Ansan, im April 1996
Liebe Mitglieder, liebe Kolleginnen und Kollegen,
mit dem Erscheinen dieses dritten Rundbriefes jährt sich das Bestehen der LVK zum ersten Mal. Wir können diese zwölfmonatige Etablierungsphase als sehr erfolgreich abgeschlossen betrachten. Die Gründung und die Arbeit der LVK ist sowohl im Inland als auch im asiatischen und deutschsprachigen Ausland mit großem Interesse verfolgt worden, zumal es die weltweit erste und (noch) einzige Vereinigung dieser Art ist. Dank des unermüdlichen und professionellen Engagements des Gründungsvorstandes, insbesondere des damaligen ersten und jetzigen ersten stellvertretenden Vorsitzenden, Herrn Mathias Adelhoefer, ist es gelungen, die mit auswärtiger Kulturpolitik befaßten Institutionen in Deutschland auf unsere Interessen aufmerksam zu machen und deren Kooperationsbereitschaft zu erwecken.
Über die traditionelle Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut hinaus pflegen wir jetzt enge Kontakte mit dem DAAD und seiner Außenstelle, dem Büro Tokyo, vertreten durch den ehemaligen DAAD-Lektor an der Seoul-National-University, Herrn Dr. Gernot Gad. In Zusammenarbeit mit dem DAAD werden wir u.a. auch unser im Herbst stattfindendes Fachseminar unter dem Motto "Deutsch als Zweitfremdsprache in Korea - Tendenzen und Prognosen" durchführen.
Besonders erfolgreich gestaltete sich auch die Zusammenarbeit mit der deutschen Botschaft. Schon in unserem zweiten Rundbrief hatte der ehemalige Botschafter, Herr Dr. Dieter Siemes, uns in einem Grußwort aufgefordert, die Botschaft als Partner in der Gestaltung der deutsch-koreanischen kulturellen Beziehungen zu betrachten und ihre Zusammenarbeit mit der LVK angeboten. Der jetzige Botschafter, Herr Dr. Claus Vollers, hat diese Bereitschaft in mehreren Gesprächen mit LVK-Vertretern erneut zugesichert. Diesen aufmunternden Worten hat der jetzige Kulturreferent, Herr Jens Janik, erfrischende Taten folgen lassen, wofür ich ihm an dieser Stelle im Namen der LVK meinen aufrichtigen Dank ausspreche.
Auf seine Initiative hin konnten im November 1995 zum ersten Mal Vertreter der LVK als nichtentsandte Lektoren zusammen mit DAAD-Lektoren, Vertretern des Goethe-Instituts, des DAAD, der deutschen Schule in Seoul und der Wirtschaft an einer Sitzung der Ständigen Arbeitsgruppe "Deutsch als Fremdsprache" (StADaF) in der deutschen Botschaft teilnehmen. Dort wurden die Themen der "Universitätsreform", "Künftige Bedeutung von Deutsch als zweite Fremdsprache an koreanischen Schulen", "Verwendungsmöglichkeit der deutschen Sprache in deutsch-koreanischen Unternehmen" und "Deutschunterricht für koreanische Rückkehrerkinder" diskutiert.
In Absprache mit der deutschen, der französischen und der Schweizer Botschaft fand dann im Januar d.J. eine Besprechung mit den jeweiligen Kulturreferenten, einer Schweizer Lektorin und mir statt. Es bestand nach mit großer Offenheit geführter Diskussion einhelliger Konsens, daß nach Wegen gesucht werden muß, den Berufsstand ausländischer Lektoren und Lektorinnen aufzuwerten und deren Arbeitsbedingungen zu verbessern.
Der DAAD vergibt jedes Jahr Stipendien an besonders begabte koreanische Germanistikstudenten. Bisher war es den DAAD-Lektoren vorbehalten, diese für eine Auswahl zu empfehlen. In Zukunft werden auch nichtentsandte Lektoren von dieser Möglichkeit Gebrauch machen können. Dafür werden sicherlich viele koreanische Universitäten Herrn Janik dankbar sein.
