In diesem Juni hatte ich dank der Förderung des Austausches zwischen den LektorInnen Japans und Koreas durch das DAAD-Büro Tokio, vertreten durch Gernot Gad, die Gelegenheit, am Lektorentreffen der japanischen LektorInnen in Tokio teilzunehmen. Auf der Tagesordnung standen Berichte zur didaktischen Nutzung des Internets, die Rechtschreibreform, ein Zwischenbericht der AG Lektorenrundbrief, ein Vortrag eines Vertreters der Europäischen Kommission in Japan, die Präsentation neuerer Lehrmittelproduktionen der koreanischen Germanistik, ein Bericht über das Seminar in Ulan Bator "Lehr- und Lerntraditionen in Ostasien" und ein Zwischenbericht über ein Lektoren-Handbuch. Von koreanischem Lektorenstandpunkt von Interesse waren für mich die Aktivitäten der Japan-LektorInnen zur Verbesserung ihrer Zusammenarbeit untereinander sowie natürlich die Arbeits- und Vertragsbedingungen an japanischen Universitäten.
Die etwa 200 japanischen LektorInnen sind bisher nicht in einer Vereinigung zusammengeschlossen, versuchen jedoch bereits seit einigen Jahren, eine Lektorenzeitschrift und ein Lektorenhandbuch, wie es sie für Korea gibt, herauszugeben. Allerdings stehen wohl einerseits die weiten geographischen Entfernungen Japans einer zentralen Bündelung des Engagements entgegen, andererseits scheint das Bedürfnis, finanziell und personell von der Unterstützung des DAAD Gebrauch zu machen, auch eine gewisse Lähmung der Initiativkräfte zu bewirken, da einzelne Entscheidungen offensichtlich nur unter Rücksprache mit dem Hauptquartier in Bonn getroffen werden können.
Die Arbeits- und Unterrichtsbedingungen an japanischen Hochschulen sind trotz mancher struktureller Unterschiede mit denen in Korea vergleichbar. Unter den Entscheidungsträgern wird vermutlich konsequenter über das "Warum?" und "Wozu?" des Deutschunterrichts in Japan nachgedacht; jedenfalls sind die Umstrukturierungen der Fremdsprachenfakultäten im Vergleich zu Korea weiter fortgeschritten mit der Tendenz, Deutschunterricht aus der Germanistik in andere Abteilungen auszulagern. Unter den GermanistInnen und LektorInnen Japans scheint mir dementsprechend das Bewußtsein zur Entwicklung neuer Konzepte des Deutschunterrichts etwas schärfer zu sein.
Die Gestaltung der Verträge weist allgemein in die Richtung kurzfristiger Anstellungsverhältnisse von nicht mehr als einigen Jahren, um den Universitäten Gehaltserhöhungen und bei längerer Vertragsdauer fällige Sozialleistungen zu ersparen.
Obwohl alles darauf hinweist, daß Deutsch in Japan in den nächsten Jahren weiter an Bedeutung verlieren wird, trifft diese Beobachtung vielleicht nur für die absoluten Lernerzahlen an den Universitäten zu. Denn es besteht offensichtlich ein stabiles Bedürfnis nach qualitativ hochwertigem Deutschunterricht: wie anders ließe es sich erklären, daß in Japan seit diesem Jahr die Carl Duisberg Centren auf dem japanischen Markt privatwirtschaftlich als ernstzunehmender Konkurrent zum Goethe-Institut auftreten und Sprachunterricht für Deutsch als Fremdsprache anbieten?
Wer Interesse an den Aktivitäten der Japan-LektorInnen hat, kann sich regelmäßig über das Internet auf dem Laufenden halten: ein Link zur Homepage existiert von der Homepage der LVK.
Mattheus Wollert, Seungshin Frauen-Universität, Seoul/Korea
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