Zum Empfang in der Residenz des deutschen Botschafters in Korea, Dr. Claus Vollers, waren etwa 200 Gäste aus dem DaF- und Germanistik-Bereich erschienen. Nach eröffnenden Grußworten des Botschafters Dr. Claus Vollers und des offiziellen Gastgebers Jens Janik wurde eine auf Deutsch (!) verfaßte Rede des koreanischen Erziehungsministers Ahn Byung-Young, die er aus Termingründen nicht persönlich halten konnte, vorgelesen und für die koreanischen Gäste übersetzt. Darin versicherte er, daß er die sich verschlechternde Situation der zweiten Fremdsprachen in Korea sehr ernst nehme, und drückte seine Hoffnung auf Ideen zur kreativen Neubestimmung der Stellung von Deutsch in Korea aus. Stellvertretend für die LVK bedankte sich anschließend Dr. Armin Kohz bei allen, die am Zustandekommen des Empfangs beteiligt waren, und wies noch einmal auf die Bedeutung des Empfangs und des Fachseminars für die Image-Pflege von Deutsch in Korea hin. Der Rest des Abends gehörte einem durch das Goethe-Institut ermöglichten Gesangsvortrag mit Gitarrenbegleitung, einem Buffet mit Würstchen, Kassler Ripperln, Sauerkraut und deutschem Bier sowie einer Fülle von persönlichen Begegnungen und Gesprächen der Gäste.
Das durch den DAAD finanzierte Fachseminar begann am darauffolgenden Freitag Morgen mit Vorträgen und Diskussionen und endete Sonntag Mittag. Die Vorträge und Protokolle der Diskussionsbeiträge werden so bald wie möglich als Tagungsband vorgelegt werden. Zusammenfassend läßt sich sagen, daß das Fachseminar das Engagement der deutschen LektorInnen und der koreanischen KollegInnen um eine Neuorientierung des Deutschen in Korea - sei es durch eher grundlegende Reflexionen, sei es durch konkrete Vorschläge - erfolgreich unter Beweis stellte. Wenn auch die schiere Fülle und Bandbreite der angesprochenen Themen die Ausarbeitung einer sofort umsetzbaren Strategie nicht erlaubte, so lassen sich dennoch einige wegweisenden Gedanken hervorheben.
1. Die verminderten Credit-Anforderungen in der Hochschulgermanistik zwingen
zu
curricularen Änderungen. Die koreanischen Fachverbände
KGG und KGDaF planen die
Einsetzung einer Strategiekommission, um ein Modellcurriculum
zu erarbeiten. Die LVK
wird sich bemühen, zu einer aktiven Zusammenarbeit mit
dieser Strategiekommission zu
kommen.
2. Als Leistungsanreiz wurde die Einführung einer Sprachprüfung
an den Universitäten
erwogen. Da das Ablegen einer international anerkannten
Prüfung wie des "Zertifikats
für Deutsch als Fremdsprache" derzeit unrealistisch erscheint,
muß über die Ausarbei-
tung einer nationalen Prüfung nachgedacht werden. Unklar
ist bisher, welchen Wert eine
nationale Prüfung haben könnte. Wenn die Wirtschaft
eine nationale Prüfung als
Nachweis einer bestimmten Qualifikation akzeptieren und bei
der Einstellung von
AbsolventInnen berücksichtigen würde, könnte
davon für die GermanistikstudentInnen
ein Motivationsschub ausgehen.
3. Die LektorInnen sollten Kontakt mit Wirtschaftsunternehmen aufnehmen,
ihnen unsere
Arbeit vorstellen und in den universitären Veranstaltungen
die berufliche Praxis stärker
als bisher berücksichtigen.
4. Unser Unterricht sollte der Bedeutung der nicht-buchkulturorientierten
Medien wie
Fernsehen, Video, Computer, Internet, Multimedia Rechnung tragen
und die kulturelle
Praxis der koreanischen StudentInnen reflektieren.
5. Zum Thema "Regionalisierte Lehrwerke": Gut gemachte Lehrwerke sind teuer
(mehrere
hunderttausend Mark) und erfordern eine mindestens
zweijährige Produktionsdauer. Es
ist zu überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, deutsche
Lehrwerke für den koreanischen
Markt zu adaptieren.