Schließlich hat uns die deutsche Botschaft zugesichert, daß zu den Kulturverhandlungen zwischen den Regierungen der Bundesrepublik Deutschland und der Republik Korea vorbereitenden Gesprächen im nächsten Jahr erstmals auch ein Vertreter der Lektorenschaft in beratender Funktion hinzugezogen wird.
Aber auch unsere Kontakte nach Deutschland, besonders zu den Universitäten, in denen sich das Fach "Deutsch als Fremdsprache" etabliert hat, verbessern sich zusehends. über E-Mail erreichen uns immer häufiger Anfragen der verschiedensten Art, auch von Interessenten, die sich nach Möglichkeiten und Bedingungen einer Lektorentätigkeit in Korea erkundigen. Indem wir diese Personen, abgesehen von ganz praktischen Tips, die wir ihnen geben, schon vor ihrer Anreise über die kulturspezifischen Besonderheiten koreanischer Universitäten, Lehr- und Lerngewohnheiten informieren, so daß sie optimal vorbereitet ihre Arbeit antreten können, leisten wir den deutschen Abteilungen, die eine Lektorin oder einen Lektor suchen, und sich für diese Bewerber entscheiden, einen nicht unerheblichen Service.
Die LVK verliert aber auch ihr Ziel, die Zusammenarbeit mit koreanischen Kolleginnen und Kollegen zu intensivieren, nicht aus den Augen. Sehr erfreulich unter diesem Gesichtspunkt war daher der engagierte und anregende Gedankenaustausch zwischen koreanischen und deutschen Teilnehmern auf dem von der Koreanischen Gesellschaft für "Deutsch als Fremdsprache" (KGDaF) und dem Goethe-Institut vom 29. bis 3O. März d.J. veranstalteten 1. internationalen Symposium in Yangpyong. Die LVK wird diesen Gedankenaustausch fortführen und alles in ihren Möglichkeiten stehende dazu beitragen, der in eine Krise geratenen koreanischen Germanistik neue Impulse zu geben.
Ich hoffe, daß Ihnen dieser Rundbrief eine anregende Lektüre bietet. Es ist kein Zufall, daß er auch unabhängig voneinander konzipierte, für koreanische Leserinnen und Leser vielleicht etwas überraschend kritische Beiträge enthält. Diese spiegeln die Realität und die Schwierigkeiten, unter denen sich einerseits koreanische und deutsche Kolleginnen und Kollegen gleichermaßen, andererseits deutsche Lektorinnen und Lektoren im Besonderen konfrontiert sehen, deutlich wider.
Herr Kai Schroeder wirft die Frage nach dem "Lernziel Deutsch" auf. Diese Frage hat die deutsche Lektorenschaft schon lange, bevor sie zum allgemeinen Diskussionsgegenstand wurde, beschäftigt. Auch die Frage nach dem Selbstverständnis koreanischer und deutscher Universitäten, der Herr Dr. Gert Hofmann in einem interessanten historischen Exkurs nachgeht, stellen wir uns, die wir als Akademiker in einem fremden Kulturkreis leben und arbeiten, natürlich häufig. Der Beitrag von Herrn Mattheus Wollert "Machen Sie, was Sie wollen" ist ebenso als eine konstruktive Kritik zu verstehen. Er ist ein Appell an die deutsche Lektorenschaft, in ihrem beruflichen Engagement nicht nachzulassen, und gleichzeitig ist es eine Bitte und eine Aufforderung an unsere koreanischen Kolleginnen und Kollegen, von unserem ernstgemeinten Kooperationsangebot in verstärktem Maße Gebrauch zu machen. Ein Arbeitsklima, wie es Frau Anke Stahl von der deutschen Abteilung der Seoul-Frauen-Universität schildert, wünschen wir uns alle.
Und ich wünsche Ihnen allen ein fröhliches und erfolgreiches Sommersemester!
gez.
Dr. Armin Kohz
Vorsitzender der Lektoren-Vereinigung Korea (LVK)
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