MD Dr. Lothar Wittmann

Antwortschreiben des Leiters der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes


Anm. d. Red.: In der letzten Ausgabe der DaF-Szene Korea (Nr. 2, S. 15-19) druckten wir das Schreiben des ehemaligen LVK-Vorsitzenden, Mathias Adelhoefer, an den Leiter der Kulturabteilung des Auswärtigen Amtes, MD Dr. Lothar Wittmann, ab. Im folgenden drucken wir nun Auszüge aus seinem Antwortschreiben vom 1.9.1995 ab:


Betr.: Lektoren für deutsche Sprache, Literatur und Landeskunde in Korea
Bezug: Ihr Schreiben vom 9. Juli 1995
Bonn, den 1.9.1995

Sehr geehrter Herr Adelhoefer,

vielen Dank für Ihr Schreiben vom 9. Juli 1995, in dem Sie mich über die Tätigkeit der nichtentsandten Deutschlektoren in Korea sowie über die Aktivitäten und Ziele der unlängst gegründeten Lektoren-Vereinigung Korea informieren.

Ich stimme Ihnen zu, daß der Arbeit der nichtentsandten Lektoren eine große Bedeutung zukommt, die über die Vermittlung rein wissenschaftlicher Themen weit hinausgeht. Ebenso wie die mit offiziellem Auftrag entsandten oder vermittelten Fachkräfte leisten Sie einen wertvollen Beitrag bei der Verbreitung der deutschen Sprache und Kultur in Korea und helfen auf diese Weise unmittelbar, Zielsetzungen unserer Auswärtigen Kulturpolitik zu verwirklichen.

Aus dieser Feststellung ergibt sich natürlich die von Ihnen formulierte Frage, wie Ihre Tätigkeit im Rahmen unserer Kultur- und Sprachförderung unterstützt werden kann. Die Botschaft Seoul hatte vor einiger Zeit angeregt, entsprechende Maßnahmen zu prüfen; auch auf der Kultur- und Pressereferententagung im März d.J. in Peking wurde dieses Thema erörtert.

Konkret sehe ich folgende Möglichkeiten der Unterstützung:

Die von Ihnen gewünschte intensivere Betreuung kann nur in engem Zusammenspiel zwischen der Botschaft Seoul und den vor Ort tätigen Vertretern der Mittlerorganisationen (Goethe-Institut, DAAD) realisiert werden. Ihre Bitte um eine verstärkte Wahrnehmung der Belange der nichtentsandten Lektoren durch die Botschaft ist mir durchaus verständlich. Wir werden die Botschaft bitten, sich um eine entsprechende Betreuung zu bemühen. Allerdings setzen die auch von Ihnen erwähnte Arbeitsbelastung der Botschaftsangehörigen und die limitierten verfügbaren Mittel hier enge Grenzen. Gleichwohl halte ich es für sinnvoll, daß auch Vertreter der freien Lektoren zu den Sitzungen der StADaF Korea geladen werden, um in diesem Rahmen Probleme bei der Spracharbeit zu erörtern und mögliche Förderungsmaßnahmen zu sondieren. Nach meinem Wissen hat [der ehemalige] Botschafter Dr. Siemes Ihnen im übrigen bereits zugesichert, bei der Beseitigung ungerechtfertigter Benachteiligungen rechtlicher oder administrativer Natur behilflich sein zu wollen.

Das Goethe-Institut Seoul ist in Zusammenarbeit mit dem DAAD-Büro Tokyo ebenfalls um eine verstärkte Betreuung bemüht. Dazu zählen die regelmäßig veranstalteten Lektorentreffen ebenso wie die Fortbildungsangebote für Germanisten, die auch von den freien Lektoren wahrgenommen werden können. Das Referat für pädagogische Verbindungsarbeit des Goethe-Instituts Seoul steht Ihnen als Kontakt- und Informationsstelle zur Verfügung.

Neben dem Goethe-Institut und Inter Nationes stellt auch der DAAD den nichtentsandten Lektoren Informations- und Lehrmaterial zur Verfügung. Darüber hinaus regt er an, die vermittelten Lektoren für eine verstärkte Zusammenarbeit mit ihren nichtentsandten Kollegen, beispielsweise im Rahmen zusätzlicher koordinierender Tätigkeiten, zu gewinnen.

Grundsätzlich stimme ich Ihnen zu, daß die Tätigkeit der freien Lektoren auch Diskussionsgegenstand bei den deutsch-koreanischen Kulturkonsultationen sein sollte. Ich bin Ihnen daher dankbar für das Angebot, im Vorfeld der Verhandlungen beratenderweise behilflich zu sein und befürworte die Teilnahme eines Vertreters der Lektorenvereinigung bei Vorbereitungssitzungen.

Auf Ihre Frage nach einem Rentenabkommen kann ich Ihnen mitteilen, daß das Bundesministerium für Arbeit und Sozialordnung (BMA) prüft, ob eine Notwendigkeit zum Abschluß eines derartigen Abkommens besteht. Kürzlich änderte sich das koreanische Recht dahingehend, daß Ausländer grundsätzlich rentenversicherungspflichtig wurden. [...]

Abschließend darf ich Ihnen mitteilen, daß die Beratung möglicher Unterstützungsmaßnahmen für die nichtentsandten Deutschlektoren auch auf der nächsten Sitzung der StADaF in Bonn durch das Auswärtige Amt und Vertreter von auf dem Gebiet der Förderung der deutschen Sprache im Ausland tätigen Institutionen (Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, Goethe-Institut, DAAD, Inter Nationes) vorgesehen ist.

In der Hoffnung, daß der Tätigkeit der Lektoren-Vereinigung Korea Erfolg beschieden sein möge, verbleibe ich mit freundlichen Grüßen

gez.
Dr. Lothar Wittmann
Ministerialdirektor


Copyright © 1995 by Dr. Lothar Wittmann


DaF-Szene Korea Nr. 3

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