Interview mit Bettina Proksch, Gründerin der Firma Ginko Consult - Gesellschaft für interkulturelle Kommunikation, Berlin
Bettina Proksch, Sinologin, Übersetzerin und Dolmetscherin für Chinesisch/Deutsch, Englisch, gewann in diesem Jahr den Berliner Existenzgründerinnenpreis für ihre Geschäftsidee, Verhaltens- und Verhandlungstrainingskurse für Personen durchzuführen, die im Raum Asien-Pazifik arbeiten und leben bzw. hier Geschäftspartner aus Fernost empfangen. Der Preis ermöglicht ihr sechs Monate lang die kostenlose Nutzung einer Bürofläche samt Sekretärin in einem Geschäftshaus in bester Lage am Checkpoint Charlie. An einem stürmischen Septembernachmittag besuchte ich sie in ihrem gediegenen Büro in einem der Glas- und Chrompaläste, die in diesem Viertel mit nahezu asiatischer Geschwindigkeit aus dem Boden schießen.
Vor dem Interview nannte sie mir die Eckpunkte ihres beruflichen Werdegangs und ihres Engagements für die deutsch-asiatischen Beziehungen:
Geb. in Bremen, 1968 - 1972 Musikstudium in Hamburg (mit Geige als Hauptfach), anschließend Sinologiestudium in Hamburg und Bonn, erster Asienaufenthalt 1973 mit den Stationen Bangkok, Hongkong und Taiwan; intensives Chinesisch-Studium, Jobs als Hauslehrerin, Kauffrau etc., bis Ende 1981 fast ununterbrochen in Asien, viele Reisen nach Vietnam, Laos, Japan, Korea, Nepal...; Beratertätigkeit für chinesische Firmen (u.a. Messepräsentationen); 1978 - 1981 stellvertretende Leiterin am Deutschen Kulturzentrum in Taipei (Kulturaustausch, Deutschunterricht, diplomatische Aufgaben); freie Dolmetscherin und Übersetzerin; Prokuristin und Gesellschafterin bei China Tours, Berlin (1985 - 1992); seither wieder freiberufliche Arbeit als Dolmetscherin und Kommunikationsberaterin für Firmen und Geschäftsleute.
Frau Proksch, Sie haben sich viel vorgenommen. Ihre Firma will einen "Beitrag für die internationale Entwicklung Berlins leisten," heißt es in Ihrem Konzept zum Wettbewerb. Was ist der Stand der Dinge? Wann werden die ersten Seminare und Schulungen beginnen? Wie sehen die sog. "Knigge-Kurse" für Asien aus?
Proksch: Zur Zeit befasse ich mich hauptsächlich mit
organisatorischen Dingen, um die Firma auf die Beine zu stellen. Ich bin jetzt
dabei, Teams aufzubauen, weil man die ganze Arbeit nicht als Einzelkämpfer
machen kann. Die Teams kommen sowohl aus dem Bereich Managementtraining, weil es
wichtig ist, das Niveau des heutigen Führungskräftetrainings beizubehalten. Es
geht ja nicht nur darum, touristische Informationen weiterzugeben, z.B. wie man
mit Stäbchen ißt, sondern um wirkliches Kommunikationstraining. Zum anderen
ist es meiner Ansicht nach sehr wichtig, daß auch interkulturelle Teams als
Trainer den Teilnehmern gegenübersitzen. Es gibt zwar Leute, die der Auffassung
sind, daß man Japaner, Chinesen und Koreaner fragen muß, wenn man etwas über
Japan, China und Korea lernen will. Ich teile diese Ansicht nicht, weil ich
unter anderem aus meiner Erfahrung als Dolmetscherin weiß, daß es auch wichtig
ist, den Lernprozeß, den man selber durchgemacht hat, als Weg vermitteln zu
können. Nur in interkulturellen Teams kann man erreichen, nicht über die
andere Seite zu sprechen, sondern mit der anderen Seite. Die Arbeit in
interkulturellen Teams ist natürlich schwieriger. Wenn man es aber in einem
Trainerteam nicht schafft, sich interkulturell zu einigen, wie man etwas macht,
wie soll man dann den Teilnehmern vermitteln, daß es überhaupt machbar ist?
Diese Aufgabe ist so wichtig, daß ich mir auch im Vorfeld genügend Zeit dafür
nehmen möchte.
