Fremdsprachenunterricht leidet häufig daran, daß Kommunikation in der Zielsprache nur simuliert werden kann. Die kommunikativen Übungen, so wichtig sie sind, bleiben steril. Deutschlerner treffen hier in Korea, von ihrem Lektor oder ihrer Lektorin einmal abgesehen, nur selten auf Muttersprachler mit denen sie auf Deutsch sprechen können. Hinzu kommt, daß man mit einem Lehrer bzw. Professor sicher anders spricht als mit Gleichaltrigen. Klassenpartnerschaften bieten eine gute Möglichkeit zu realer Kommunikation, zur Verbesserung des schriftlichen Ausdrucks und des Leseverstehens. Der Ausbau der Sprachkenntnisse kann zudem sehr gut mit der Arbeit an landeskundlichen Themen verknüpft werden. Ich habe solche Projekte dreimal durchgeführt. Das erste mit Mattheus Wollert und seinen Studentinnen der Songshin-Universität hier in Seoul, das zweite mit einer Internet-AG eines Fachgymnasiums in Aurich. Das vorläufig letzte mit einer Lehrerin und ihren Abiturienten aus Island.
Stichwortartig sind im folgenden einige wichtige Punkte aufgeführt:
Mail oder Briefpost?
Die Vorteileeiner Internet-Klassenpartnerschaft sind:
- Schnelligkeit - geringe Kosten - Flexibilität.
- Die notwendige Absprache mit dem Partnerlehrer über den Zeitplan, die Themen und
eventuell auftretende Schwierigkeiten läßt sich per E-Mail
einfacher durchführen.
- Studenten lernen den Umgang mit einem neuen, wichtigen Medium.
Nachteile:
- nicht jeder Student hat einen Computer- auf die Umlaute muß meist verzichtet werden.
- höherer Arbeitsaufwand (Klassenräume mit Computern gibt es meist nicht. Die Briefe müssen daher als
Textdateien auf Disketten gesammelt und können erst dann verschickt werden.)
- technische Probleme (z.B.: Der Server fällt aus und andere nette Überraschungen)
Vorteile der Briefpost
- Das Verschicken von Fotos, Zeichnungen, Collagen und Toncassetten ist
möglich, bzw. wesentlich
einfacher.
- Briefe sind kein "kaltes" Medium und haben geradezu eine "sinnliche" Qualität.
Einen Brief zu bekommen, ihn in der Hand zu halten, die Briefmarken zu sehen, ihn zu öffnen, das Papier zu fühlen, die individuelle Handschrift zu lesen, das alles berührt die meisten Menschen mehr als eine Electronic Mail.
Die Konsequenz der oben aufgeführten Vor- und Nachteile war für mich, beide Kommunikationsformen zu benutzen.
Wie findet man E-Mail/Briefpartner?
* Die einfachste Möglichkeit ist, sich mit einem Kollegen / einer Kollegin einer anderen Universität hier
in Korea abzusprechen und die Klassenpartnerschaft
hier im Land mittels Briefwechsel durchzuführen.
* Schulklassen aus anderen Ländern, die Kontakte suchen, kann man im Jugendmagazin (JUMA)
finden. Meist sind nur die Postadressen angegeben.
* Im Internet bietet das Goethe-Institut (www.goethe.de) eine ganze Reihe von Seiten zum Thema
"Klassenpartnerschaften" an, die nicht nur wertvolle Tips enthalten,
sondern auch ein Anmeldeformular.
Füllt man dieses aus, bekommt man bald von
Reinhard Donath, dem Projekt-Koordinator des Goethe-
Institutes, eine E-Mail mit der Adresse
eines Partnerlehrers.
* Eine andere Möglichkeit eine Partnerklasse zu finden ist, sich in
eine entsprechende Mailing-Liste
eintragen zu lassen. Man schickt z.B. einfach eine E-Mail
mit dem Inhalt "subscribe" an:
(IECC-HE heißt: Intercultural E-Mail Classroom Connections in Higher Education). Die Liste ist so etwas wie ein elektronisches Schwarzes Brett für internationale E-Mail Projekte, ist allerdings nicht auf DaF beschränkt. Die weitaus meisten Anfragen beziehen sich auf den Englischunterricht.
* Wer Kontakt mit Deutschklassen an japanischen Universitäten möchte,
sollte eine entsprechende
E-Mail an das
"e-forum"
der Japanlektoren schicken.
Ein paar Tips zur Vorbereitung und Durchführung:
Für sehr wichtig halte ich die genaue Absprache mit dem Partnerlehrer. Prüfungstermine, Ferien, Feiertage, Klassenfahrten sollten so gut wie möglich vorher eingeplant werden. Nichts ist demotivierender für die Studenten als lange auf eine Antwort zu warten. Hat man eine größere Klasse, empfiehlt sich, die Briefe in Partner oder Gruppenarbeit schreiben zu lassen. Den Zeitrahmen sollte man auf 4 - 5 Wochen beschränken, da dann das Interesse nachläßt. Die Studenten haben natürlich die Möglichkeit, sich privat weiter zu schreiben.
Frank Grünert, Seoul National Universität
Copyright © 1997 by Frank Grünert