Seit dem Frühjahr dieses Jahres möchten wir
regelmäßig unter dieser Rubrik einen Gastautor aus Japan bitten, einen
kurzen Artikel zu schreiben. Ebenso findet sich im Rundbrief der
japanischen Lektoren ein kurzer Artikel aus Korea. Sie können diese
Artikel, wie natürlich den gesamten Rundbrief, unter
http://www.deutsch-in-Japan.de
auf der Homepage der Japan-Lektoren auch im Internet lesen.
Michael Mandelartz (Morioka / Japan)
Liebe Lektorinnen und Lektoren in Korea,
Michael Menkes Bemerkung in seinem letzten "Brief aus Korea", die Situation der Lektoren in Japan sei wohl in vielem der in Korea vergleichbar, in manchem ganz anders, kann ich nach dem mehrfachen Wechsel zwischen den Ländern nur zustimmen. Für diesmal möchte ich mehr auf die Unterschiede eingehen, und zwar auf das kommunikative Netz der Lektoren untereinander. Mit der LVK haben sich die Lektoren in Korea ein Instrument geschaffen, das gleichermaßen der Selbstverständigung nach innen und der Interessenvertretung nach außen dient. Warum gibt es keine LVJ? Die Ausgangslage ist für den Aufbau eines solchen Netzes zunächst einmal nicht sehr förderlich. Im Gegensatz zu Südkorea, wo Seoul von allen anderen Städten aus zu günstigen Preisen in dreieinhalb Stunden erreichbar ist, beträgt die Entfernung zwischen Sapporo im Norden und Naha auf der südlichen Insel Okinawa ca. 2500 km. Wenn sich diese Entfernungen auch dank des Shinkansen und des Flugverkehrs zwischen den größeren Städten etwas relativieren, schlägt doch der Preis kräftig zu Buche. Das führt teilweise zum Aufbau von lokalen Netzwerken dort, wo die Bedingungen günstig sind. Im Kansai (Großraum Osaka) wurde z.B. die Lektoreninitiative "Netzwerk" gegründet. An anderen Orten mit einiger "Lektorendichte" tauscht man sich informell aus, während die Lektoren in kleineren Provinzstädten doch auch öfter recht isoliert bleiben, weil beständige Kontakte nach Tokyo einen hohen Aufwand erfordern. Eine Durchzählung der Liste deutschsprachiger Hochschullehrer an japanischen Universitäten ergab, daß von den 199 Hochschullehrern 44 in Tokyo angestellt sind (1998). Von den 49 in Korea ansässigen Mitgliedern der LVK arbeiten dagegen 22 in Seoul. Mit ca. 70 entspricht die Zahl der Lektoren in Korea übrigens ziemlich genau den 199 in Japan, wenn man sie auf die Bevölkerungszahl hochrechnet. Dennoch: Die absolute Zahl der Lektoren ist in Korea niedriger, das Zentrum stärker ausgeprägt und leichter erreichbar: so läßt sich ein nicht nur verwaltungstechnisches, sondern auf direkte Kommunikation ausgerichtetes Netz zwischen nahezu allen Lektoren leichter aufbauen. Hinzu kommt ein weiteres: Die soziologisch faßbaren Unterschiede zwischen den deutschsprachigen Hochschullehrern dürften in Japan weit größer als in Korea sein. Ich sage hier bewußt nicht "Lektoren" sondern "Hochschullehrer": Diejenigen, die unter den geläufigen Begriff des "Lektors" fallen (noch nicht allzu ergraut, überwiegend mit Sprachunterricht betraut und nicht festangestellt), machen nur einen Teil, wenn auch einen beträchtlichen, der hiesigen Landschaft aus. Eine ganze Reihe von Hochschulen stellt dagegen auch deutschsprachige Professoren regulär ein, an anderen Universitäten gibt es Stellen für Japanologie, Jura oder technische Fächer, die mit deutschsprachigen Kräften besetzt sind. Das führt insgesamt zu einer größeren Streuung der Aktivitäten, Interessen und "Mentalitäten", erschwert den Aufbau und zügelt das Interesse an einer Institution, die alle Hochschulkräfte erfassen würde. Nun fehlt es nicht an Aktivitäten, die dem entgegenwirken. Die lokalen Netzwerke gehören dazu, ebenso aber auch die Aktivitäten des DAAD in Tokyo (die ja auch bis nach Korea reichen), die über die organisatorischen Dinge wie die Verteilung von Materialien oder Stipendien durchaus hinausgehen. Das halbjährliche Lektorentreffen etwa (an dem mit ca. 50 Personen in der Regel etwa ein Viertel der Lektorenschaft teilnimmt) wird vom DAAD-Büro vorbereitet, der Lektorenrundbrief finanziert. Seit einiger Zeit tragen außerdem - unabhängig vom DAAD - die elektronischen Medien dazu bei, die Verbindung zwischen den Lektoren nicht abreißen zu lassen. Da gibt es zum einen die Mailingliste, genannt "E-Forum", in der aktuelle Informationen ausgetauscht werden, Debatten über die verschiedensten Themen von der Rechtschreibreform bis zum richtigen Geschirrspülen verhandelt wurden und gelegentlich auch einfach gefrotzelt wird. Obwohl des öfteren auch Sendepause herrscht und die Beteiligung noch nicht über gut 50 Personen liegt, scheint mir eine Mailingliste ein geradezu ideales Instrument, um den Austausch zu fördern. Das Modell könnte zur Nachahmung empfohlen werden, oder die koreanischen Lektoren können sich auch einfach an unserer Liste beteiligen (Adresse s.u.). - Zum anderen steht seit 1996 die Lektorenhomepage im World Wide Web. Hier geht es weniger um die Tagesneuigkeiten als darum, der Lektorenschaft nützliche Informationen zur Verfügung zu stellen. Insgesamt kann man wohl festhalten, daß in Japan die zentrifugalen Kräfte in der Lektorenschaft aus geographischen und universitätspolitischen Gründen stärker wirken als in Korea. Daher keine LVJ. Inzwischen gibt es aber unterschiedliche Teilnetze, die dieses Manko erfolgreich kompensieren. Soweit mein Bericht aus Japan.
Nachzutragen bleiben noch die Adresse der Homepage und der Mailingliste. Die Mailingliste ist unter folgender Adresse erreichbar: e-forum-subscribe@mle.cmc.osaka-u.ac.jp
Anmeldung: Schicken Sie eine E-Mail mit dem Wort "subscribe" (ohne Anführungszeichen) in der Rubrik "subject". Tragen Sie bitte keinen Text in das Hauptfeld Ihrer Nachricht ein.
Beste Grüße aus Japan,
Michael Mandelartz