Um den zweiten Teil Ihrer Frage zu beantworten - ich habe jetzt vor, meine
Trainings ab Januar durchzuführen, wobei der Schwerpunkt auf China, Japan und
Korea gelegt wird. Die Kurse zu Südostasien werden später folgen.
Wie sehen nun die nächsten Schritte aus? Schreiben Sie potentiell interessierte Firmen an und bieten Ihre Trainingsveranstaltungen an und entwickeln gleichzeitig die Kurse weiter?
Proksch: Dadurch daß ich den Wettbewerb gewonnen habe, ist
sehr viel Resonanz entstanden, sowohl von Firmen als auch von einzelnen
Mitarbeitern, die mich angerufen haben, weil sie sich aus eigenem Interesse und
auf eigene Kosten auf Ihre Tätigkeit in Asien vorbereiten wollen. Die für mich
zur Zeit interessantesten Kontakte sind die zu den Bildungsinstitutionen, die
dann selber wieder multiplikatorisch wirken, die Stiftungen, Kuratorium der
Wirtschaft, die IHKs in Berlin und im Umland von Berlin, die mich teilweise
angerufen haben und die schon in Europa, in den USA oder in Kanada Probleme
haben, den Firmen bei der Vermarktung ihrer Produkte zu helfen und viele
negative Erfahrungen gemacht haben.
Ich habe den Schwerpunkt auf Asien-Pazifik gelegt, wobei man natürlich
stufenweise vorgehen muß. Ich weiß sehr genau, daß nicht alles auf einmal
geht... Mein Traum ist, eines Tages ein Institut zu haben, wo man die
verschiedensten Kontinente abdeckt - das muß ich ja nicht alles selber machen.
Aber ich möchte dabei die Politik bestimmen und Leute finden, die meine
Philosophie und meine Methoden dazu vertreten.
Können Sie schon sagen, wie viele Kurse und Seminare angeboten werden sollen? Wie viele Mitarbeiter haben Sie schon gefunden? Oder ist es noch zu früh, das zu sagen?
Proksch: Das ist noch zu früh. Jedes einzelne Training wird
im Vorfeld abgesprochen mit den Interessenten und nach Möglichkeit individuell
abgestimmt. Das bedarf also jeweils noch einmal einer intensiven Vorbereitung.
Inzwischen hat sich herauskristallisiert, daß eher zwei- bis dreitägige
Blockseminare gefragt sind als mehrwöchige Seminare, wo man sich einmal in der
Woche abends trifft. Am Anfang werde ich nicht mehr als zwei Blockseminare pro
Monat machen können, mit einem Trainerteam zusammen, wenn man das gut
vorbereiten will und diese zwei oder drei Tage intensiv durcharbeiten will.
Diese Seminare werden voraussichtlich bei Bildungsträgern stattfinden. Wenn
auch Mitarbeiter von verschiedenen Firmen daran teilnehmen, die im Anschluß
Einzelberatungen wollen, dann kann man das immer zusätzlich vereinbaren. Ich
verspreche mir davon auch eine Art Schneeballeffekt, was nicht ganz unwichtig
ist, um am Anfang die Werbekosten gering zu halten.
Können Sie etwas zu den Methoden sagen? Wird es Vorträge oder Seminare geben? Werden die Kursteilnehmer die Gelegenheit zu Rollenspielen erhalten oder typische Beispielsituationen analysieren? Wie genau sollen die "Knigge-Kurse" umgesetzt werden?
Proksch: Es wird sicherlich eine Mischung von Seminarmethoden
geben. Ich bin nicht davon überzeugt, daß man sich nur an ein Konzept halten
muß. Es werden Rollenspiele im Vordergrund stehen, unterstützt von
Videotraining, um die Teilnehmer für ihr eigenes Verhalten zu sensibilisieren.
Die Trainings muß man natürlich mit sog. Input mischen, man muß also
Informationen geben, etwa in Form von schriftlichen Unterlagen, die in
Gruppenarbeit durchgearbeitet werden können, damit die Teilnehmer die
Möglichkeit erhalten, das Material in möglichst aktiver Form zu bearbeiten.
