einem private Bildungsträger, für den Kommerz wichtiger ist als Ausbildung. Armes Korea!
Copyright © 1999 by Horst Lange