Michaela Perlmann-Balme, Susanne Schwalb, Dörte Weers:
"em - Deutsch als Fremdsprache für die Mittelstufe"
Max Hueber Verlag, Ismaning 1997
Seit dem Sommer liegt endlich der dritte und letzte Band des Mittelstufenlehrwerks "em" des Hueber Verlags vor. Wer bereits mit dem "Brückenkurs" (empfohlener Einsatz: Mittelstufe 1) bzw. mit dem "Hauptkurs" (M 2) gearbeitet hat, wird erleichtert aufatmen, dass nun der "Abschlusskurs" (M 3) erschienen ist. Vom Verlag als "Lehrwerk im Baukastensystem" und als "überschaubar" angepriesen, erweist es sich schon auf den ersten Blick als übersichtlich und ansprechend gemacht. Grammatik, Wortschatz und Phonetik sind die Basis des Ganzen. Die vier Fertigkeiten (rezeptiv: Hören und Lesen; produktiv: Schreiben und Sprechen) lassen sich mit "em" sehr gezielt trainieren.
Neu ist der Versuch, diese Einteilung auch für die Lerner transparent zu machen. Die KTN sollen in die Lage versetzt werden, sichere Entscheidungen im Hinblick auf die Mitgestaltung ihres Kursprogramms zu treffen und dadurch mit dem eigenen Lernerfolg zufriedener zu sein. Die Kundenorientierung schlägt sich auch in der Vielfalt der Themen nieder: Lerner mit kulturellen Interessen finden Kapitel zu Literatur, Theater, Film, Musik etc. Für die Zielgruppe der Aussiedler dürften die Kapitel zu Gesellschaft und Ratgeber besonders interessant sein. Und auch diejenigen, die eher naturwissenschaftliche Vorlieben haben, kommen nicht zu kurz: Wissenschaft und Forschung, Auto etc. gehören mit zur thematischen Palette des Lehrwerks.
Die Grammatik wird wie üblich fast ausschließlich an Lesetexten aufgehängt. Auch hier überzeugt die Übersichtlichkeit - am Ende eines jeden Kapitels werden die grammatischen Themen auf ein, zwei Seiten zusammengefasst. Ein Abschnitt zur Adjektivdeklination findet sich erst im Hauptkurs, so dass es geboten erscheint, den KTN in der Mittelstufe 1 zusätzliches Material an die Hand zu geben.
Einige Lesetexte verwenden einen Wortschatz, der gut vorentlastet sein will, damit die KTN das Buch nicht frustriert zuschlagen. Allerdings können die Lerner am Ende mit Stolz von sich behaupten, dass sie in der Lage sind, authentische Sachtexte (z. B. Broschüren der Bundesregierung) zu lesen und zu diskutieren.
In der neueren Lehrbuchgeneration hat sich die Bewusstmachung der unterschiedlichen Lerntechniken (LT) durchgesetzt, so dass es nicht verwundern kann, dass auch in "em" Übungen zu diesem Bereich integriert sind, die über das Anlegen von Vokabellernkästen hinausgehen. Eine besonders gelungene Übung betrifft das freie Sprechen, in der die Kursteilnehmer zwei Minuten lang über ein Bild sprechen und ihre Stimme auf Kassette aufnehmen sollen. Eine Checkliste erleichtert die Auswertung des Sprechprodukts. Danach besteht die Möglichkeit, die eigene Sprechleistung mit der Aufnahme eines Muttersprachlers zu vergleichen ("Hauptkurs", S. 140).
überhaupt finden sich ganz im Sinne eines kommunikativ-handlungsorientierten Unterrichts eine Fülle von Top-Anregungen für den eigenen Unterricht. Für ein Mittelstufenprogramm eher ungewöhnlich (aber ganz und gar nicht überflüssig), werden auch Übungen zur Phonetik angeboten, die das jeweilige Kapitel abschließen.
Damit man nicht den Überblick verliert, sind die einzelnen Bausteine des Lehrwerks farblich gekennzeichnet: Hören ist grün, Sprechen orangefarben etc. Das Layout deckt sich mit dem bisher Gesagten: Es ist übersichtlich und durchweg ansprechend und hütet sich davor, einen optischen Salat auf die Seiten zu bringen.
Die Einstiegsseiten zu den einzelnen Lektionen sind kreativ und motivierend, könnten aber ein wenig peppiger sein.
Jeweils zu Beginn eines Bandes findet sich ein Abschnitt zur Analyse der Lernerinteressen und -ziele, was hilfreich ist, einen Metaplan mit Lernerwünschen aufzustellen.
"Em" ist konsequent lernerzentriert und bietet eine abwechslungsreiche Fülle von Übungen zur Partner- und Gruppenarbeit, die den Lerner immer wieder neu motivieren und anregen. Durchdacht ist auch jeweils am Ende einer Lektion eine Lernerfolgskontrolle, die der Lerner selbständig ausfüllen kann, um seinen eigenen Lernprozess besser zu beobachten, einzuschätzen und mit dem Kursleiter zu besprechen.
In kulturell gemischt zusammengesetzten Klassen funktioniert "em" ausgezeichnet, und mich würden einmal Erfahrungen aus Korea interessieren. Möglicherweise muss beim Thema Landeskunde zugefüttert werden.
Bemerkenswert sind auch die zahlreichen Videotipps, die Appetit auf Videofilme machen, die zu der jeweiligen Lektion passen.
Abgerundet wird das Lehrwerk von Arbeits- und von Lehrerhandbüchern sowie Kassetten bzw. CDs mit den Hörtexten und Aussprachetrainings. Warum die Arbeitsbücher keinen Lösungsschlüssel enthalten, weiß allein der Verlag. Soll dies zum Erwerb des Lehrerhandbuches animieren, in dem außer den Lösungen auch Tests zu jeder Lektion enthalten sind? Zwar gibt der Vergleich der Hausaufgaben im Unterricht Gelegenheit dazu, Fragen zu klären, jedoch geht dabei zu viel Zeit vom Unterricht verloren. Oder meint der Verlag, dass die Lerner zu wenig Selbstdisziplin aufbringen und die Lösung vor dem Lösen der Aufgabe nachschlagen?
Insgesamt also ein sehr übersichtliches und ansprechend gemachtes Unterrichtswerk für den Mittelstufenunterricht, das ein überzeugendes didaktisches Konzept mit einer ansprechenden Realisierung verknüpft. Darf man auf eine Fortsetzung für den Oberstufenbereich hoffen?
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