Ein Aspekt ist noch sehr wichtig für die Firmenmitarbeiter, die entsandt
werden, aber auch für diejenigen, die hier vor Ort Geschäftspartner empfangen,
nämlich daß sie dazu eine positive Grundeinstellung bekommen und sich nicht
hinter ihren Ängsten verstecken. Deshalb sind eben auch die interkulturellen
Teams wichtig, damit die Teilnehmer eine Identifikationsfigur näher
kennenlernen können.
Aus welchen Bereichen werden Ihre Mitarbeiter kommen? Sind es hauptsächlich Akademiker, z.B. Asienwissenschaftler, Soziologen oder Psychologen, oder sind auch Firmenangehörige mit Asienerfahrung darunter?
Proksch: Es gibt sicherlich eine Mischung. Ich bin nicht unbedingt dafür, reine Sinologen oder Japanologen zu nehmen, weil es für mich auch eine Voraussetzung ist, daß jemand in dem jeweiligen Land gearbeitet hat und dort Erfahrungen gesammelt hat. Wenn man an die Wirtschaft etwas vermittelt, müssen das Leute sein, die auch selber Erfahrung in der Wirtschaft haben. Das ist natürlich auch wichtig für die Akzeptanz von seiten der Wirtschaft.
Zielen Ihre Kurse und Seminare auf die Mitarbeiter großer oder mittelständischer Unternehmen? Können Sie etwas zum Kundenprofil Ihrer Firma sagen?
Proksch: Die Zielgruppe sind eher die mittleren und kleineren
Firmen. Die großen Firmen haben ja fast überall vor Ort ihre eigenen Büros
und machen auch ihre Schulungen zum Teil selber. Inzwischen gibt es sogar
firmeneigene interkulturelle Zentren, die für viel Geld in Asien entstehen.
BASF hat gerade in Shanghai ein interkulturelles Zentrum gegründet, das zur
Zeit in Bau ist. Ich würde mich gerne einmal mit diesen Zentren kurzschließen,
weil es mich interessiert, was da vor Ort gemacht wird und wie es funktioniert.
Mein Traum wäre auch eine Kooperation mit diesen Zentren. Die Leute, die dort,
sagen wir, ein halbes Jahr trainiert worden sind, könnten hier vor Ort eine
Schulung unter den hiesigen Vorzeichen machen... Um auf den Satz
zurückzukommen, für Berlin etwas zu bewirken, denke ich, daß wir den Leuten,
die hierher kommen, viel offener gegenüber sein und uns mehr um sie kümmern
müssen. Es hat nach der Wende zahlreiche Firmen gegeben, z.B. japanische
Firmen, von denen ich weiß, mit welcher Euphorie sie nach Berlin kamen und nach
einem Jahr wieder gegangen sind, weil sie völlig alleine dastanden. Es gibt
andere Städte auf der Welt, wo ausländischen Firmen von der Regierungsseite
ein Partner an die Seite gestellt wird, der sich um sie kümmert. Das muß auch
im Sinne der Wirtschaft sein. Ich werde auch versuchen, noch einmal mit dem
Senat zu reden, was man hier eigentlich tun kann. Man muß einmal den Weg
verfolgen, wenn eine Firma aus Korea hierher kommt und ein Büro gründen
möchte, nicht gleich investieren, sondern nur vor Ort präsent sein möchte.
Wie geht es diesen Leuten hier? Und was kann man dafür tun, daß sie auch
bleiben?
Können Sie schon sagen, wie hoch die Gebühren für Ihre Seminare und Kurse sein werden?
Proksch: Das ist im Moment noch sehr schwierig, weil ich noch dabei bin, Marktforschung zu betreiben. Ich denke, daß es sich sicherlich an Unternehmensberatungs- und Managementtrainingskosten orientieren wird, weil es zumindest auf dem selben Level ist. Das muß man auch rechnen, wenn man die Vorbereitung und die Teams bezahlen will.
Welche Rolle spielen die deutsch-asiatischen Handelskammern bei der Vorbereitung nach Asien ausreisender Geschäftsleute? Ist das Training interkultureller Kommunikation für die Handelskammern in Asien ein Thema?
