Liebe Leserinnen und Leser,
"DaF-Szene Korea" Nr. 8 hat, nach langer, schwerer Geburt, endlich das Licht der Kopierwerkstatt erblickt, und fängt schon nach kurzer Zeit an, sich über Korea und den Rest der Welt zu verbreiten. Wie bei allen älteren Geschwistern war es keine normale Geburt, da gerade im kritischen Augenblick die Geburtshelfer erst zusammengesucht werden mußten. Entweder waren sie im Urlaub, ausgewandert oder hatten eine neue Telefonnummer. Trotzdem werden Sie, liebe Leserin / lieber Leser, feststellen, daß dieses Kind keine Fehlgeburt ist. Außerdem war ("incest is best") auch der japanische Cousin ein wenig daran beteiligt.
Wie bei manchen Kindern, die mehrere Väter haben, hat auch dieses Wechselbalg einen Makel: Es beginnt eigentlich mit einer schamlosen Übertreibung (ich meine natürlich das Titelbild). Aber "100 Jahre" klingt nun mal einfach gut, und es ist natürlich auch ein bißchen wahr. Sie finden dazu weitere Informationen in diesem Heft, sowie verteilt zehn kleine Hinweise auf "100 Jahre Deutsch / deutsches / deutschsprachiges in Korea". Viele dieser Informationen habe ich auf der Website von Herrn Alexander Kneider "Deutsche in Korea vor 1910" gefunden (http://www.kneider.info).
Wahrheit ist immer relativ, und eine Meinung ist etwas Subjektives. über den älteren Bruder, die Nummer 7, gab es ein paar gegensätzliche Meinungen. Das betraf die Artikel, die sich mit der gegenwärtigen Wirtschaftskrise in Korea und deren Folgen (auch) für die Germanistik in Korea auseinandersetzten. Dazu möchte ich bemerken: Wir freuen uns über jeden eingesandten Artikel, weil wir (die paar Leute von der Redaktion) dann nicht alles selber schreiben müssen. Wir drucken auch solche Artikel ab, die vielleicht nicht unbedingt unserer eigenen Meinung entsprechen. Jeder Autor ist für sich selbst bzw. seinen Text verantwortlich. Wir versuchen, grammatische und Rechtschreibfehler zu beseitigen, (in unserem Heft sind immer noch prozentual weniger Fehler als in der Handschrift von Goethes Faust), sonst nichts.
Dieser Rundbrief wird in erster Linie gemacht von deutschsprachigen LektorInnen für deutschsprachige LektorInnen (und natürlich für alle anderen DaF-Interessenten in Korea und anderswo). Das aber heißt: Autoren und Leser sollten bei der Lektüre nicht unbedingt das ostasiatische Harmoniebestreben im Hinterkopf haben, sondern die an deutschen, Österreichischen und schweizerischen Schulen und Universitäten ausgiebig ausgeübte Kritik und Kritikfähigkeit (den Satz "Ich danke Ihnen für das schöne Referat!" habe ich bisher fast immer auf Seminaren in Korea gehört; den Satz "Das halte ich für Unsinn", deutschen Studenten und Professoren bestens bekannt, kaum, wiewohl dem oft so war). Kritik ist eine der Väter (oder Mütter) jeglicher Wissenschaft, so auch des Faches DaF, auch in Korea, oder sollte es zumindest sein. Fühlt sich der eine oder die andere einmal durch einen Artikel adrenalinstößig angeregt, so freuen wir uns über jede eingesandte Gegenmeinung. Dieser Rundbrief will niemandem wehtun, denn eigentlich soll ja alles nur besser werden.
Damit sind wir wieder bei der ostasiatischen Harmonie angelangt, und so können Sie jetzt beruhigt weiterlesen.