Der folgende Artikel der Reporterin Lee In-Suk wurde am 2.12.1996 in der 'Kyosu Shinmun' ("Professorenzeitung") veröffentlicht.
Der Wind der Globalisierung und Internationalisierung hat auch das Interesse an der Situation ausländischer Professoren an koreanischen Universitäten neu entfacht. Die Zahl der Anstellungen ausländischer Professoren hat sich in jüngster Zeit von 537 auf 823 erhöht. Daraus kann man aber nicht ableiten, daß unsere Universitäten den internationalen Anschluß gefunden oder die Globalisierung inhaltlich vorangetrieben hätten. Es scheint zweifelhaft, ob sich die Unterrichts- und Forschungsqualität und die Stellung der ausländischen Professoren durch die Globalisierung verbessert haben.
- Unsichere Verträge
- Forschungsgelder, die in den Sternen stehen.
Ausländische Professoren haben viele Probleme: Nicht nur wegen des großen Kulturunterschiedes, sondern auch wegen einer schlechteren Behandlung gegenüber ihren koreanischen Kollegen, die nur darauf beruht, daß sie Ausländer sind.
Zwischen den Erwartungen, mit denen ausländischen Professoren nach Korea kommen und den Realitäten, die sie dann an koreanischen Universitäten vorfinden, besteht oft eine breite Kluft.
Nach dem Bericht eines ausländischen Lektors in einer koreanischen Universitätszeitschrift stoßen sie auf Benachteiligungen in allen Bereichen. Er fragt sich, ob dies nur sein Problem sei oder allgemeine Gültigkeit habe, beklagt sich über geringeres Einkommen trotz gleicher Unterrichtsverpflichtungen und listet folgende Kernprobleme auf:
a) Ausländer fühlten sich wegen der unterschiedlichen Behandlung zurückgesetzt,
b) sie erhielten keine Bonuszahlungen,
c) ihr monatliches Einkommen läge zwischen 1.200.000 bis 1.800.000 Won,
d) Grundeinkommen und tatsächliches Einkommen seien praktisch gleich, weswegen
e) ihr Einkommen nur 60 - 70% ihrer koreanischen Kollegen ausmache.
Dem Bericht eines anderen (anonymen Lektors einer anonymen Universität) zufolge beträgt dessen Gehalt nur 1300,000 Won. Er wisse, daß dieses im Vergleich zu denen koreanischen Kollegen sehr gering sei. Davon könne er kaum leben und insbesondere nicht genug Bücher kaufen. Ein anderer anonymer Lektor beklagt sich darüber, daß er trotz niedrigeren Gehaltes eine Unterrichtsverpflichtung von 18 Stunden gegenüber 12 Stunden seiner koreanischen Kollegen habe und daß für diese eine stufenweise Beförderung vorgesehen sei, von der ausländische Professoren ausgeschlossen seien. Ein auf der Anfangsstufe fest angestellter Koreaner koste seine Universität ca. 20,000,000 Won, bei einer Beförderung zum ordentlichen Professor erhöhten sich die Kosten um das Zwei- bis Dreifache. Deswegen würden ausländische Professoren nicht befördert.
Den Grund für diese unterschiedliche Behandlung erklärt ein Verwaltungsangestellter einer Universität folgendermaßen: Eine Festanstellung ausländischer Professoren an koreanischen Universitäten sei nicht angebracht, da diese in der Regel nach zwei Jahren in ihre Heimatländer zurückkehrten. Wegen ihres mangelnden Engagements (A.K.: wörtlich "Fleißes") käme eine systematische Unterstützung deshalb nicht in Frage. Man könne deshalb auch nicht von Ausländerfeindlichkeit sprechen, sondern in der Behandlung von Ausländern spiegele sich nur eine Wechselwirkung wider.
Ein koreanischer Professor an der Han'guk Universität für Fremdsprachen vertritt einen gegenteiligen Standpunkt: "Wenn Koreaner entlassen werden, bekommen sie eine Abfindung, die sich nach dem Prinzip jährlicher Progressivität steigert. Diese Berechnungsweise gilt für Ausländer nicht. Ausländer unterrichten und arbeiten an unseren Universitäten genauso fleißig. Ihre Benachteiligung ist entmutigend und schadet der Unterrichtsqualität."
Die Situation von Ausländern, denen die Universitäten Wohnungen zur Verfügung stellen, ist weniger schwierig. Die staatliche Universität Pusan, die Hanyang Universität und die Han'guk Universität für Fremdsprachen z.B. stellen Wohnungen zur Verfügung, und die Ausländer tragen nur die Nebenkosten. Es gibt auch Universitäten, die Mietzuschüsse in Höhe von 200,000 Won zahlen, aber einige Universitäten gewähren diese Unterstützung nicht.
Es ist allgemein bekannt, daß auch koreanische Professoren oft auf Schwierigkeiten stoßen, wenn sie Forschungsgelder beantragen. Aber für Ausländer erhöhen sich diese Schwierigkeiten noch erheblich und deren Anträge werden mit der Begründung abgelehnt, daß ihre Tätigkeit sich ja darauf beschränke, nur Konversationsunterricht zu geben. Ein chinesischer Professor, der seine Laufbahn an einer koreanischen Universität 1972 als Teilzeitlehrer begann, hat deshalb bis heute auf einen Antrag auf Forschungsgeld verzichtet, weil er sowieso keine Aussicht auf Erfolg darin sah.