Proksch: Nach meiner Kenntnis findet das nicht statt. Sehen Sie, es gibt immer noch viele, die meinen, daß wir interkulturelles Training überhaupt nicht brauchen. Erst kürzlich rief mich jemand an, der als Berater im Bereich Hotelmanagement nach China geht und der mich treffen wollte, er wollte etwas von mir wissen. Bei unserem Treffen hat er drei Stunden lang fast nur selber geredet und gesagt, er weiß eigentlich alles... Deswegen muß man auch ganz klein anfangen, und zu den Trainings gehört am Anfang auch, das Bewußtsein für die Notwendigkeit der Trainings überhaupt herzustellen. Und das ist ein schweres Geschäft... Aber das macht auch ganz viel Spaß, wenn man selber diesen Weg gegangen ist.
In Ihrem Konzept, das für den Existenzgründerinnen-Wettbewerb eingereicht wurde, schreiben Sie, daß die Kenntnis von Fremdsprachen nur ein notwendiger Baustein für den Aufbau erfolgreicher Beziehungen zum asiatischen Pazifikraum ist. Wichtiger noch sei es, die eigenen Interessen so zu formulieren, daß sie richtig verstanden werden. Was meinen Sie damit?
Proksch: Das meint natürlich mehreres. Erstens kann man nicht von Leuten verlangen, die hier voll im Berufsleben stehen und Experten für irgendwelche technische Sachen oder auch andere Dinge sind, daß sie sich noch nebenbei hinsetzen und eine asiatische Sprache lernen. Man kann aber davon ausgehen, daß sie zumindest fließend Englisch können, wenn sie in Asien Geschäfte machen wollen, ohne das geht es nicht. Für einen Aufenthalt in Asien bzw. für die Betreuung von Partnern hier ist es wichtiger, sich auf das kulturelle Umfeld vorzubereiten, nicht nur auf die Frage, was in Asien besonders exotisch ist. Darum geht es oft gar nicht. Es geht um die Frage, was ich im Vorfeld berücksichtigen, mir klarmachen und eventuell in einem Seminar trainieren muß, um bei den Verhandlungen mit meinen asiatischen Geschäftspartnern eine positive Synergie zu schaffen und nicht in Konflikten hängenzubleiben.
Außerdem heißt es in Ihrem Konzept, daß wir international nur erfolgreich sein können, "wenn wir die Grenzen im eigenen Denken und Handeln überwinden" - könnten Sie das kurz erläutern?
Proksch: Das habe ich zwar so formuliert... Ich muß aber
vorab sagen, daß ich so eine Art kleine Bibel habe, die ich seit zwei Jahren
mit mir herumtrage. Das ist ein Artikel aus der "Zeit" aus dem Jahre
1995, geschrieben von Wolf Lepenies, dem Direktor des Wissenschaftskollegs hier
in Berlin. Den Artikel habe ich bei einer Zugfahrt nach Hamburg gelesen, ich
werde nie vergessen, wie ich die "Zeit" aufschlug und unter der
Überschrift "Das Ende der Überheblichkeit" ("Die Zeit",
Ausgabe vom 24.11.95, S. 62) diesen Artikel sah, eine Beschreibung des Wandels
von der Belehrungskultur zur Lernkultur. Es ist ein großer Artikel, der auch
ganz unabhängig von Asien hochinteressant ist, eine Analyse über das Thema,
daß wir Europäer aufgrund unserer Geschichte, der Kolonialgeschichte, immer in
die Welt gegangen sind als Belehrende. Wenn wir so weiter machen und das nicht
hinterfragen, wird unsere Kultur, unsere Zivilisation, in Frage gestellt. Wir
müßten uns umkehren, müßten Lerngemeinschaften bilden, mit Vertretern
anderer Kulturen zusammen, wenn wir die Probleme des nächsten Jahrhunderts
bewältigen wollen.
Dieses habe ich immer im Hinterkopf, wenn ich sage, daß wir unsere
Denkgewohnheiten ändern müssen. Bei diesem Thema könnte ich fast
missionarisch werden, wobei ich sonst gar kein Missionarstyp bin...
Seit über 20 Jahren, also seit ich in Asien unterwegs bin, habe ich das
Gefühl, daß wir überheblich sind, ich habe das auch gesehen in den Firmen, in
denen ich gearbeitet habe und fand es faszinierend, daß Lepenies mit seiner
Autorität das hier zu einem Thema gemacht hat.
Sie wollen Ihre Kurse nicht nur für Firmenrepräsentanten anbieten, sondern auch für deren Familienangehörige. Warum halten Sie das für wichtig?
