Seit ein paar Jahren strahlt die Deutsche Welle ihr Fernsehprogramm über den Satelliten Asiasat II in Ostasien aus, mit dem Ziel, die "Aktivitäten der deutschen Wirtschaft im asiatisch-pazifischen Raum medial und kulturell zu flankieren". Für das Goethe-Institut, viele Universitäten, aber auch Privathaushalte war das Anlaß, eine Satellitenschüssel und einen Receiver zu erwerben, und so immer auf dem laufenden zu sein, was Deutschland, Österreich oder die Schweiz anging. Die Sendungen waren relativ vielfältig, wenngleich der Schwerpunkt auf Nachrichten und Information lag. Unterhaltungsfilme oder Fernsehfilme wie "Tatort" versüßten das Wochenende, daneben konnte man Talkshows, in denen deutsche Lebensschicksale vorgeführt wurden, bewundern.
Als Lektor hatte ich nun die Hoffnung, meinen Studenten etwas "deutschen Alltag", nämlich ein deutschsprachiges Fernsehprogramm, präsentieren zu können, und damit die Landeskunde mit einem realistischen Schmankerl zu versüßen. Leider hatte mein Stundenplan den Nachteil, daß immer, wenn ich mit meinen Studenten vor der Glotze sitzen wollte, in Spanisch oder Englisch gesendet wurde. Vielleicht ist aber auch ein Vorteil darin zu sehen, daß manche Sendungen zunächst in Englisch, dann noch einmal in Deutsch zu sehen sind. Na gut, Videorecorder gekauft, Sendung aufgenommen . Natürlich kann man den Unterricht auch besser vorbereiten, weil das Deutsch z.B. in der Nachrichtensendung "Journal" eben typisch deutsches Nachrichtendeutsch ist, wo nicht "gesagt" sondern "verlautbart" wird; und bei "aufgeworfenen grundlegenden Fragen" fragen sich meine Studenten immer, wie denn nun die Frage gelautet habe ...
Kleine Unregelmäßigkeiten bei der Bild- und Tonsynchronisation, hakende Bilder trotz moderner Digitaltechnik oder manchmal Gesamtausfall konnten die Freude nicht trüben. In meinem Unterricht verwendete ich Nachrichten, allgemein gesellschaftliche Sendungen (beispielsweise über Arbeitslose in Deutschland, Equador und Südkorea) oder Kulturprogramme. Die 3. oder 4. Klassen waren zwar manchmal durch die Texte etwas überfordert, aber ich versuchte vieles zu erklären, und die Fernsehbilder sprechen natürlich auch für sich.
Nun hat die Deutsche Welle-TV vor einigen Monaten ihr Programm "reformiert", was bekanntlich (wir sind im Korea der Hochschulreform) nicht immer etwas gutes heißen mag. Die Fernsehspiele sind weg, ebenso Alfred Bioleks Talksendung sowie die restliche Unterhaltung. Spanisch wird in Asien allerdings auch nicht mehr gesendet. Die Nachrichten gibt es noch, aber bei denen habe ich inzwischen festgestellt, daß die für den Unterricht besser vom Internet-Radio der Deutschen Welle zu verwenden sind, denn da läuft neben dem Hörprogramm der Text zum Mitlesen nebenher. Außerdem denke ich mir, hat jede Universität oder jeder Haushalt, der ca. 1.8 Millionen Won für eine Empfangsanlage investiert, garantiert auch einen Internet-Anschluß. Dann brauche ich aber keinen Fernsehsender, der außer Nachrichten kaum etwas ansprechendes bietet.
Die Leserbriefe, erschienen auf der Rückseite des DW-TV-Programmheftes (das übrigens kostenlos an alle Interessenten verschickt wird) sind denn auch geprägt von Protest bis ärger.
Eine kürzlich veröffentlichte Studie der Heinrich-Böll-Stiftung (finanziert mit Mitteln des Auswärtigen Amtes) stellt fest, daß die Programminhalte von DW-TV langweilig, repetitiv, eurozentristisch und deswegen oft unverständlich seien. TV-Sender aus Japan, Australien, den USA, England oder Frankreich seien in Asien wesentlich beliebter. Ein Blick in das Fremdspracheninstitut meiner Uni bestätigt das. Die Französischstudenten sitzen einfach gern mal vor ihrer Mattscheibe "TV5", oft freiwillig außerhalb des Unterrichts, weil das ein ganz normaler Sender ist, mit, Show Film, Musik und vereinzelt Nachrichten. Die Deutsche Welle läßt so ein normales TV-Verhalten nicht zu.
Ich kann mich der Meinung eines Leserbriefschreibers aus Mexiko nur anschließen: "Wir bedauern, daß Sie Ihr Programm radikal geändert haben. Sie bezeichnen sich zwar als Informationssender, aber ein bißchen Unterhaltung macht Ihr Programm eben doch attraktiver."
Ein Hinweis:
Die Bewohner von Yongsan-ku in Seoul können das
Programm von Deutsche Welle-tv ab 15. 1. 1999 auf Kanal 64 des Yongsan
Cable TV Systems empfangen. Wenn Sie Yongsan Cable TV abonnieren, können
Sie Deutsche Welle-tv in Deutsch , Englisch und Spanisch zu Hause rund um
die Uhr empfangen. Bei Interesse wenden Sie sich an die folgende Adresse:
Yongsan Cable TV INC, 244/9 Chu Bldg, Yongsanku Huamdong 244/9, Seoul
140/190 Tel: 311/0800, Fax: 777/4055, zuständige Mitarbeiterin: Frau Kim
Ok Yong (311 0827)
Mittlerweile sollen auch in einigen weiteren Bezirken Seouls die Kabelnetze mit dem Programm DW-TV bestückt sein. Wenn das in Ihrer Gegend nicht der Fall ist, benötigen Sie eine Parabol-Antenne (Satellitenschüssel) von mindestens 180 cm Durchmesser und eine Empfangsanlage (Preis derzeit igs. 1.5 Millionen Won). Der Empfang funktioniert im koreanischen (amerikanischen) Fernseh- und Videosystem NTSC, Sie brauchen also kein Multi-System oder PAL-Gerät.
über das Monatsprogramm von Deutsche Welle TV können Sie sich regelmäßig im Internet informieren (http://www.dwelle.de), oder sich das Programmheft kostenlos zusenden lassen.
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