"Hakbuchae"


1994 hat die koreanische Regierung eine Universitätsreform eingeleitet, mit deren Umsetzung 1996 begonnen wurde. Das bedeutet für die davon betroffenen Studenten, dass sie nun ihr Studienfach weitgehend selbst wählen können. Die Idee, die der Universitätsreform zugrunde liegt, besteht darin, dass die Studenten mehr als ein Fach studieren sollen, um so eine bessere Allgemeinbildung erwerben und auf dem Arbeitsmarkt besser Fuß fassen zu können.

 Die Auswirkungen der Universitätsreform auf das Germanistikstudium kann man sich an einem Rechenbeispiel verdeutlichen. Gehen wir davon aus, dass Studenten, um mit dem Bachelor of Arts abzuschließen, in acht Semestern 120 Punkte erwerben müssen. In jedem Semester sollten im Schnitt 15 Punkte erworben werden, für jeden Kurs gibt es drei Punkte. Im Schnitt sollen also fünf Kurse zu drei Semesterwochenstunden besucht werden.

 Die meisten Universitäten fordern ihre Studenten nach einem Orientierungsjahr auf, sich für eine Fachrichtung zu entscheiden. Andere Universitäten geben den Studenten zwei Jahre Zeit, bevor sie sich entscheiden müssen. Eine dritte Möglichkeit, zu entscheiden, welches Fach Haupt- oder welches Nebenfach ist, besteht darin, am Ende des Studiums die erworbenen Punkte zu addieren: Im Hauptfach müssen 36-39 Punkte erworben worden sein. Die Studenten sollen ihre Kurse frei wählen können, Pflichtkurse soll es nicht mehr geben, Sprachkurse sind also nicht obligatorisch. Man kann also wie bisher Germanistik studieren, ohne die Sprache zu lernen.

Angenommen, ein Student erwirbt im ersten Jahr 40 Punkte, davon sechs bei einer koreanischen Lehrkraft im Grammatikkurs der Germanistik, für die er sich dann entscheidet. In den verbleibenden sechs Semestern muss er in seinem Fach noch 30 Punkte erwerben, das wären fünf Seminare. Er belegt im zweiten Jahr zwei Sprachkurse beim deutschen Lektor. Dann verzichtet er auf weitere Sprachkurse und besucht nur noch Veranstaltungen, die auf Koreanisch unterrichtet werden. Im dritten Jahr studiert er zunächst deutsche Geschichte und dann das politische System der Bundesrepublik, im vierten erarbeitet er sich ein Hauptwerk der deutschen Literatur. Im letzten Semester kommt er nur noch zum Abschlussfoto in die Abteilung. Das Curriculum gibt ihm ausreichend Raum, Englisch- und Computerkurse, Seminare in Philosophie und Wirtschaft zu besuchen. Es ist klar, dass dieser Student zwar eine gewisse Allgemeinbildung erworben hat, aber seine berufliche Zukunft nicht auf seine Deutschkenntnisse wird gründen können.

Ein attraktives, zielorientiertes Curriculum, könnte an diesem Punkt Anhilfe schaffen.

Die Redaktion


DaF-Szene Korea Nr. 10

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