Proksch: Zunächst einmal ist dies aufgrund meiner eigenen
Erfahrungen in Asien ungemein wichtig. Wenn jemand nach Asien geht, als
Familienvater, wie es oft noch in diesen Fällen ist, und die Frau mit Kindern
mitgeht, dann sind oft noch die Männer über ihre Firma vorbereitet, über das
Umfeld, in das sie arbeitsmäßig kommen, sie kommen meist in eine schon
vorhandene Struktur. Es gibt auch die Pioniere, die alles erst noch aufbauen
müssen, aber in der Regel gibt es einen Vorgänger, der dann noch einen Monat
bleibt und den Neuen einführt.
Wer normalerweise völlig in der Luft hängt, sind die Ehefrauen, die Familie,
der Lebenspartner. Die Männer haben oft noch die Chance, über den Beruf nach
Europa zurückzufliegen, dieses "home leave" kann man nicht immer für
die ganze Familie bezahlen. Ich denke, es ist einfach sehr wichtig und im
Interesse dieser Personen, die ja selber Vertreter unserer Kultur dort vor Ort
sind, sie so darauf vorzubereiten, daß sie etwas davon haben, daß sie
menschlich nicht kaputtgehen und daß die Kinder das als Chance begreifen.
Gerade die Kinder als nächste Generation können dort sehr viel mitnehmen, ich
hätte als Zehnjährige gerne solch eine Chance gehabt.
Vielleicht - da bin ich noch am überlegen - kann man bei Einzelberatungen für
Leute, die sich auf eine Umsiedlung nach Asien vorbereiten, was im Leben ja ein
dramatischer Einschnitt ist, eine Art Krisenmanagement aus der Ferne per E-Mail
betreiben, wenn es konkrete Probleme gibt, wenn es Konflikte gibt, wenn jemand
krank wird...
Worin sehen Sie die größten Chancen bzw. die größten Risiken der allerorts zitierten Internationalisierung bzw. Globalisierung?
Proksch: Was ja nicht dasselbe ist! Internationalisierung
wird so definiert, daß z. B. eine koreanische Firma ihren Firmensitz in Seoul
hat und dann international Geschäfte macht, sie handelt mit Europa, mit
Amerika, mit Japan usw. Sie hat vielleicht auch Liaisonbüros, aber die gesamte
Macht wird von einer Zentrale ausgeübt. Globalisierung ist wirklich ein Schritt
weiter, das bedeutet, daß die Firma ihre Produktionsstätten überall hat, und
die funktionieren dann auch nach dem jeweiligen Muster des Landes, in dem sie
sich befinden. Die Japaner, die hier in Deutschland produzieren, können ihre
deutschen Mitarbeiter nicht so leben lassen wie sie die japanischen Mitarbeiter
in Japan leben lassen. Insofern bedeutet Globalisierung auch viel mehr Anpassung
an den Standort, kulturell usw.
Es ist natürlich für mich sehr schwer, zu diesem Thema, zu dem sich Politiker
und Philosophen ununterbrochen äußern, ein Statement abzugeben. Ich würde es
so sagen: Da die Globalisierung längst im Gange ist, haben wir gar nicht die
Möglichkeit zu sagen, das paßt uns nicht. Das ist wie mit dem Internet, ich
will eigentlich gar nicht, daß die Welt permanent auf mich einströmt, aber wir
wissen, daß diese Dinge da sind... Ich kann auch nicht sagen, daß ich kein
Telefon will. "Telefon? Mit jemand reden, den ich nicht sehe? Nein, ich
fahre meine Familie einmal im Jahr besuchen, das ist menschlicher und
persönlicher..." So war das früher. Das geht heute nicht! Es ist also
nicht die Frage, ob man dafür oder dagegen ist. Die Frage ist vielmehr, wie
kann man es möglichst menschenwürdig, möglichst gleichberechtigt, mit
möglichst wenig Verlusten in der menschlichen Kommunikation und möglichst
wenig auf Kosten anderer Menschen durchsetzen. Das weiß ich natürlich auch
noch nicht, wie das geht. Aber ich hoffe, daß man daran arbeiten kann.
Kontakt: Ginko Consult - Gesellschaft für interkulturelle Kommunikation,
Charlottenstr. 79/80, 10117 Berlin
Tel. (030) 201 88 410
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Mathias Adelhoefer, Berlin
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