"... das macht doch mehr Spaß, als wenn man nur Grammatikbücher liest..."
Dieses Zitat stammt aus einem Videofilm von Martin Lange, Deutschlektor an der Waseda-Uni in Tokyo, der den TeilnehmerInnen des Yangp'eong-Seminars im letzten Herbst ein interessantes Filmprojekt vorstellte.
Während eines Sommerseminars in Japan richtete er mit einer Filmgruppe den Blick in die Zukunft, und zwar ins Jahr 2046. Was wird Asien in 50 Jahren ausmachen? Könnte Asien zu einer "Asiatischen Union", nach dem Vorbild der EU zusammengeschlossen sein? So lautete denn auch der Titel des spekulativen Films: "Die Asiatische Union: 1996-2046 - Ein historischer Rückblick..."
Am 29.Juli 2036 wird in Nojiri/Japan der AU-Vertrag von den Teilnehmerstaaten unterzeichnet. Zur AU gehören: China, Cho (Vereinigtes Korea), Japan, Indien, Tibet, Taiwan, Vietnam, Thailand, Malaysia, Philippinen, Singapur, Kambodscha, Laos, Brunei und Myanmar.
Das 10jährige Jubiläum 2046 bietet nun Anlaß, in die asiatische Geschichte zurückzublicken und wichtige Stationen des Weges zur AU Revue passieren zu lassen.
Ausgangspunkt ist das Endspiel der Fußball-WM 2002 auf der Insel Tokdo/Takeshima, das den Grundstein für die freundschaftlichen Beziehungen zwischen Japan und Korea legt.
Im Jahre 2020 verzichtet China auf den Kommunismus, orientiert sich an der freien Marktwirtschaft und bildet mit den souveränen Staaten Tibet und Taiwan eine Wirtschaftsgemeinschaft.
Korea ist wiedervereinigt, und der religiöse Führer Tibets, der Dalai Lama, ist eine Frau...
2036 wird von Japan und Korea auf der Insel Tokdo die "Asiatische Friedensuniversität" gegründet. Ein Pflichtfach heißt "Friedenserziehung", und ein erklärtes Ziel ist die Ausbildung von qualifizierten Erzieherinnen für einen "natürlichen Sprachenunterricht im Kindergarten", der ab 2051 eingeführt werden soll.
Natürlich gibt es auch einen AU-Pass, eine gemeinsame Währung, den KIN (1 KIN = 0,82 EURO; Stand vom 28.07.2040), und eine AU-Flagge.
Auf einer AU-Kommisssionssitzung werden die Probleme der nahen Zukunft diskutiert. Interessantes Detail: Alle TeilnehmerInnen sind Frauen, denn, so die AU-Kommissarin: "In Asien sind die Frauen an der Macht!" Im Mittelpunkt der Diskussion steht die "West-Erweiterung" der AU, d.h., die Aufnahme der Arabischen Liga. Die Meinungen hierüber sind geteilt. Einig ist man sich dagegen auf einer Konferenz der Arabischen Liga in Bagdad: In den Ländern des einzig beherrschenden Gottes Allah ist eine Kooperation mit Christen und anderen Religionen unannehmbar. Und welche Chancen hätte die Arabische Liga schon in einer so von Frauen determinierten AU?
Nichtsdestotrotz ist die Unterzeichnung des AU-Vertrages von Nojiri ein großer Erfolg, auch wenn offen bleibt, ob die Arabische Liga in zwei Jahren beitreten wird.
Ich finde, ein sehr gelungenes Projekt, das auch durchaus als Anregung für ähnliche Projekte verstanden werden kann. So auch die Bitte von Martin Lange an die DeutschlektorInnen in Korea, dieses Video ihren StudentInnen zu zeigen, Eindrücke, Kommentare, Einwände, weiterführende Vorschläge und Ideen zu sammeln und an ihn weiterzuleiten.
Auch der Erfahrungsaustausch über die Bewältigung technischer Probleme, die zwangsläufig bei Amateur-Filmprojekten auftreten, dürfte nicht uninteressant sein. Allen, die schon mit Videoaufnahmen mit StudentInnen Erfahrungen gesammelt haben, sind sicher die Probleme mit der Tonqualität (insbesondere bei Außenaufnahmen) bestens vertraut. Auch bei vorliegendem Video ist die Verständlichkeit z.T. beeinträchtigt. Deshalb empfiehlt sich vielleicht die zusätzliche Anfertigung eines Skripts, in dem der genaue Wortlaut noch einmal nachgelesen werden kann.
Auf jeden Fall ist dieses von Martin Lange gestartete Projekt ein guter Ausgangspunkt für ein auch praktisches Zusammenarbeiten der LektorInnen in Japan und Korea, das es im Auge zu behalten gilt.
Es sind bereits einige Kopien dieses Videos in Korea an KollegInnen verschickt worden. Weitere Interessenten wenden sich bitte an Anke Stahl/Seoul-Frauen-Uni (Adresse im Impressum des Heftes) oder direkt an Martin Lange (E-Mail: langem@mn.waseda.ac.jp).
Ja, und wer jetzt Lust bekommen hat, Ähnliches mit seinen StudentInnen in Angriff zu nehmen, sei hiermit wärmstens ermuntert, das jeweilige Ergebnis auch den KollegInnen in Korea und Japan zugänglich zu machen (die LVK ist gern dabei behilflich). Neue Anregungen und Ideen sind jederzeit und überall willkommen, zumal solche Projekte doch wirklich viel mehr Spaß machen, als Grammatikbücher zu lesen...
Anke Stahl, Seoul Frauen Universität
Copyrigth © 1997 by Anke Stahl