Universitätsreform in Korea - ein schon vieldiskutiertes Thema, innerhalb und außerhalb der Universitäten. Und die Diskussionen halten an. Befürchtungen und Zweifel an dem neuen Modell, das da in Kürze über die Unis rollen soll (oder schon gerollt worden ist) - besonders in Bezug auf den zukünftigen Stellenwert der Zweitfremdsprachen wie Deutsch oder Französisch - derer sind schon viele laut geworden. Doch die Tendenz, die Zweitfremdsprachen zugunsten des Englischen mehr und mehr zurückzudrängen, scheint sich unaufhaltsam auszubreiten. Was kann man tun, um der offensichtlich weitverbreiteten Meinung, Deutsch und Französisch seien "exotische Sprachen", deren Studium doch eher einen Luxus darstelle, entgegenzutreten?
Diese Frage stellten sich meine französische Kollegin und ich schon seit geraumer Zeit. "Einigkeit macht stark" - dachten wir und überlegten, wie wir - möglichst eindrucksvoll und nachhaltig - an unserer Universität darauf aufmerksam machen könnten, daß das Studium einer Zweitfremdsprache wie Deutsch und Französisch gar nicht so unwichtig ist. Und so wurde die Idee eines "europäischen Kulturabends" geboren. "Europäischer Kulturabend" - das kann vieles heißen. Wir verbanden damit vor allem die Idee, einmal all denjenigen, die in unserer Uni-Verwaltung den gesamten Studienbetrieb organisieren und von deren Entscheidungen die zukünftige Stellung unserer beiden Abteilungen in erheblichem Maße abhängig sein wird, unsere beiden Heimatländer nebst Sprachen etwas näher zu bringen. Dazu schien uns eine kleine "Bilderreise" durch Deutschland und Frankreich anhand von Dias am geeignetsten, woraus wir auch das Motto des geplanten Abends ableiteten: "Öffnen wir ein Fenster zu zwei europäischen Ländern..." Auf unserer Gästeliste standen die Präsidentin unserer Universität, die Dekane aller vier Fakultäten, die Angestellten der Universitätsverwaltung, die Lehrstuhlleiter unserer Fakultät, der Leiter der Graduate School sowie natürlich die KollegInnen unserer beiden Abteilungen.
Da es aber eine altbekannte Tatsache ist, daß man vom Anschauen allein nicht satt wird, kündigten wir in unserer schriftlichen Einladung neben der schon erwähnten Dia-Reise mit Musik auch eine kulinarische Reise an. Daß wir das Ganze an einem lauen Septemberabend in einem Garten auf dem Campus stattfinden lassen konnten, trug sicher sehr zu einer gelösten und angenehmen Atmosphäre bei. Die meisten der geladenen Gäste (ca. 25 Personen) erschienen pünktlich (!), sicher auch mit einer gehörigen Portion Neugier, was sich denn nun eigentlich hinter den drei Programmpunkten: 1. Cocktail 2. Dia- Show mit Musik und 3. deutsch-französisches Buffett verbirgt. In unserer kleinen Eröffnungsrede, die abwechselnd in deutscher und französischer Sprache (mit Übersetzung ins Koreanische) vorgetragen wurde, wiesen wir noch einmal auf das Anliegen des Abends hin: nämlich ein Fenster aufzustoßen und den Blick auf Deutschland und Frankreich zu richten, deren Sprachen an unserer Uni studiert werden, und das von einer nicht unerheblichen Anzahl von Studentinnen, nicht zu vergessen die vielen KoreanerInnen, die in einem der beiden Länder beruflich erfolgreich sind.
Die darauffolgende kleine Bilderreise durch beide Länder, die ebenfalls abwechselnd in deutscher, französischer und koreanischer Sprache kommentiert wurde, ist bei allen Anwesendes auf lebhaftes Interesse gestoßen. Noch nachhaltiger jedoch ist wohl das deutsch-französische Buffett in Erinnerung der Gäste geblieben. Nicht nur deshalb, weil man gern einmal deutsche und französische Eßgewohnheiten kennenlernen und ausprobieren wollte (Käse und Rotwein waren übrigens die "Renner"), sondern weil dieser Teil des Abends entspannte und trotzdem intensive Gespräche untereinander ermöglichte, die ansonsten kaum stattfinden können. Auch daß die sonst bei offiziellen Anlässen immer im Rampenlicht stehenden Personen an diesem Abend einmal nicht zu einer Rede aufgefordert waren, sondern einfach nur Gast sein konnten, wurde dankbar aufgenommen. Es war zudem eine gute Gelegenheit, viele Fragen zu stellen und zu beantworten, Anregungen aufzugreifen, Ideen zu entwickeln oder auch einfach nur den Abend zu genießen und Spaß zu haben.
Ob dieser Abend konkrete abrechenbare Ergebnisse zeitigt, wird sich wohl kaum recht bald feststellen lassen. Aber das war auch nicht unser erklärtes Ziel. Uns war vielmehr wichtig zu erleben, wie solch ein Ereignis das Aufeinanderzugehen und den Umgang miteinander (auch in Zukunft!) erleichtern kann, und zu zeigen, daß wir am Gedankenaustausch mit den koreanischen KollegInnen interessiert sind. Daß sich die Kontakte zwischen der deutschen und der französischen Abteilung intensiviert haben, ist ein zusätzlicher positiver Nebeneffekt, den es auf jeden Fall zu erhalten und auszubauen gilt. So sind bei meiner französischen Kollegin und mir schon Pläne gereift, Ähnliches im November für die und mit den Studentinnen unserer beiden Abteilungen zu organisieren, um auch auf dieser Ebene die Kommunikation untereinander zu fördern. Am Ende dieses Abends wurde der Wunsch geäußert, so eine Veranstaltung regelmäßig zu wiederholen, und einer der koreanischen Kollegen bemerkte: "Dies markiert wohl einen Wendepunkt in unserer Uni..." --- das wäre mehr, als wir erwartet hatten...
Anke Stahl, Seoul-Frauen-Universität
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