Ausländische Professoren haben großen Streß. Dieser resultiert aus der Tatsache, daß ihnen nur auf ein Jahr befristete Verträge angeboten werden, daß sie an ihren Gastgeberuniversitäten kein Mitspracherecht haben, daß sie gelegentlich Vertragsbrüche hinnehmen müssen und daß sie Angst vor unbegründeten Entlassungen haben, die sie dann mangels Gültigkeit ihres Arbeitsvisums zur Ausreise zwingen. Sie fühlen sich einerseits von den Launen der Universitätsverwaltungen abhängig, andererseits ihren Abteilungen entfremdet, weil diese ihnen aktive Teilnahme nicht ermöglichen. Ihr Ausschluß beruht teilweise auf der Annahme ihrer koreanischen Kollegen, daß sie keine Kenntnisse von Universitäts-Interna haben.
Die ausländischen Professoren verstehen, daß es Beschränkungen wegen mangelnder Kommunikationsmöglichkeit gibt, sie sind aber jederzeit bereit, an Diskussionen über Studien- und Lehrinhalte teilzunehmen. Die meisten Abteilungen laden sie zwar zu Veranstaltungen auf Abteilungsebene ein, eine wirkliche Aussprache über die erwähnten Inhalte findet aber nicht statt.
Kevin O'Rourke (Kyonghee Universität) sagt, er fühle sich nicht benachteiligt, er sei mit seinem Gehalt und seinem Leben an seiner Abteilung sehr zufrieden, auch habe ihm seine Universität in gleicher Weise wie seinen koreanischen Kollegen ein unterrichtsfreies Forschungsjahr gewährt. Obwohl er noch kein Forschungsgeld beantragt habe, glaube er, daß ihm auch solches bei einem entsprechenden Antrag von der Kulturförderungsgesellschaft gewährt würde. Das aber ist eher die Ausnahme als die Regel. Es gibt eine Reihe von Hindernissen, die ausländische Professoren nicht überwinden können.
Zu dem Problem der Ungleichbehandlung äußert sich ein Universitätsverwaltungsangestellter folgendermaßen: "Wir bieten ausländischen Professoren bessere Forschungsbedingungen als Teilzeitlehrern. Ihre Benachteiligung gegenüber fest angestellten koreanischen Professoren ist selbstverständlich, weil sie nur unwissenschaftlichen Konversationsunterricht geben. Deswegen sind auch ihre Einstellungsverfahren sehr viel einfacher als die für koreanische Professoren", und er zieht daraus die Schlußfolgerung, daß Benachteiligungen natürlich seien.
Tatsächlich sind Einstellungsverfahren und Bedingungen für ausländische Professoren teilweise einfacher als für Koreaner. Es gibt einige Universitäten, die an ausländische Professoren die gleichen Qualifikationsanforderungen stellen wie an die koreanischen Kollegen, andere begnügen sich mit einem einfachen Universitätsabschluß, andere stellen sogar fachfremde Lehrkräfte ein. Außerdem ist allgemein bekannt, daß Abteilungsleiter teilweise ohne eingehende Prüfung der beruflichen Voraussetzungen ihnen zufällig persönliche bekannte Professoren oder solche, mit denen sie befreundet sind, anstellen.
Dazu sagt Ho Hyong (Leiter der Chungang-Universitätsverwaltung): "Die meisten (Universitäten) gehen der Verantwortung ihrer ausländischen Professoren gegenüber aus dem Wege, indem sie, ohne gründlich zu überlegen, auf bloßen Formalien beruhende Einstellungsverfahren anwenden. Das hat zur Konsequenz, daß der Fremdsprachenunterricht leidet." Dann zieht er die Schlußfolgerung: "Wir müssen kompetente ausländischen Professoren anstellen."
An staatlichen Universitäten sind die Benachteiligungen ausländischer Professoren aus systembedingten Gründen noch gravierender. Nach dem Gesetz müssen Beamte Inländer sein. Deshalb werden ausländische Professoren als Gastprofessoren eingestuft und von Beförderungen und Bonuszahlungen ausgenommen. Das wird auch damit begründet, daß Ausländer nur Konversationsunterricht geben. Dazu ein wissenschaftlicher Dekan: "Wegen dieses unvernünftigen Systems sind uns Beschränkungen beim vorantreiben der Internationalisierung auferlegt. Wir müssen unserer Denkweise ändern, daß koreanische Universitäten nur für Koreaner da seien."
Ausländische Professoren haben viele Probleme, über die sie nicht öffentlich sprechen können. Sie werden benachteiligt nur weil sie Ausländer sind. Eine angemessene berufliche Anerkennung wird ihnen verweigert. Deswegen müssen wir unsere Universitäten und das ihnen zugrundeliegende System verändern. Sonst werden diese Probleme immer größer, und statt eines Fortschritts ist ein Rückschritt in unserem Bestreben nach Internationalisierung zu erwarten. Darüber müssen wir nachdenken.
Verantwortlich für die Übersetzung: Dr. Armin Kohz, Dankook Universität